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Gersthofen

26.08.2019

Keime im Trinkwasser: Jetzt kocht auch Gersthofen ab

In Gersthofen müssen 12.000 Haushalte im Moment das Wasser abkochen. Grund: coliforme Keime.
Bild: M. Merk (Symbol)

Noch ist völlig unklar, woher die coliformen Keime stammen. Betroffen sind 12.000 Haushalte. Was betroffene Bürger beachten sollten.

Wer dieser Tage auf der Homepage der Gersthofer Stadtverwaltung auf der Suche nach Rat und Hilfe war, dem bot sich auf den ersten Blick ein irritierendes Bild. Fröhlich lächelte einem das Konterfei von Rathauschef Michel Wörle entgegen, während daneben die Schlagzeile prangte: "Abkochgebot im Stadtgebiet Gersthofen: Belastung durch coliforme Keime". Kein Grund zur Freude also für den urlaubenden Bürgermeister und erst recht nicht für die Bewohner der rund 12.000 Haushalte im Einzugsgebiet der Gersthofer Wasserversorgung.

Feuerwehr informierte bis spät in die Nacht

Sie wurden am Mittwochmittag von der Nachricht überrascht. Helfer steckten rund 12.000 rote Handzettel mit den wichtigsten Tipps und Warnhinweisen in die Briefkästen. Die Feuerwehr fuhr bis spät in die Nacht mit Blaulicht durch die Straßen von Kernstadt und Ortsteilen und machte Warndurchsagen. Gelangen die Keime aus dem Wasser in den menschlichen Magen, können Erbrechen, Durchfall und Ähnliches die Folge sei. Vor allem als gefährdet gelten Menschen mit schwachen Abwehrkräften: Kranke, Alte, Babys.

Um eine Gefahr für die Gesundheit auszuschließen, sollen die Menschen Wasser vorsorglich abkochen , sofern es für die Zubereitung von Speisen, zum Kochen oder Trinken verwendet wird. Eindringen können die Keime indes nicht nur über das Verdauungssystem, warnt das Gesundheitsamt.

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Auch mit offenen Wunden oder den Schleimhäuten soll das Wasser nicht in Kontakt kommen, weshalb die Gersthofer Gesicht und Kopf besser mit abgekochtem beziehungsweise Mineralwasser waschen sollen. Was dieser Ratschlag für die tägliche Dusche bedeutet, ist seitdem ein häufig diskutiertes Thema am rund um die Uhr besetzten Infotelefon der Stadt, an dem bis zum Freitag rund 250 Anrufe eingingen. Schon am Mittwochnachmittag wurden Super- und Getränkemärkte förmlich überrollt von der Nachfrage nach Mineralwasser.

Keime bei Routinekontrolle entdeckt

Aufgetaucht sind die coliformen Keime bei einer Routinekontrolle vor einer Woche am Montag. Die Untersuchung am Dienstag habe laut Landratsamt ergeben, dass eine Überschreitung des zulässigen Grenzwerts vorliegt. Einen Tag später, am Mittwoch, sei bei der Behörde die Bestätigung durch ein externes Labor eingegangen. "Unmittelbar darauf wurde ein Abkochgebot ausgesprochen", teilt das Landratsamt mit. Parallel dazu läuft die Suche nach der Ursache. Das komplette Wassernetz, rund 130 Kilometer lang, wird auf den Kopf gestellt. Bislang vergeblich. Mitarbeiter von Stadt, Landratsamt und dem staatlichen Gesundheitsamt sind im Einsatz. Teils mussten sie deshalb sogar ihren Urlaub unterbrechen.

Keimbefall kein Einzelfall im Landkreis

Die Behörden im Landkreis Augsburg haben inzwischen eine gewisse Routine, wenn Keime im Trinkwasser auftauchen. Das nämlich war in den vergangenen Jahren mehrfach der Fall.

Betroffen waren unter anderem Königsbrunn, Meitingen, Gessertshausen, Bobingen, Dinkelscherben und Diedorf. In den beiden letztgenannten Gemeinden muss das Wasser bis heute mit Chlor desinfiziert werden, weil das Gesundheitsamt grundlegende Mängel der Wasserversorgung festgestellt hat, die erst vollständig behoben sein müssen. Das ist für die betroffenen Bürger wegen des Chlorgeschmacks nicht nur unangenehm, sondern auch teuer. Denn sowohl die aufwendige Chlorung des Wassers als auch die (meist) langwierige Sanierung des Netzes müssen über die Gebühren finanziert werden. Das geht rasch in die Millionen. Deshalb werden die nächsten Tage spannend für die Gersthofer: Lässt sich das Problem rasch finden und beheben oder sind auch die Versorgungsleitungen der reichsten Stadt des Landkreises Augsburg ein Sanierungsfall? Ein Einzelfall wäre die zweitgrößte Stadt im Augsburger Land damit nicht. Nach Angaben des Branchenverbandes VBEW müssen im Freistaat Bayern in den nächsten Jahren bis zu 15 Prozent der Abwasserkanäle und Trinkwasserleitungen saniert werden.

Doch im Augsburger Land wird offenbar genauer hingeschaut. Wie es um die 33 öffentlichen Wassernetze im Landkreis Augsburg bestellt ist, wird seit vergangenem Jahr in einem Pilotprojekt untersucht. Zwei- bis dreiköpfige Teams aus Mitarbeitern des Landratsamts und des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nehmen die Netze unter die Lupe, Organisation und Technik standen dabei im Vordergrund. Verbesserungsbedarf soll sich dabei an vielen Orten ergeben haben. (mit kinp und dav)

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