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Thierhaupten

18.07.2019

Jahrhundert-Regen setzt Thierhaupten unter Wasser

Land unter in Thierhaupten. Wassermassen fließen am 22. und 23. Juni in den Ort. Laut Auskunft der Experten fiel bei dem Gewitter innerhalb von 24 Stunden rund 120 Liter Regen pro Quadratmeter.

Plus Am 22. Juni standen die Wassermassen in der Gemeinde im nördlichen Landkreis. Experten haben erklärt, wie es dazu kam.

Der Schrecken sitzt vielen noch in den Knochen. Am 22. Juni ziehen dunkle Wolken über Thierhaupten auf. Mit dem Gewitter kommt der heftige Regen, der stundenlang andauert. Die Folge: Wassermassen fluten Keller, Gärten und Straßen. 24 Einsätze melden die Feuerwehren. 18 Keller müssen laut Auskunft von Bürgermeister Toni Brugger ausgepumpt werden.

Nun trafen sich Experten der Behörden mit Brugger, um dieses Unwetter aufzuarbeiten. Dabei wurde schnell klar, dass es sich um ein besonderes Wetterereignis handelte. Die Experten sprechen von einer „stehenden Gewitterzelle“. Laut Kurt Nunn vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth fielen in diesen Stunden rund 120 Liter Regen pro Quadratmeter. „Das ist ein Starkregenereignis, das absolut selten ist“, so Nunn. Die Fachleute gehen davon aus, dass es die Möglichkeit für ein solches Unwetter nur alle 100 Jahre gibt.

In Thierhaupten kommt noch ein weiteres Problem dazu

Doch die Gewitterzelle stand nicht nur über Thierhaupten. Heftig traf es auch einige Orte im benachbarten Landkreis Aichach-Friedberg, wie Axtbrunn, Osterzhausen oder Petersdorf. In Eisingersdorf sollen sogar 168 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen worden sein. Allein die riesigen Regenmassen waren schon ein Problem, erklärt Thomas Abt, Wasserberater vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. In Thierhaupten kam ein weiterer Faktor hinzu – die geografische Lage. Der Ort liegt am niedrigsten Punkt des Lechtals, die Wassermassen aus den umliegenden Tälern fließen dorthin. Abt hat nachgerechnet. Das Einzugsgebiet, aus dem Wasser in Richtung Thierhaupten fließt, ist zehn Quadratkilometer groß. 1,2 Millionen Kubikmeter Regen fielen bei dem folgenschweren Gewitter auf diesen Bereich. Abt kommt zu folgendem Vergleich: Würde man diese Wassermenge nehmen und auf das Fußballfeld der Allianz-Arena setzen, würde diese 170 Meter hoch angestaut. Allerdings floss nicht der gesamte Niederschlag in Richtung Thierhaupten. Ein Teil versickerte im Boden.

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Die Vegetation war schon relativ weit

Dabei hatten die Thierhauptener noch Glück. Laut Konrad Hörl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Augsburg war die Vegetation schon relativ weit. Es gab eine gute Bodendeckung. Ansonsten hätte das Wasser mehr Schlamm in den Ort gespült. Das Wasser, das teilweise wie ein Sturzbach in die Ortschaft lief, sammelte sich am tiefsten Punkt. Dort seien vor allem die Häuser in der Neukirchener und Weidener Straße betroffen gewesen, erklärte Brugger. Gärten wurden überflutet und Keller liefen voll. Nicht nur die Hausbesitzer in den tiefer gelegenen Gebieten meldeten „Land unter“. Selbst oben am Hang, wie Am Wolfsschlag machte der Niederschlag Probleme.

Gleichzeitig sei ein Teil der Wassermassen abgefangen worden, sagte Brugger. Der Niederschlag aus dem Edenhausener Tal sei in das dortige Rückhaltebecken gelaufen und habe sich dort leicht angestaut.

Aktuell diskutiert wird die Frage, ob eine Bebauung die Probleme mit den Sturzfluten verschärft. Nunn erklärte, dass im Falle eines solchen Starkregens und einer solchen Topografie die Frage der Bebauung nicht mehr ausschlaggebend sei.

Geblieben ist die Angst vor weiteren Überschwemmungen

Die Wassermassen sind verschwunden. Geblieben ist die Angst der Thierhauptener vor neuen Überschwemmungen. Der Gemeinderat hatte bereits im April beschlossen, sich für ein Förderprogramm rund um das Thema Sturzflutmanagement zu bewerben. Derzeit liegt der Förderantrag beim Wasserwirtschaftsamt. Ziel ist es, nach einer Gefahrenermittlung und Risikobeurteilung eine Strategie zu erarbeiten. Daneben sei aber auch jeder aufgefordert, selbst Vorsorge zu treffen, so Nunn. Das reiche von der Kontrolle der Rückstauklappen bis zum Höhersetzen der Lichtschächte. Diejenigen, denen die Keller und Gärten vollliefen, könnten nur hoffen, dass eine Versicherung den Schaden übernimmt, so die Einschätzung der Experten. Diese stufte die Chance auf staatliche Hilfen als „sehr gering“ ein.

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