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Landkreis Augsburg

05.12.2018

Händler schlagen Alarm: Diebe sind so dreist wie nie

Im Durchschnitt wird im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord fast an jedem Tag ein Ladendiebstahl angezeigt. Doch die Dunkelziffer ist hoch.
Bild: Anne Wall (Symbolfoto)

Auch im Augsburger Land gibt es immer mehr organisierte Banden, die es auf ganz bestimmte Artikel abgesehen haben. Und dafür greifen sie tief in die Trickkiste.

Der Bayerische Handelsverband schlägt Alarm: Ladendiebe haben Waren im Wert von fast 350 Millionen Euro gestohlen. Eine Rekordhöhe. Was dem Einzelhandel außerdem Sorgen macht: Immer häufiger schlagen organisierte Banden zu – das sind Profis, die auf Bestellung stehlen. Senol Sarüce kennt sie: Der Augsburger Detektiv weiß um ihre Tricks und Methoden.

„Oft kommt eine gut gekleidete Frau, die dann längere Zeit einen Laden ausspäht“, berichtet Sarüce, der für seine Kunden in Stadtbergen oder Gersthofen genau hinschaut. „Nach einige Zeit kommen dann andere Bandenmitglieder dazu.“ Die wüssten dann genau, wie und wo se zugreifen müssen. Dabei gehe es nicht um Kleinigkeiten: „Sie wissen ganz genau, was sie wollen“, sagt Sarüce. Und im Nu seien Waren für 800 oder 1000 Euro eingesteckt.

Mann steckt Kaffeepulver, Pistazien und Cashewkerne in Discounter ein

Da sind die Packungen mit Kaffeepulver, Pistazien und Cashewkernen kleine Fische. Sie hatte ein Mann in einem Dinkelscherber Discounter eingesteckt. Sie verschwanden in einer schwarzen Tasche, mit der sich der Mann dann davon machen wollte – als er darauf angesprochen wurde, warf er einer Mitarbeiterin einen Karton zwischen die Beine und flüchtete. Weil es sich um größere Verpackungseinheiten handelte, geht die Polizei von einer banden- beziehungsweise gewerbsmäßigen Diebstählen aus. Alfred Götz von der Polizei in Zusmarshausen bestätigt: „Es gibt immer wieder Banden, die bei uns durchziehen.“

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Generell bei Ladendieben beliebt sind Kosmetika, Tabakwaren, Alkohol, Elektronik-Artikel, Modeschmuck und Markenkleidung. Sie verschwinden gerne in Taschen, Tüten oder Motorradhelmen oder werden in Zeitungen eingerollt, um dann unentdeckt an der Kasse aus dem Geschäft geschmuggelt zu werden. Sogar Taschen mit doppeltem Boden und Kinderwagen werden von den Kriminellen laut Handelsverband eingesetzt. Logisch: Wer vermutet dort schon gestohlene Waren?

48 Millionen Euro Schaden in Schwaben

In Schwaben entstand durch Ladendiebstähle im vergangenen Jahr ein Schaden von rund 48 Millionen Euro. Umgerechnet sind das Waren im Wert von rund 170.000 Euro, die den Händler täglich durch die Lappen gehen. Die Zahl stammt vom Landeskriminalamt. In der Statistik erfasst sind allerdings nur diejenigen Fälle, die bei der Polizei angezeigt wurden. Die Dunkelziffer ist hoch. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen zwar leicht rückgängig. In Bayern steht Schwaben damit nach Oberbayern (130 Millionen Euro Schaden) aber an zweiter Stelle. Das gilt auch für das Geld, das die Einzelhändler präventiv investieren – 38 Millionen (Oberbayern: 104 Millionen). „Prävention ist wichtig“, sagt Christoph Diesel, der Inhaber des Elektronik-Markts Euronics in Meitingen. Neben der elektronischen Sicherung und einer Videoüberwachung seien die Mitarbeiter gefragt: Ihre Sinne müssten immer wieder geschärft werden, meint Diesel. Dazu rät auch André Köhn, der Geschäftsführer des schwäbischen Handelsverbands. Er warnt aber auch: Der Eigenschutz steht vor dem Schutz der Ware. Niemand dürfe sich selbst in Gefahr bringen.

Am Ende ist die Polizei gefordert. So wie vor zwei Jahren: Damals versuchten zwei Männer, mit einer Spitzhacke in den Elektromarkt von Christoph Diesel zu gelangen. Doch der befand sich an dem Samstagabend noch zufällig in seinem Geschäft und hörte, wie sich die Kriminellen buchstäblich durchschlagen wollte. Er wählte sofort die 110. Danach folgte ein Großeinsatz – sogar ein Hubschrauber wurde nach Meitingen beordert. Einer der beiden Männer wurde festgenommen, der andere versuchte noch zu flüchten, was aber dank eines sprintstarken Gersthofer Beamten misslang. Mit brachialer Gewalt versuchten Kriminelle bereits im Jahr zuvor in den Mart zu kommen: Sie bohrten ein etwa ein Quadratmeter großes Loch in die Isolierung. Offensichtlich wurden die Einbrecher dabei gestört, woraufhin sie sich aus dem Staub machten.

Aktuell warnt die Polizei auch vor Kriminellen, die im Geschäftsgetümmel lange Finger bekommen: Sie bedienen sich nicht nur an der Ware, sondern greifen gerne in offene Handtaschen. Verlockend sind für sie auch immer wieder zurückgelassene Taschen in Einkaufswagen.

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