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Cadcon

27.06.2011

Internationale Belegschaft beugt Fachkräftemangel vor

„Machen Sie doch mit bei unseren Aktionen. Dann werden Sie bekannter.“Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

vbw-Chef Bertram Brossardt informiert sich in Gersthofen über die Situation der Zulieferer in der Luftfahrtindustrie

Gersthofen Sie haben ein Kraftwerk für MAN Diesel konstruiert, Vorrichtungen für Kohlefaserbauteile von Premium Aerotec, eine Detektorröhre für den Forschungsreaktor Garching und eine Kopflupe für Zahnärzte. Was die Ingenieure und Facharbeiter der Firma Cadcon seit der Gründung im Jahr 1997 schon alles erreicht haben, ist eine Erfolgsgeschichte. 500 Mitarbeiter hat das Unternehmen mittlerweile, davon rund 250 am Stammsitz in Gersthofen.

Doch der Fachkräftemangel macht auch vor Gersthofen nicht Halt. „Den spüren wir deutlich“, sagte Geschäftsführer Andreas Gundel kürzlich im Gespräch mit Bertram Brossardt, dem Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Er war nach Gersthofen gekommen, um mit den Cadcon-Geschäftsführern über ihre Situation als Zulieferer der Luftfahrt- und Elektroindustrie zu sprechen. Bei Cadcon sei es selbstverständlich, dass die Mitarbeiter von überall her sind, sagte Gundel: „Es geht bei uns nur um die Qualifikation.“ Die Mitarbeiter in Gersthofen kommen zum Beispiel aus Russland, Kasachstan, China, Spanien und Frankreich. „Mittlerweile sind auch die Italiener sehr interessante Bewerber“, fügte Geschäftsführer Robert Bauer hinzu. Aber er klagte: „Die Eliteabsolventen gehen in der Regel in die großen Unternehmen.“ Der Verbandschef riet daraufhin: „Machen Sie doch mit bei unseren Aktionen. Dann werden Sie bekannter.“ Es gebe zum Beispiel ein „Speeddating“ von Unternehmen mit Ingenieursstudenten. Außerdem habe die vbw eine Personalvermittlung für Osteuropa aufgemacht. Seit am 1. Mai die Arbeitnehmerfreizügigkeit eingeführt wurde, haben sich schon 2000 Bewerber aus Ungarn, Tschechien, Polen und der Slowakei gemeldet, erzählt Brossardt. Und das, obwohl man nicht viel Werbung gemacht habe.

Die bayerischen Unternehmen können ihre Gesuche auf der Internetplattform einstellen, die Bewerber werden vor Ort von der vbw geprüft. „Man muss schon auch viel aussortieren“, sagt Brossardt. „Da bewerben sich auch Musiklehrer. Aber wenn wir es schaffen, dass heuer 500 von denen nach Bayern kommen, haben wir schon ein kleines bisschen gegen den Fachkräftemangel in Bayern getan.“

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Dass Deutschland von den Arbeitern aus Osteuropa „überrollt“ wird, das glauben alle drei nicht. Und für Cadcon verspricht Bauer: „Wir wollen unsere Kernkompetenzen in Deutschland halten.“ Dass das Unternehmen Standorte in der Ukraine und China eröffnet habe, habe keinen deutschen Arbeitsplatz gekostet: „Bevor wir das Büro in der Ukraine eröffnet haben, hatten wir 150 Mitarbeiter. Jetzt sind es 500.“ Doch auch wenn das Unternehmen international arbeitet, macht gerade das Probleme, sagte Bauer: In der Luftfahrt gebe es besonders zwischen Deutschland und Frankreich einen Wettbewerb, und zwar einen ungleichen. Dabei sei ein Problem, dass die Kunden in Deutschland sich immer längere Zahlungsziele wünschten.

Geld fließt später

Früher sei es üblich gewesen, dass die Kunden 14 Tage nach Rechnungserhalt gezahlt hätten, sagte Bauer – „heute bekommen wir unser Geld durchschnittlich nach 60 Tagen“. In Frankreich dagegen seien 30 Tage im Gesetz vorgeschrieben. Das habe „negative Auswirkungen auf das Eigenkapital“. Schließlich müsse das Unternehmen seine Investitionen vorfinanzieren.

„Wir wollen eine Harmonisierung der Rahmenbedingungen in der EU“, sagte Gundel. „Keine Vorteile für uns, aber Wettbewerbsgleichheit.“ Da müsse der Verband die Interessen der deutschen Unternehmen unterstützen.

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