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Stadtbergen

09.09.2019

In dem Haus in Leitershofen kommen Menschen zur Ruhe

Pater Thomas Schuster erläuterte im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen auch den Reidel-Kreuzweg im inneren Teil des Gangs zur Auferstehungskapelle. Bemerkenswert sind die eindrucksvollen Gesichtszüge, zum Beispiel hier des sein Kreuz tragenden Christus.
Bild: Foto: Marcus Merk

Plus Das von Thomas Wechs gestaltete Exerzitienhaus soll Menschen Momente der Stille und Kraft vermitteln. Wie das gelingt

Ein besonderer kirchlich geprägter Gebäudekomplex ist das 1961 geweihte Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen. Es gehört zu den spektakulären kirchlichen Bauten des Augsburger Architekten Thomas Wechs. Zum Tag des offenen Denkmals erhielten zahlreiche Besucher hier einen Einblick in seine Geschichte und Architektur sowie in die des ehemaligen Klosters Thierhaupten. In diesem Jahr wurden am Denkmalstag 14 Gebäude im Augsburger Land geöffnet und erläutert.

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Pater Thomas Schuster führte die Interessenten durch die verschiedenen Gebäude und erläuterte auch die in den Jahren 2016/17 durchgeführten Sanierungsarbeiten – die sich aber nicht auf den Westflügel erstreckten. Der vom damaligen Bischof Josef Freundorfer ausgewählte Architekt Thomas Wechs hatte schon verschiedene Kirchen im Bistum errichtet und vertrat einen modernen Architekturstil. Der Gebäudekomplex weist zahlreiche Bezüge auf: „Die Kirche ist auf den Augsburger Dom ausgerichtet“, so der Pater. Der Petrussaal wiederum hat eine Pfeilform und zeigt genau in Richtung Rom. Verlängert man eine Linie vom Kreuz über der Kuppel des Petrussaals über das der Kuppel der Auferstehungskapelle, führt sie nach 603 Kilometern nach Assisi.

Charakteristische Fenster

Charakteristisch für das Exerzitienhaus sind die kleinen, schießschartenartigen Fenster im ganzen Gebäudekomplex und der kühn in Richtung Himmel geschwungene Turm der Kirche. Dort hängt ein spätromanisches Kruzifix. Wichtig sei es, den Menschen im Exerzitienhaus Möglichkeiten zur Kontemplation, zum Beten zu geben. Dies ist möglich von der völligen Zurückgezogenheit bis hin zur Betrachtung des weitläufigen Freigeländes mit seinem geschwungenen Wasserlauf und der 200 Jahre alten Eiche. So bilden Geschichte und Moderne eine harmonische Kombination.

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Es ist ein Schmuckstück und das „Herz Thierhauptens“: 30 Interessierte ließen sich bei der ersten von zwei Führungen in Thierhaupten von Franz Hölzl das Konventgebäude und den Kapitelsaal erklären, während in den anderen Flügeln des Klosterkomplexes Mitarbeiter durch die Bauteilesammlung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege führten. „Der Klosterkomplex umfasst insgesamt 80000 Kubikmeter umbauten Raum – das entspricht in etwas 80 Einfamilienhäusern“, sagte Hölzl. Er ging auf die Gründung des Klosters ein, die der Legende nach um das Jahr 750 stattfand, nachdem der zehnjährige Herzog Tassilo III. sich verirrt hatte und heil seine Gesellschaft wiederfand. Es entstand ein Benediktinerkloster. „Es gab aber an dieser Stelle bereits Funde aus der Römerzeit, zum Beispiel Münzen, ebenso eine alte germanische Opferstätte“, so Hölzl weiter. Der Name Thierhaupten leite sich vermutlich durch dort gefundene Tierschädel her.

„Die heutige Klosteranlage wurde um 1719 errichtet.“ Zuvor hatte es schon mehrere Gebäude aus verschiedenen Epochen gegeben. Der Ring um den Innenhof bis zur Kirche wurde allerdings nicht mehr geschlossen. Das zeigt eine im Nichts endende Mauer an der nördlichen Seite des heutigen Musikerheims. Die Säkularisation und damit die Schließung des Konvents kamen dazwischen. „Die Säkularisation ist gleich einem Tsunami durch die bayerische Kultur gegangen“, fasste Hölzl zusammen.

Saal für Trauungen

Nach mehreren weltlichen Eigentümern gelang es dem damaligen Thierhauptener Bürgermeister Fritz Hölzl, das Kloster im Jahr 1983 von Albrecht von Stetten für die Gemeinde zu kaufen. Damals wurde der Freundeskreis des Klosters gegründet. „In den Folgejahren wurden die Gebäude renoviert für umgerechnet rund 18 Millionen Euro und im Jahr 2002 wiedereröffnet.“ Der Kapitelsaal mit seiner gemalten Äbtegalerie dient heute für besondere Veranstaltungen der Gemeinde, für Trauungen und Konzerte. Hölzl verwies auf die puristische Gestaltung des Gebäudekomplexes. „Das zeigt, dass es kein bedeutendes Kloster war.“ Margarete Kreuzer aus Augsburg zeigte sich beeindruckt. „Zuvor habe ich mir auch die Räume des Landesamts für Denkmalpflege angesehen. Das war sehr interessant.“ 

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar von Gerald Lindner: Es lohnt sich, Gebäude für die Nachwelt zu erhalten

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