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Oberschönenfeld

23.08.2020

In der Sonderausstellung in Oberschönenfeld dreht sich alles um Tiere

Vorsicht Wildschweinquerung: Als „Grenzgänger“ dringen Wolf (links) und Wildschwein immer wieder in die Welt der Menschen ein.
Bild: Marcus Merk

Plus Das Museum Oberschönenfeld widmet sich in zweifacher Weise den wichtigsten Begleitern des Menschen. Ein Besuch lohnt sich.

Voll „tierisch“ geht es zu in den beiden Sonderausstellungen, welche das Museum Oberschönenfeld noch bis zum 13. September präsentiert. Sie nähern sich den Tieren zum einen aus künstlerischer Perspektive, zum anderen wird die Bedeutung der Tiere aus Sicht der Volkskunde aufgearbeitet.

So geht das Museum auf Spurensuche unter dem Titel „Zum Fressen gern? Tiere und ihre Menschen“ und beleuchtet die Rollen von Tieren in unserer Gesellschaft. Die Ausstellung schlägt dabei drei „Kapitel“ auf: Arbeitstiere, Lieblingstiere und „Grenzgänger“.

Als das Pferd noch wichtigstes Arbeitstier war

Unter den Arbeitstieren war beispielsweise bis in die 60er Jahre das wichtigste das Pferd. Gegenstände zur Abrichtung, eine Peitsche, Bilder historischer Gespanne und dergleichen demonstrieren dies. Ein außergewöhnliches Exponat ist eine Gasmaske für Pferde aus dem Ersten Weltkrieg. Angereichert wird das mit Tierbiografien. So finden Besucher neben einem Foto von Johann Egge mit seinem Pferd Sieglinde auch dessen Geschichte. Das Tier wurde im Krieg tödlich verletzt, brachte aber seinen Reiter noch auf sicheres Terrain, bevor es starb.

Diese große Gasmaske wurde im ersten Ersten Weltkrieg zum Schutz der Pferde in der Kavallerie eingesetzt.
Bild: Marcus Merk

Die Sichtbarkeit von Tieren hat sich in den letzten 120 Jahren radikal verändert: Während Arbeitstiere wie Zugpferde, Ochsen und Fleischrinder nahezu aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sind, nehmen heute „Lieblingstiere“ einen Großteil der Freizeitwelt ein. Gezeigt wird das im Museum unter anderem anhand von Bekleidung für Hund und Katze, vom Mantel bis hin zu schmuckbesetzten Halsbändern.

Es gibt aber auch ein historisches Dressurhalsband mit dornendurchsetzten Kugeln, die dem Hund schmerzhaft klarmachten, wenn er zu schnell laufen wollte.

Wenig natürliche Lebensräume für Wildschwein, Wolf und Co. übrig

Für die „Grenzgänger“ ist in unserer heutigen Gesellschaft wenig Platz. Man denke nur an die aktuellen Diskussionen, wie man mit Wölfen umgehen soll, die sich wieder in unserer Region ansiedeln. Zwischen Wohnblock und Wildpark finden sich kaum noch natürliche Lebensräume, sodass Wildschwein, Fuchs und Wolf sich neue Nischen suchen. So zeigt die Ausstellung als Leihgaben aus dem Augsburger Naturmuseum ein ausgestopftes Wildschwein und schräg gegenüber einen Wolf.

Als Symbol für die Auferstehung kann die Heuschrecke in der Hand der Madonna in der Skulptur „Wandlung“ von Matthias Hirtreiter interpretiert werden.
Bild: Marcus Merk

Dass Tiere auch eh und je in der Welt der Kinder eine wichtige Rolle spielten, zeigen Spielzeuge aus verschiedenen Jahrzehnten, beispielsweise ein altes Steckenpferd. Dass unter allem, was kreucht und fleucht, auch eine Reihe von Arten sind, die der Mensch als Schädlinge ansieht, klammert die Ausstellung nicht aus: Eine Dose Insektengift und die dazu passende Pumpspritze lassen erahnen, wie damals gegen unbeliebte Tiere und Insekten vorgegangen worden ist.

Oberschönenfeld bietet auch Künstlerisches zum Thema an

Parallel zur volkskundlichen Betrachtung der Tiere widmet sich in der Schwäbischen Galerie des Museums die Ausstellung „Tiere! Hanne Kroll und Matthias Hirtreiter“ dem Thema aus der Sicht der Bildenden Kunst. Beide Künstler haben nach ihrem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München das Tier als eines ihrer Schwerpunktthemen gewählt. Beide legen ihren Werken intensive Naturstudien zugrunde. Viele ihrer lebendigen Darstellungen wirken wie Momentaufnahmen, erschließen sich aber bei näherer Betrachtung als Sinnbilder für menschliches Handeln.

Der Hund in der Installation „From the Mud“ von Matthias Hirtreiter, schüttelt Schlamm ab – als Sinnbild für den Menschen, der Verhaltensweisen abschüttelt.
Bild: Marcus Merk

Matthias Hirtreiter ist an politischen und gesellschaftlichen Themen interessiert. Am eindrucksvollsten ist eine überlebensgroße Skulptur eines Hundes, der gerade dabei ist, Schlamm abzuschütteln, Sinnbild für den Menschen, der immer wieder mehr oder weniger erfolgreich versucht, seine Verhaltensweisen zu ändern.

Spannungsvolle Inszenierungen in der Schwäbischen Galerie

Hanne Kroll gibt Tiere in verschiedenen Situationen wieder. Auf spannungsvolle Weise inszeniert sie Hunde, Fische, Vögel und Quallen auf der Leinwand. Sie zeigt ihre Rolle in verschiedenen Kulturen oder im Spannungsfeld zwischen Zucht und Überzüchtung, beispielsweise bei Koi und Chihuahua.

Sonst als putzig geltende Blaumeisen werden im Bild „Omen II“ von Hanne Kroll zu Vorboten einer bedrohlichen Situation.
Bild: Marcus Merk

Geöffnet bis 13. September, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Wegen Corona ist die Besucherzahl begrenzt, es gelten die üblichen Hygieneregeln. Dafür ist der Eintritt frei.

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