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Saisonauftakt

11.07.2017

Griechisches Theater startet mit Kabarett

Stürmisch war der Auftritt des Kabarettisten Andreas Rebers in Heretsried. Und das hatte nicht nur mit dem Wetter zu tun.
Bild: Marlies Bernhard

Religion, Integration, Politik: Andreas Rebers gibt sich schonungslos im stimmungsvollen Ambiente

Er sei der Dritte von Zweien, behauptet der Kabarettist Andreas Rebers von sich bei seinem Auftritt im Griechischen Theater in Heretsried, um sich gegen ein Schubladendenken zu wehren. Und in der Tat bewies der aus Auftritten in ganz Deutschland, im Ausland und im Fernsehen (Die Anstalt, Schlachthof) bekannte Kabarettist, seine Vielseitigkeit als Kabarettist, Provokateur, Musiker, Chansonnier, Wortjongleur und -erfinder in einem stürmischen (nicht nur wettermäßig) Auftritt im Heretsrieder Freilufttheater.

In beabsichtigter Schwarz-WeißMalerei behandelt Rebers Themen, die vom hochaktuellen G20-Gipfel in Hamburg samt Randalen und schwarzen Truppen bis weit in die Vergangenheit führen – bis zu einem Hitlerimitationswettbewerb. Dabei möchte er laut eigener Aussage lieber missverstanden, als überhaupt nicht gehört werden.

Provokant legt er den Finger in so manche Wunde. Alle bekannten Parteien bekommen dabei ihr Fett ab, ihre Protagonisten werden imitiert und so mancher „Kernsatz“ wird als „Möhrensatz“ entlarvt, das heißt, wir, das Volk, werden, wie der berühmte Esel mit der vorgebundenen Möhre, von den Politikern an der Nase herumgeführt.

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Besonders ausführlich widmet sich Rebers seinen Lieblingsthemen, Flüchtlinge und Religion. Frau Flüchtling und Frau Hammer werden uns vorgestellt, beide werden für ungeschminkte Kritik am Kapitalismus benützt. Frau Flüchtling lernt, wie sie sich integrieren kann – sei tierlieb, tritt einem Verein bei, kaufe da Fisch, dort deine Schuhe und so weiter. Mit spitzer Feder und schonungslosem Spott wird Frau Hammer, geschiedene Sichel, allein erziehende Mutter, exaltierter Gutmensch, Vegetarierin und personifizierte politische Korrektheit gezeichnet.

Überschwängliche Hilfsbereitschaft und überdimensionierte Nachsicht, geschuldet einem historisch schlechten Gewissen, werden vom Kabarettisten abgelehnt zugunsten von gesundem Menschenverstand. So hält er es auch mit der Religion, Rebers hasst Dogmen, und gründet eine neue Religion, eine Volksreligion. Religion ist nicht die Lösung, sondern ein Teil des Problems, ist er sicher.

Untermalt und betont wird Rebers Vortrag mit seinen Chansons und Musikeinlagen, die zumeist aus eigener Feder stammen. Der Sprachkünstler verzaubert das Publikum, nicht nur mit Musik, sondern auch mit seinen Wortspielereien und -schöpfungen. Auch bei dieser Aufführung galt der Satz: Bei Rebers lacht man gut.

Mit seinem Programm „Amen“ bestritt Andreas Rebers in diesem Jahr den Auftakt im stimmungsvollen Griechischen Theater in Heretsried. Die nächsten Veranstaltungen sind in diesem Jahr noch „Love of Django“, „Räuber Hotzenplotz“ und „Der zerbrochene Krug“. (AL)

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