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Thierhaupten

01.10.2019

Horrorunfall bei Thierhaupten: Es sah aus "wie auf einem Schlachtfeld"

Ein 37-Jähriger war betrunken und viel zu schnell mit dem Auto unterwegs. Er baute einen Unfall, der tödlich hätte enden können. 
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Ein 37-jähriger Fahrer hatte getrunken, keinen Führerschein und war viel zu schnell unterwegs.  Nun erhält der Mann, der bereits 14 Punkte in Flensburg hat, seine Quittung vor Gericht.

Ein völlig demoliertes Auto, überall Trümmer und fünf blutüberströmte und zum Teil schwer verletzte Männer: Es war ein schrecklicher Anblick, der sich den Ersthelfern nach dem Horrorunfall im Mai 2018 nachts in einem Waldstück bei Thierhaupten bot. „Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld“, sagte gestern ein Polizist vor Gericht. Angeklagt war der Fahrer des VW Touran, der von Straße abkam und sich überschlug. Der 37-Jährige hatte weder einen Führerschein noch war er an dem Abend nüchtern. Trotzdem hatte er sich ans Steuer gesetzt – mit ihm im Wagen waren noch fünf Männer.

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Mitfahrer waren nicht angeschnallt

Alle hatten bei einer gemeinsamen Betriebsfeier Alkohol getrunken. Einer von ihnen musste dann dringend zu einer Freundin. Die Fahrt dorthin wollten weitere Kollegen nutzen, um an einer Tankstelle Zigaretten zu kaufen. Sie saßen im Rückraum des VW Touran und hatten sich nach einem Gutachten nicht angeschnallt. Nur der Fahrer und der Beifahrer hatten Gurte angelegt. Dann passierte es: In einer lang gezogenen Kurve brach der Wagen aus. Ein Sachverständiger errechnete, dass der Wagen mindestens 118 Stundenkilometer schnell war. Erlaubt sind in dem Bereich aber nur 70. Der Wagen schleuderte und überschlug sich mindestens zweimal.

Durch den Unfall will der 37-Jährige aus dem Wagen geschleudert worden sein. So schilderte es Rechtsanwalt Christian Schößling in einer Erklärung zu Beginn der Verhandlung. „Ich bin aufgewacht und wusste gar nicht, wo ich bin“, sagte der Angeklagte. Er hätte sich nur noch in Bruchstücken erinnern können. Und: Ihm sei in diesem Augenblick nicht klar gewesen, dass sich noch fünf Verletzte im Auto befunden haben.

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Mit einer gebrochenen Schulter und unter Schock sei er dann aufgestanden und habe sich nachts mehrere Kilometer durch einen Wald zu einer Pension geschleppt, die er kannte. Dort legte er sich hin und verständigte dann einen Kollegen. Am nächsten Morgen bat er einen Bekannten, ihn zur Polizei zu fahren. Die hatte bereits nach dem Mann gefahndet.

Wollte der Fahrer nach dem Unfall flüchten?

Vor Gericht wurde gestern untersucht, ob der Mann tatsächlich aus dem Wagen geschleudert wurde. Oder hatte er sich abgeschnallt, aus dem Wrack befreit, um dann zu flüchten? Ein Sachverständiger hielt es für unwahrscheinlich aber nicht unmöglich, dass der 37-Jähriger aus dem Gurt gerutscht war. Und der Polizist – er war einer der Ersten an der Unfallstelle – meinte: „Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“ Wenn so etwas passiere, dann bleibe der Verletzte liegen und rühre sich nicht mehr. Der Vorwurf der unerlaubten Entfernens vom Unfallort wurde nach einem Gespräch zwischen Verteidiger, Richterin Susanne Scheiwiller und dem Staatsanwalt eingestellt.

Täter entschuldigt sich bei den Opfern

Verurteilt wurde der 37-Jährige, der den Ablauf des Unfalls wesentlich eingeräumt und sich bei den Opfer entschuldigt hatte, aber trotzdem: Weil er ohne Führerschein gefahren war und wegen der fahrlässigen Körperverletzung in fünf Fällen erhielt er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr. Sie wird zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Mann, der bereits 14 Einträge im Flensburger Bundeszentralregister hat, 1000 Euro an die Verkehrswacht Augsburg zahlen. Richterin Scheiwiller redete ihm ins Gewissen: „Sie hätten bei dem Unfall auch alle tot sein können.“

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