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Gersthofen

06.07.2013

Jung-Virtuosen räumen beim Kunstpreis ab

Bild: Marcus Merk

Die Auszeichnung ging an den Klarinettisten Roman Gerber. Die Pianistin Verena Metzger erhielt einen Sonderpreis.

Roman Gerber fing im wahrsten Sinne des Wortes klassisch an: Er begann seine musikalische Karriere mit der Blockflöte. „Ich mag das Instrument noch heute“, sagte der 22-Jährige. Anders als die meisten Kinder hat Gerber, der in Starnberg geboren ist, die Flöte jedoch nicht nach ein paar Jahren beiseitegelegt – sondern stieg mit acht Jahren auf die Klarinette um. 14 Jahre später ist er ein gefeierter Profi-Musiker, der Konzerte im In- und Ausland gibt. Am Donnerstag erhielt Gerber den mit 3500 Euro dotierten Kunstpreis der Stadt Gersthofen in der Stadthalle.

Die Jury habe sich schwer getan, aus den „durchweg hochklassigen“ 25 Bewerbern einen Sieger zu ermitteln, erklärte Jury-Leiter Christian Pyhrr. Am Ende sei das Votum aber einstimmig gewesen: Lydia Dubrovskaya, Professorin für Violine in Nürnberg, Stephanie Hampl, Mezzosopranistin am Theater Augsburg und der Solo-Fagottist Wolfgang Fritzen entschieden sich für Gerber. Der Klarinettist habe eine „tief empfundene und immer authentische Musikalität“, erklärte Pyhrr. Gerber spiele „scheinbar mühelos und weit jenseits technischer Schwierigkeiten“. Ein Konzert von ihm sei ein Erlebnis, das man nicht mehr vergesse.

Sein außergewöhnliches Talent bewies der 22-Jährige dem Publikum, als er den Beitrag vorspielte, mit dem er auch den Kunstpreis gewonnen hatte: das Concertino Opus 26 vom Komponisten Carl Maria von Weber. Am Klavier begleitet, präsentierte sich Gerber als leidenschaftlicher Klarinettist, der einen hohen emotionalen Bezug zu seinem Instrument und dem gespielten Stück hat. Dabei spielte Gerber erstaunlich unprätentiös und meisterte die schnellen, technisch anspruchsvollen Parts des Stückes ebenso wie die nuancierten.

Der Gersthofer Kunstpreis ist eine Institution in der Stadt und wird seit 1985 im jährlichen Wechsel an bildende Künstler und Musiker verliehen. 2011 ging er in der Kategorie Musik zuletzt an vier Musiker – und auch dieses Mal entschied sich die Jury dazu, nicht nur einen Sieger auszuzeichnen. Die Pianistin Verena Metzger, eine gebürtige Gersthoferin, erhielt für ihre engagierte Programmauswahl einen Sonderpreis. Die 20-Jährige hatte sich mit dem dritten Satz der Sonate Nummer 3 des jüdischen Komponisten Hanns Eisler beworben, der Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus aufgrund seiner Herkunft verlassen musste.

Als Metzger das Stück am Abend vortrug, wurde klar, warum sie die Jury damit fasziniert hatte: Die Sonate ist ein ungewöhnliches, sperriges Stück, das „wirklich nicht zum gängigen Repertoire gehört“, wie Pyhrr es in seiner Rede begründete. Sie habe sich erstmals 2012 mit Hanns Eisler befasst, erklärte Metzger. „Für mich ist er einer der besten und interessantesten Komponisten.“ Die Pianistin vollbrachte das Kunststück, das Publikum mit großer Virtuosität für die ungewöhnliche und dissonante Klaviermusik Eislers einzunehmen.

Überhaupt wirkten die Zuschauer der Verleihung begeistert von der außergewöhnlichen Virtuosität der beiden Preisträger – und dem Können der Geschwister Maria und Matthias Well, die den Abend mit hochwertigen Beiträgen auf Cello und Geige musikalisch umrahmten. Als Pyhrr Augsburg als „musikalischen Speckgürtel Gersthofens“ bezeichnete, hatte er die Lacher im halb vollen Saal auf seiner Seite. Nur einmal ging ein Raunen durch die Sitzreihen: als Pyrrh das Jury-Mitglied Dubrovskaya mit den Worten vorstellte, sie habe zu einer Zeit Musikwettbewerbe gewonnen, „als die noch nicht in jedem Dorf ausgerichtet wurden“. Als Seitenhieb auf den Gersthofer Kunstpreis wollte er das aber nicht verstanden wissen. Im Gegenteil: „An den vielen hochklassigen Beiträgen sieht man, welche Bedeutung er eigentlich hat.“

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