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Verkehr

15.07.2016

Handy am Steuer: Kommt bald ein Fahrverbot?

Viele Menschen haben beim Fahren das Handy in der Hand und schreiben etwa Nachrichten. Das erhöht das Unfallrisiko.
Bild: Monika Skolimowska, dpa

Wer auf sein Telefon statt auf die Straße schaut, baut fünf Mal wahrscheinlicher einen Unfall. Weil die bisherigen Bußgelder nicht genug abschrecken, gibt es neue Überlegungen.

Wer am Steuer sitzt und dabei auf seinem Handy eine Nachricht verfasst, fährt ungefähr so Auto, als hätte er 1,1 Promille Alkohol im Blut. Telefoniert man und hält das Handy ans Ohr, ist der Wert etwas niedriger, aber immerhin: Ein Betrunkener mit 0,8 Promille fährt ähnlich. Thomas Rieger, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Schwaben Nord, nennt diese Zahlen. Er hat sie aus einer amerikanischen Studie. Und er sagt noch etwas: „Die Nutzung des Handys am Steuer ist sehr, sehr gefährlich und ein häufiger Grund für Unfälle im Straßenverkehr.“

Verkehrspolitiker fordert vier Wochen Fahrverbot

Deshalb hat der Verkehrspolitiker Martin Burkert eine Forderung. Der SPD-Mann leitet den Verkehrsausschuss im Bundestag und sagt: „Wer beim Autofahren mit dem Handy in der Hand erwischt wird, soll vier Wochen Fahrverbot bekommen.“ Denn das Bußgeld von 60 Euro und der Punkt in Flensburg, die bisher als Strafe verhängt werden, wirken offenbar nicht.

Für wie viele Unfälle das Handy verantwortlich ist, lasse sich in Zahlen schlecht festhalten, sagt der Polizist Rieger. „Wir wissen nur, wenn ein Fahrer direkt sagt, dass er gerade auf sein Handy geguckt hat, was er vor dem Unfall gemacht hat“, sagt er. Denn einfach im Handy nachschauen, dürfen die Ermittler nicht. „Das Telefon zu beschlagnahmen, ist mit etlichen rechtlichen Hindernissen verbunden, weil es so viele persönliche Daten enthält“, erklärt Rieger.

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Wenn jemand nur einen leichten Unfall baut, können die Beamten nicht auf dem Telefon nachschauen, ob er davor eine Nachricht getippt hat. Wird jemand bei dem Unfall verletzt oder stirbt, sei die Lage eine andere, so Rieger. „Aber nur weil jemand zehn Sekunden vorher eine Nachricht geschrieben hat, beweist das ja noch nicht, dass er deswegen abgelenkt war.“

Das Tippen auf dem Handy steigert die Unfallgefahr um das Zehnfache

Doch die Gefahr lässt sich nicht abstreiten: „Wer bei Tempo 50 nur fünf Sekunden mit dem Handy beschäftigt ist, befindet sich mit seinem Auto 70 Meter im Blindflug“, sagt Reinhard Hoffmann, Generalsekretär bei der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Der Griff zum Handy steigere die Unfallgefahr um das Fünffache, das Tippen auf dem Telefon sogar um das Zehnfache, sagt er weiter.

Das Bußgeld, das bisher verhängt werde, schrecke die Menschen offenbar nicht genug ab, sagt der Unfallchirurg Hoffmann. Der SPD-Mann und Verkehrspolitiker Burkert stimmt ihm zu. „Bei uns im Verkehrsausschuss sind häufig Verkehrsexperten zu Gast und viele berichten, dass die Handynutzung beim Autofahren immer weiter ansteigt“, sagt der Nürnberger.

Eine Studie der TU Braunschweig zeigt Ähnliches. Die Wissenschaftler haben in Braunschweig, Hannover und Berlin knapp 11900 Autofahrer beobachtet. Sie wollten wissen, ob sie während des Fahrens abgelenkt sind. Das Ergebnis: Etwas mehr als 13 Prozent waren nicht nur auf den Straßenverkehr konzentriert, sondern auch auf etwas anderes. Viele hielten ein Handy in der Hand. Einige tippten darauf herum, andere telefonierten mit oder ohne Freisprechanlage. Vor allem Fahranfänger und jüngere Autofahrer ließen sich häufig ablenken.

Experten glauben, dass die Politik bald handeln wird

„Wir Deutschen haben ein ganz besonderes Verhältnis zu unserem Auto. Das ist noch viel enger als in anderen Ländern“, sagt Burkert. Niemand verzichte gerne auf seinen Wagen. Deswegen hofft der stellvertretende Landesvorsitzende der SPD in Bayern, die Deutschen mit einer schärferen Strafe dazu zu bringen, ihr Smartphone während der Fahrt wegzulegen.

„Das bisherige Bußgeld von 60 Euro ist sicher nicht zu hoch, wenn man sich im Verhältnis dazu anschaut, wie gefährlich es ist, beim Fahren auf das Handy zu gucken“, sagt der Polizist Rieger. Ob ein Fahrverbot als Strafe sinnvoller ist, will er nicht beurteilen. Der Verkehrspolitiker Burkert ist überzeugt, dass sich dadurch die Zahl der Unfälle senken lasse. Und er glaubt, dass die Politik bald handeln wird. „Es wird sicher noch in dieser Legislaturperiode eine Rolle spielen“, sagt er.

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Die Diskussion ist geschlossen.

15.07.2016

Handy am Steuer, nur so ist es zu erklären, die vielen Unfälle, auf die Gegenfahrbahn, oder den Baum, den die Häufigkeit der letzten Jahre ist erschreckend. Schon beim Radio bedienen ist man schnell ne Sekunde weg vom Geschehen. Aber in Zukunft fährt ja die Kiste alleine!

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15.07.2016

Ein Betrunkener mit 0,8 Promille fährt ähnlich. Thomas Rieger, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Schwaben Nord, nennt diese Zahlen. Er hat sie aus einer amerikanischen Studie....

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Für wie viele Unfälle das Handy verantwortlich ist, lasse sich in Zahlen schlecht festhalten, sagt der Polizist Rieger....Handy am Steuer ...

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( "Spekulanten" ... bei der Polizei ?)

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"Amerikaner" ... die Leitkultur ?

We no speak americano - Original song Renato Carosone

https://www.youtube.com/watch?v=FBZhzOAUetQ

.

Sophia Loren - Americano

https://www.youtube.com/watch?v=2hWg6lTzR2I

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15.07.2016

Bringt doch nichts. Ich sehe jeden Tag mehrere die während des Fahrens telefonieren. Egal wo ich mich aufhalte. Und ich vermute mal, daß vielleicht 1%-2% von denen, die am Steuer telefonieren, gefasst werden. Ein entsprechendes Gesetz wäre dann mal wider ein Tiger ohne Zähne.

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15.07.2016


Ach so. Die Benutzung des Smartphones während des Fahrens soll - weil so gefährlich - mit Fahrverbot belegt werden, aber wenn ein Unfall passiert, darf man es aus Datenschutzgründen nicht als Beweismittel konfiszieren und es belegt auch dann, wenn das wegen der Schwere des Unfalls doch möglich ist, keinesfalls, dass selbst bei zeitnaher Nutzung der Unfall durch diese ausgelöst wurde. Ja, dann...

Das muss man erst mal verstehen.

Bedeutet in etwa: Die, die keinen Unfall bei der verbotenen Handybenutzung verursachen, werden zur Rechenschaft gezogen und hart bestraft, die, die für Sach- und Personenschäden verantwortlich sind, können sich rausreden auf andere Umstände.

Ich bin sehr dafür, die Gefahr durch die Smartphonenutzung beim Fahren zu thematisieren und sie härter zu sanktionieren.

So zu tun, als ob noch nie jemand in seinem Auto durch irgend etwas abgelenkt worden wäre, ist allerdings auch Unfug.

In jedem Auto gab es schon immer Audiogeräte, deren Bedienung von dem Verkehrsgeschehen ablenk(t)en. Da ist außerdem der Raucher, der sich eine ansteckt (am extra dafür eingebauten Zigarettenanzünder). Da ist neuerdings das NAVIGATIONSGERÄT, das fast genau so viel Aufmerksamkeit abzieht, wie das Gucken auf eine Textnachricht beim Handy. Da ist die Mutter, die sich nach ihren im Fond quängelnden Kindern umdreht...

Und in der Tat kann man, wenn man das sehr bewusst gestaltet auch mal kurz das Handy bedienen und ein kurzes Gespräch führen OHNE die Augen und die Aufmerksamkeit vom Verkehr zu nehmen. Das geht. So wie man sich auch mit Ohrstöpseln im öffentlichen Verkehrsraum bewegen kann OHNE taub und unachtsam sich selbst und andere zu gefährden.

Aber natürlich müssen immer die Achtsamen für die Unachtsamen den Kopf mit hinhalten.

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15.07.2016

Mit dem ersten Teil ihres Beitrags bin ich einverstanden. Es kann nicht sein, dass aus Datenschutzgründen Unfälle nicht aufgeklärt werden. Das Thema Ablenkung durch Handynutzung verharmlosen sie aber zusehr! Es kann ja sein,dass dies im Stadtgebiet von Augsburg nicht so gefährlich ist. Ich bin aber jeden Tag überwiegend auf Landstrassen unterwegs. Und ich kann ihnen sagen, es ist lebensgefährlich! Wieviele Autos mir schon entgegen gekommen sind, die auf meine Strassenseite kamen, kann ich schon nicht mehr zählen. Und alle mit gesenktem Blick aufs Handy, teilweise sogar am Tippen! Die bringen nicht nur sich selber um sondern vor allem Unschuldige!

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15.07.2016

Auf Autobahn oder Landstraße auf dem Handy zu tippen halte ich für völlig unverantwortlich. Das ist grob fahrlässig. Nimmt den Tod anderer quasi billigend in Kauf.

An der roten Ampel stehend, kann ich ein kurzes GESPRÄCH aber nicht für so riskant und verantwortungslos halten, dass deshalb der Führerschein 4 Wochen entzogen gehört.

Es werden aber mit Sicherheit in erster Linie diese Vergehen ertappt, angezeigt, verfolgt werden, während die katastrophal gefährdenden weiterhin kaum überwacht werden können und im Falle eines Unfalls, siehe oben, nicht mal zur Klärung der Unfallursache herangezogen werden.

In dieser Hinsicht sehe ich ein krasses Missverhältnis.

Ein Handygespräch per Freisprechanlage zu führen ist erlaubt. Dabei muss der Anfrufer ggf. auch eine Nummer auswählen wobei er abgelenkt sein kann.

Im Stau oder an der Ampel stehend wegen einem Telefonat den Führerschein zu verlieren halte ich für völlig überzoge und die Schlussfolgerung, wer das macht, tippt auch Nachrichten auf der Landstraße nicht zwingend beweiskräftig.

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15.07.2016

Da kann ich zustimmen! Auf lange Sicht könnte die Politik auch die Autohersteller mit ins Boot holen. Es wäre auch technisch möglich, den Handyempfang im Auto zu unterbinden, es sei denn es wird eine Freisprecheinrichtung benutzt! Technisch durchaus umsetzbar.

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15.07.2016

die von Ihnen angeführten Dinge (Rauchen, Bedienen des Navi etc als Fahrer) sind natürlich genauso abzulehnen. Zumindest beim Rauchen ist es jedoch so: Baut ein Rauchender hinter Steuer einen Unfall, dann nimmt ihn seine Haftpflichtversicherung in Regress mit dem Argument , dass dies grob fahrlässig sei (Glut kann runter fallen etc.)

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15.07.2016

Was nützen härtere Strafen, wenn es zu wenig Polizei auf den Strassen gibt, die auch die Verstöße festestellen kann? Gleichwohl ein Fahrverbot für die Handybenutzung am Steuer zu begrüssen wäre.

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15.07.2016

(Beitrag gelöscht und Account gesperrt/Die Angabe eines Vornamens ist Pflicht/Ein Profilname mit nur einem Buchstaben ist nicht gestattet)




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15.07.2016

(Beitrag gelöscht und Account gesperrt/Die Angabe eines Vornamens ist Pflicht/Ein Profilname mit nur einem Buchstaben ist nicht gestattet)

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15.07.2016

Endlich ein Politiker, der sich diesem Problem annimmt! Ich habe die Hoffnung schon aufgegeben. Erschreckt hat mich in dem Bericht die Tatsache, dass man nach einem Unfall nicht das Handy des Unfallverursachers untersuchen darf. Datenschutz!? Das ist halt mal wieder Deutschland........

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