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26.12.2014

In der Gruppe herrscht Schweigepflicht

Diplom-Sozialpädagogin Birgit Sölch moderiert den „Treffpunkt“ für Alleinerziehende im Familienzentrum „Sternstunden“ der St. Gregor-Jugendhilfe.

Beim „Treffpunkt für Alleinerziehende“ werden Informationen ausgetauscht und Probleme erörtert. Simone und Karin berichten über ihre Erfahrungen in der Gruppe

Sie müssen Vater und Mutter in einer Person sein. Doch müssen Alleinerziehende wirklich alles mit sich selbst ausmachen? Nein, sie müssen nicht alles alleine schaffen - aber sie müssen wissen, wohin sie gehen können. Eine Anlaufstelle in Meitingen ist das Familienzentrum „Sternstunden“ der St. Gregor-Jugendhilfe. Dort erwartet die Alleinerziehenden einmal im Monat Diplom-Sozialpädagogin Birgit Sölch zum „Treffpunkt für Alleinerziehende“.

Karin (*Name von der Redaktion geändert) war ein Mitglied erster Stunde. Sie weiß, dass sie hier auf Verständnis für ihre Probleme stößt. „Wenn ich andere Frauen höre, die sich darüber beschweren, dass sie nicht zum Sport konnten, weil ihr Partner nicht rechtzeitig nach Hause kam, um auf das Kind aufzupassen, kann ich nur sagen: Diese Probleme kenne ich nicht.“ Nur für Notfälle habe sie jemanden, der sich um ihre Kinder kümmern könne, nicht jedoch um sich selbst Freizeit zu gönnen.

Simone (*Name von der Redaktion geändert) hat erst zum zweiten Mal den „Treffpunkt für Alleinerziehende“ besucht. Im Meitinger Bürgerbrief sei sie auf das Angebot gestoßen und wollte „einfach mal reinhören“. Auch sie weiß, dass sie im Alltag auf sich alleine gestellt ist. „Zunächst wusste ich gar nicht, welche Hilfe ich wo bekommen kann. Ich hatte Glück, im Landratsamt Augsburg fand ich eine nette Ansprechpartnerin. Und dann erfuhr ich auch von diesem Treffpunkt hier.“

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Diplom-Sozialpädagogin Birgit Sölch weiß: „Angebote gibt es viele, nur müssen die eben erst gefunden werden.“ Ein Ort des Informationsaustausches kann hier der „Treffpunkt für Alleinerziehende“ sein. Informationen zu Möglichkeiten, Hilfen und Beratungsstellen werden hier mit Expertenwissen angereichert und die Alleinerziehenden können sich untereinander austauschen.

Karin erklärt: „Ohne das Netzwerk des Familienzentrums hätte ich nie das Jugendamt kontaktiert.“ Heute ist sie froh, dass sie ihre Ängste überwunden hat. Doch nicht nur Informationen werden getauscht. Auch Probleme werden diskutiert. „Ich hatte immer das Gefühl, alles noch perfekter machen zu müssen, als die Nicht-Alleinerziehenden“, erzählt Karin. Schließlich gucke jeder auf alleinerziehende Frauen und auf deren Erziehungskompetenz. Weniger wert auf die Meinung anderer legt hingegen Simone: „Über uns hat keiner ein Urteil zu fällen.“ Selbstbewusstsein und Stärken wieder aufzubauen sei auch ein Thema in der Gruppe, erklärt Gruppenleiterin Birgit Sölch. Jeder könne dabei so viel von sich preisgeben, wie er möchte. Keiner müsse etwas sagen. Doch generell gilt: „In der Gruppe herrscht Schweigepflicht.“

„Derzeit ist die Gruppe wieder dabei zusammenzufinden“, beschreibt die Diplom-Sozialpädagogin die aktuelle Situation. Einst gab es einen festen Kern, man habe sich gut gekannt und man habe sich geöffnet, habe sogar mehr als nur eine Fassade gezeigt. Viele jedoch seien der Gruppe entwachsen. „Sie haben einen anderen Lebensabschnitt begonnen und fühlen sich gut gewappnet, diesen ohne die Gruppe zu bestreiten“, erklärt Birgit Sölch den Rückgang der Mitgliederzahl. Einige kämen nur noch zum Stammtisch, nicht aber zum Gruppenangebot. So würden aber auch die Freundschaften gepflegt, die außerhalb des Treffpunkts Bestand haben.

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