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09.11.2018

Gersthofens Mittelschule ist eine „Eliteschule“

Auf die Plätze, fertig, los! Die Bundesjugendspiele sind der Klassiker des Schulsports. Doch das Angebot sollte viel größer sein, fordern Pädagogen.

Bewegung wirkt sich auch auf die schulischen Leistungen von Kindern aus. Ein Aktionsbündnis fordert deshalb die Stärkung von Sportangeboten.

Bewegung ist für viele Kinder nichts Selbstverständliches mehr. Heutzutage geht es Nachmittags nicht mehr raus auf den Sportplatz zum Bolzen, sondern eher vor irgendeinen Bildschirm. Dieser Meinung sind sowohl die Sport-Fachberater aus der Region, als auch das „Bayerische Aktionsbündnis für den Schulsport“. Deshalb wird der Schulsport in ihren Augen immer wichtiger.

Für Michael Weiß, den stellvertretenden Vorsitzenden der Sportjugend im Bayerischen Landessportverband (BLSV) und Sprecher des Aktionsbündnisses, liegt die Herausforderung vor allem darin, Kinder zu einer Art Grundsportlichkeit heranzuführen. Es gehe nicht darum, dass jeder Schüler einen Fußball jonglieren könne, sondern „um eine Grundmotorik und Grundausdauer, die man auch im Alltag braucht“, erklärt Weiß. Oft fehle es den Kindern an grundsätzlichen koordinativen Fähigkeiten. Er erklärt seine These am Beispiel einer Jugendfußballmannschaft. Es habe lange gedauert, bis er als Trainer an einem Punkt angelangt war, an dem alle Kinder sicher rückwärtslaufen oder auf einem Bein stehen konnten. „Das war eine riesige Herausforderung“, sagt Michael Weiß.

Mehr Sportlehrer einstellen und ausbilden

Werner Härle ist Lehrer an der Mittelschule in Gersthofen und Sport-Fachberater für Grundschulen. Er erklärt, dass diese „grundsätzlichen motorischen Fähigkeiten“ durchaus Teil des Lehrplans seien. Das Problem liege oft darin, dass Sportunterricht von Lehrern durchgeführt wird, die das Fach nicht studiert haben, also eigentlich nicht qualifiziert seien. Eine zentrale Forderung des Aktionsbündnisses ist deshalb, mehr Lehrer einzustellen und auszubilden, die Sport als Unterrichtsfach studiert haben.

Michael Weiß ist der Meinung, dass in der Grundschule die Basis für die Begeisterung an Sport und Bewegung geschaffen werden muss – und zwar mit mindestens drei Stunden Sportunterricht pro Schuljahr und Woche. Im ersten Schuljahr sind es bislang nur zwei Wochenstunden. Allerdings geht es dem Aktionsbündnis nicht nur um den regulären Sportunterricht. Auch der Sport in offenen und gebundenen Ganztagsmodellen ist ein zentrales Thema. Weiß bezeichnet die Ganztagsschule als „Herausforderung“, da sie zwar zusätzlichen Freiraum für Bewegung biete, aber das qualifizierte Personal an den meisten Schulen fehle. Eine Lösung könnte die Zusammenarbeit mit Sportvereinen sein.

Auch am geschulten Personal mangelt es in Fischach nicht

Zum Teil wird das in der Grund- und Mittelschule Fischach/Langenneufnach schon umgesetzt. Hier gibt es ein offenes Ganztagsangebot in der Grundschule und Ganztagsklassen in der Mittelschule. Bei ihnen spiele Bewegung eine zentrale Rolle, erklärt Schulleiterin Elisabeth Kick. Nachmittags würden Lehrer und Betreuer mit den Kindern so viel wie möglich nach draußen gehen. „Die Kinder sollen nicht weiter im Klassenzimmer sitzen“, betont die Schulleiterin. Für das Bewegungsangebot stünden unterschiedliche Turnhallen und sogar eine Schwimmhalle zur Verfügung. Auch am geschulten Personal mangelt es der Schule in Fischach nicht. Durch externe Übungsleiter bietet die Schule außerdem immer wieder „Highlights“: Zum Beispiel Hip-Hop-Tanzunterricht oder Poi-Jonglage mit LED-Kugeln. Der Einsatz lohnt sich: Seit einigen Wochen zeichnet die Schule das Profil „Sport-Grundschule“ aus.

Michael Weiß betont: die Themen Bildung und Sport sind nicht zu trennen. Auch Fachberater Werner Härle erklärt: „Sport in der Schule ist so viel mehr, als nur Sportunterricht.“ Nicht nur im Sportunterricht, auch in anderen Fächern würden Bewegungsübungen zu besseren Leistungen führen. Das Aktionsbündnis verweist auf Studien, die belegen, dass Kinder, die sich regelmäßig bewegen, auch generell bessere Leistungen in der Schule zeigen. „Es sollte also im Interesse aller liegen, den Sportunterricht zu fördern“, betont Weiß.

Die „Eliteschule des Fußballs“

In der Mittelschule in Gersthofen ist das, was das Aktionsbündnis fordert, schon weitgehend Alltag. Die Schule arbeite mit unterschiedlichen Vereinen zusammen, um das Sportangebot zu erweitern, erklärt Rektorin Sigrid Puschner. Als „Eliteschule des Fußballs“ hat die Schule sicherlich eine Sonderstellung. Der FCA ist der bekannteste Partner der Mittelschule, dicht gefolgt vom AEV. Aber auch Übungsleiter des TSV Gersthofen kommen regelmäßig in die Mittelschule und stellen unterschiedliche Sportarten vor.

In der fünften und sechsten Klasse haben die Schüler regulär drei Sportstunden in der Woche. In den höheren Klassen sind es nur noch zwei plus eine halbe Stunde wöchentlich als verpflichtendes Programm. Das Angebot der Schule geht allerdings darüber hinaus. Am Nachmittag würden unterschiedliche Sportarten angeboten, dabei blieben die Schüler nicht im Klassenverband, sondern dürften frei entscheiden, erklärt Puschner. „Wir versuchen, Neigungsgruppen zu bilden und so mehr Leidenschaft für den Sport zu wecken“, sagt die Schulleiterin – auch wenn die Interessen in den höheren Klassen oftmals in andere Richtungen gehen.

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