Newsticker

Bundesregierung hebt Reisewarnung für die Türkei teilweise auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. In der Reischenau regt sich Widerstand gegen den Windpark

Dinkelscherben

01.08.2020

In der Reischenau regt sich Widerstand gegen den Windpark

Der Investor Juwi AG plant im Wald von Dinkelscherben zehn rund 250 Meter hohe Windräder.
Bild: Marcus Merk (Bildmontage)

Plus Eine Bürgerinitiative wendet sich gegen die geplanten Windräder bei Dinkelscherben. Die Mitglieder befürchten gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden.

Der Investor Juwi AG plant im Wald von Dinkelscherben zehn rund 250 Meter hohe Windräder. 25.000 Haushalte soll die Anlage nach den Plänen des Investors mit Strom versorgen. Dagegen regt sich nun Widerstand: Unter dem Namen „LebensWerte Reischenau“ wollen Alfred Erdt, Susanne Fuchs, Peter Gerthofer, Eva von Haeften, Laura Kollmann, Nikolaus Kugelmann, Helmut Seibold und Christoph Weimer das Windkraftwerk verhindern. „Wir vertreten die Interessen der Menschen in den Ortsteilen Ettelsried, Engertshofen und Anried“, teilt die Bürgerinitiative mit. Diese Ortsteile seien von der Windanlage besonders betroffen.


Man sei nicht grundsätzlich gegen Windenergie, man halte nur den Standort für ungeeignet, teilt die Initiative mit. Die potenzielle Energie-Ausbeute sei dort allenfalls mittelmäßig. Um den schlecht geeigneten Standort auszugleichen, sei auch die enorme Größe der Windräder notwendig, erklären die Aktivisten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Schattenwurf der Anlage könne negative gesundheitliche Folgen haben

Die Windräder seien zu nah an der Wohnbebauung, findet die Initiative „LebensWerte Reischenau“. In Bayern gibt es eine Mindestdistanz von Windrädern zur Wohnbebauung. Um diese zu berechnen, nimmt man die Höhe des Windrads mal zehn. „Das einzuhalten wäre für uns das absolute Minimum“, erklärt die Bürgerinitiative. 2500 Meter wären das in diesem Fall.

Nach den Informationen der Bürgerinitiative ist der Windpark aber nur 2000 Meter vom Ortsteil Ettelsried entfernt. Zudem befürchtet die Bürgerinitiative gesundheitliche Folgen durch hörbare und nicht hörbare Geräusche, die von der Windanlage ausgelöst würden: „Infraschall steht im Verdacht, Depressionen und Stresszustände auszulösen“, heißt es in der Pressemitteilung.


Auch der Schattenwurf der Anlage könne negative gesundheitliche Folgen haben. Laut einem Gutachten, das von der Juwi AG in Auftrag gegeben wurde, wäre die Windanlage in Ettelsried tatsächlich hörbar. Mit 35 Dezibel wäre sie in etwa so laut wie ein Zimmerventilator.

Die Natur um den Windpark leide unter den Baumaßnahmen, kritisiert die Bürgerinitiative. Der Lebensraum von Tieren und Pflanzen sowie „das unverwechselbare Landschaftsbild der Reischenau“ nehme Schaden. Nach Angaben der Juwi AG müssten etwa fünf Hektar Wald dauerhaft gerodet werden. Zudem müssten während der Bauarbeiten die Waldwege auf vier Meter verbreitert werden. Die Bürgerinitiative befürchtet außerdem, dass der Windpark sich auf den Grundwasserpegel auswirkt und so die Dinkelscherber Wasserversorgung gefährde. Schließlich wolle die Gemeinde Dinkelscherben im Schmeller Forst Tiefbrunnen schlagen.

Unklar, ob die Anlage jemals Gewinn abwirft

Auch einen wirtschaftlichen Nutzen sieht die Bürgerinitiative nicht: Es sei unklar, ob die Anlage jemals Gewinn abwirft. Dann falle auch keine Gewerbesteuer an, und die Gemeinde bleibe auf den Kosten für den Rückbau sitzen. Im Gemeinderat sprach Projektleiter Alexander Bromberger von vier Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen für Dinkelscherben. Auch Bewohner können in die Anlage investieren und eine Rendite von fünf Prozent erhalten. Garantieren wollte Bromberger den finanziellen Erfolg allerdings nicht.

Stiller Protest gegen den geplanten Windpark bei Ettelried: Weit über den Kirchturm hinaus ragen die Windräder auf dem Protestplakat. Zu finden war das im Dinkelscherber Ortsteil.
Bild: Marcus Merk

Die Bürgerinitiative macht sich auch Sorgen um die eigenen Finanzen: „Unsere Häuser verlieren an Wert, und unsere Heimat geht verloren“, erklärt Erdt. Auch diesen wirtschaftlichen Verlust müsse man von den möglichen Gewinnen abziehen. Der Windpark zerreiße nicht nur die Landschaft und die Natur, sondern auch das gute Miteinander in der Dorfgemeinschaft. „Wir müssen gemeinsam für eine lebenswerte Reischenau einstehen“, sagt die Engertshoferin Susanne Fuchs von der Initiative.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren