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Stadtgeschichte

03.06.2019

Historische und skurrile Schätze aus Gersthofen

Wer kennt noch eine Passbild-Niet-Maschine?
Bild: Marcus Merk

Im Ballonmuseum gibt es zum Jubiläum eine Ausstellung, die so manche Überraschung bereithält

Historische Schätze und schrullige Überbleibsel aus vergangenen Tagen schlummern für gewöhnlich vor neugierigen Augen verborgen im Stadtarchiv Gersthofen. Anlässlich des 50-jährigen Stadtjubiläums wurden sie hervorgeholt und sind ab sofort bis zum 23. Juni im Ballonmuseum zu sehen.

Wer wissen möchte, was Heiligenrechnungen sind, was ein Verbrüderungseid ist oder wie edel die Handkasse der Verwaltung mal ausgesehen hat, der ist bei der Ausstellung „Verstaubt und vergessen? Von wegen!“ genau richtig.

Wie die Gersthofener 1969 gleichzeitig den 1000. Geburtstag ihrer Gemeinde und die Erhebung vom Markt zur Stadt gefeiert haben, ist in einem einstündigen Film zu sehen. In einem zweiten Streifen erinnern sich die damaligen Akteure an ihr Gersthofen, wie sie es vor vielen Jahren erlebt haben. Dafür haben Schüler der sechsten Jahrgangsstufe des Paul-Klee-Gymasiums Zeitzeugen gebeten, aus ihrem Leben zu erzählen. Sie gaben gerne Auskunft und so kam eine Reportage zustande, die – ebenso wie der Film aus dem Jahr 1969 – auf einem großen Bildschirm und mit Kopfhörern in der Ausstellung angesehen werden kann.

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Viel Arbeit war die Aufbereitung der immerhin 80 Exponate schon, doch „es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, bedankte sich Bürgermeister Michael Wörle zur Ausstellungseröffnung für dieses „Highlight der Jubiläumsfeier“ bei allen Beteiligten.

Die Jugend des Paul-Klee-Gymnasiums ging auf Recherchetour in Sachen Stadtgeschichten; Stadtarchivar Lukas Kleinle wählte gemeinsam mit dem Leiter des Ballonmuseums Thomas Wiercinski die interessantesten Stücke aus dem gut gepflegten Fundus der Stadt. Vieles davon wurde „so noch nie öffentlich gezeigt“, hofft Wiercinski auf möglichst viele Besucher in den kommenden Wochen. „Die hat diese Ausstellung auch verdient“, war die stellvertretende Landrätin Anni Fries von Inhalt und Präsentation begeistert.

In den Vitrinen und sorgfältig gerahmt an den Wänden finden sich 1050 Jahre Stadtgeschichte von vielen Seiten beleuchtet. Ehrwürdige Dokumente, das erste Goldene Buch der Stadt, historische Karten, die zeigen, wie Gersthofen nach der Lechbegradigung einen steilen Aufschwung nahm. Die Wasserkraft konnte genutzt werden, mit einem Zweigwerk der Farbwerke Hoechst siedelte sich 1902 das erste Industrieunternehmen an.

Damals sensationelle Luftaufnahmen aus Ballonperspektive sind lebendiges Zeugnis des Wachstums. Aber auch Erinnerungsstücke neueren Datums gefielen den ersten Ausstellungsbesuchern. Bierdeckel von der 1000-Jahr-Feier werden ebenso im Archiv aufbewahrt wie eine Passbild-Nietmaschine, mit deren Hilfe die Konterfeis der Passinhaber ihren Platz im Dokument einnahmen. Vor der Digitalisierung aller Bilder und Daten konnte es schon mal passieren, dass ein feucht gewordener Pass nachher mit einem ringförmigen, rostigen Abdruck auf der Seite gegenüber des Fotos verziert war.

Das ist für die jüngeren Ausstellungsbesucher wohl ebenso exotisch wie das grüne Wählscheibentelefon, mit dem man einst in einer Amtsstube den Kontakt zwischen Verwaltung und Bürgerschaft hielt. Nicht ganz so schnelllebig war die Zeit um 1701. Aus diesem Jahr stammt nämlich das Buch mit den anfangs erwähnten Heiligenrechnungen. Darin ist aber nicht etwa der Preis für Heilige vermerkt, sondern es wurden sorgfältig alle Einnahmen und Ausgaben der Kirchen im Ort dokumentiert. Um mehr zu erfahren, lohnt sich ein Besuch im Ballonmuseum. (sdk)

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