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Diedorf

02.01.2019

Gruselige Perchten treiben die Wintergeister aus

Sehen gruselig aus, sind aber handzahm: Die Diedorfer Perchten treffen sich am kommenden Samstag, 5. Januar, wieder zu einem Spektakel hinter der Schmuttertalhalle.
Bild: Maskenmuseum

Zottelige Gesellen mit Holzmasken tanzen wieder ums Feuer. Das hat Tradition. Doch wie geht es mit dem Maskenmuseum selbst weiter?

Ein alpenländischer Brauch ist seit ein paar Jahren auch im mittelschwäbischen Diedorf zur Tradition geworden: Das Maskenmuseum organisiert auch in diesem Jahr wieder ein Perchtenspektakel. Höhepunkt ist der Stampftanz der Perchten rund ums Lagerfeuer auf der Wiese vor der Schmuttertalhalle am Samstag, 5. Januar, um 17 Uhr.

Die Perchten sollen, so sagt das Brauchtum, das alte Jahr und die Wintergeister austreiben. In Österreich und auch im bayerischen Alpenraum sind sie dafür manchmal schon im November und bis in den Januar hinein unterwegs. Dort geht es nicht immer friedlich zu: Die Perchten lassen sich nämlich grob in die guten Schönperchten und die bösen Schirchperchten unterteilen. Und gerade die Schubsen und Stoßen auch schon mal.

Nicht so aber in Diedorf. Hier gehe es vor allem darum, den wahrscheinlich mehr als 500 Jahre alten Brauch aufleben zu lassen, so Michael Stöhr im vergangenen Jahr. Das Perchtenspiel, ist als mythologische Veranstaltung für die ganze Familie gedacht. Die fellbekleideten Tierdämonen möchten mit ihren laut dröhnenden Glockengurten, ihren alten holzgeschnitzten Masken aus dem Maskenmuseum Diedorf, mit Fackeln und Kuhschwänzen in eine andere Welt entführen. Gruselig scheint der Tanz der Teufel und Geister ums Neujahrsfeuer, aber handzahm sind die wilden Gesellen zu den Kleinen, die die Maskengestalten auch berühren dürfen, verrät Michael Stöhr. Die Veranstaltung auf der Wiese endet um 17.45 Uhr.

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Einer, der schon im vergangenen Jahr dabei war, ist Ethnologie-Student Markus Siefer, der als Berchthold verkleidet war. Berchthold, das ist der mythologische Treiber der wilden Perchtenjagd an der Seite der Perchta, die die Mutter Erde als Gottheit verkörpert. Die gruseligen Wesen sind ihre Begleiter. Mit ihrem Tanz soll der Rhythmus der Jahreszeiten wiederbelebt werden. Wenn die Kinder wollen, können sie die Masken aus anfassen oder selbst aufsetzen.

Mit dem Perchtenspektakel bringt Museumsgründer Michael Stöhr in die Öffentlichkeit, was ihm am Herzen liegt: Kulturen der Welt anhand von Masken beschreiben. Die größte Sammlung der Welt von originalen Masken ist in dem Museum in der Lindenstraße 1 zu sehen. Wie lange noch, ist allerdings offen: Wie mehrfach berichtet, sind Stöhr und der Förderverein des Museums auf der Suche nach einem neuen Quartier und auch neuen Betreibern des Museums. Die Sammlung ist mit 8000 Masken so umfangreich, dass sie auch auf den 700 Quadratmetern in Diedorf nicht vollständig gezeigt werden kann.

Doch die Suche nach einem neuen Quartier ist in den vergangenen Jahren nicht vorangekommen. Finanziell hat sich Stöhr nach neuen Quellen umgesehen, doch dem Landkreis wird der Unterhalt eines eigenen Museums zu teuer und der Bezirk kümmert sich eher um Ausstellungen, die sich komplett auf Bayerisch-Schwaben beziehen, so wie das Museum in Oberschönenfeld. Auch ein Gespräch vor Kurzem mit Kreisheimatpflegerin Claudia Ried und einem Vertreter der Beratungsstelle für nicht staatliche Museen hat keine besseren Aussichten gebracht, so Herbert May, Finanzchef des Fördervereins. Michael Stöhr hatte immer wieder angedeutet, seine Sammlung auch teilweise verkaufen oder ins Ausland verschenken zu wollen. So weit will es der Förderverein aber nicht kommen lassen. Eine Lösung könnte in der Schaffung einer Stiftung bestehen, blickt Herbert May in die Zukunft.

Ausklang Zurück zum Perchtenspektakel am kommenden Samstag: Ab 18 Uhr gibt es an der Dorfschmiede in der Lindenstraße 1 für alle zum Aufwärmen und für anregende Gespräche Glühwein und Kinderpunsch frei auf Spendenbasis. Kinder dürfen in der alten Dorfschmiede und im Künstlerhof Lindenstraße 1 ab 18.15 Uhr auch selbst in die Masken und Fellgewänder schlüpfen. Das Maskenmuseum kann allerdings nur zu einem anderen Zeitpunkt kostenlos besichtigt werden, nächster Termin ist Samstag, 12. Januar, um 11 Uhr, oder immer mit Führung nach Vereinbarung.

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