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Landkreis Augsburg/Stadtbergen

21.10.2020

Kitas wegen Corona zu: Bürger forderte 6000 Euro von Ministerin Trautner

Carolina Trautner ist seit knapp neun Monaten Ministerin.
Bild: Marcus Merk

Plus Seit fast neun Monaten ist die Stadtbergerin Carolina Trautner die Chefin im Sozialministerium. Hier erzählt sie von ihrem neuen Politikerleben.

Carolina Trautner kommt pünktlich und wirkt auf den ersten Blick wie immer, als sie aus dem großen Audi steigt. Freundlich, fröhlich und auf den Lippen ein strahlendes Lächeln. Auf den zweiten Blick sieht sie müde aus. Und das ist kein Wunder.

Seit knapp neun Monaten ist die CSU-Politikerin aus dem Stadtberger Virchow-Viertel bayerische Ministerin für Familie, Arbeit und Soziales und schläft seitdem schlecht. Zuerst brachten sie Freude und Aufregung um den Schlummer, jetzt ist es die Anspannung. Dass der bekennende Nachtmensch („Ich bin eine Eule, keine Lerche“) jetzt immer frühmorgens raus muss, hilft auch nicht gerade.

In ganz Bayern sind wegen Corona 114 Kitas dicht

Zurzeit geht es vor allem um die Kitas. Die sollen offen bleiben – trotz oder gerade wegen Corona. In Trautners Ministerium in München werden jeden Abend Zahlen und Grafiken aktualisiert. Darin steht, welche Kitas offen haben, welche schließen musste. Am vergangenen Freitag liest sich der Zwischenstand in Trautners Augen gar nicht so schlecht. Von 9800 Einrichtungen im Freistaat sind 121 von Corona betroffen, 36 haben ganz zu. Am Mittwoch sahen die Zahlen dann schon anders aus. Durch den Lockdown im Landkreis Berchtesgaden sind 220 betroffen, davon 114 ganz geschlossen. Dabei hat der Winter noch gar nicht angefangen.

Trautner sagt, sie wolle bis zum Letzten dafür kämpfen, dass die Kitas im Freistaat geöffnet bleiben. Wobei der Einfluss ihres Hauses auf die Kitas begrenzt ist. Das Ministerium kann den Trägern Handlungsempfehlungen geben, kann Geld für Hygienemaßnahmen zur Verfügung stellen. Das letzte Wort, ob eine Einrichtung schließt, haben aber die jeweiligen Gesundheitsämter. Trautner unterstreicht aber die bayerische Linie. Dass es in Kitas, Schulen und in der Wirtschaft trotz Corona weitergeht, das sei jetzt „Prio eins“. Wenn sich die Prioritäten aufgrund der Infektionslage aber verschieben, wenn im Freistaat mehr Regionen oder gar das ganze Land in den Lockdown müssen, wird Trautner es an ihrem Arbeitsplatz schnell spüren.

Zuständig für Kinder und auch Senioren

Die Zuständigkeiten des Ministeriums reichen von A wie Arbeitsmarktpolitik bis W wie Wohnungslosenhilfe. Salopp gesagt ist es auch so etwas wie der zentrale Reparaturbetrieb für die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise. Oder wie Carolina Trautner es ausdrückt: „Ich bin nicht nur für Kitas zuständig.“ Deshalb plaudert die Ministerin ebenso flüssig wie faktenreich über Inklusion, Mitbestimmung in der Seniorenpolitik, Ausbildungsprogramme für Azubis oder das Gehalt von Kindergärtnerinnen, denen sie mehr Geld gönnt: „Sie waren immer da und haben nie geklagt.“

Trautners Ministerium hat 2020 insgesamt einen Jahresetat von 6,63 Milliarden Euro. Das ist der dritthöchste unter den bayerischen Ministerien und dass sie an eine derartige Schlüsselposition gelangen würde, haben der Apothekerin wohl lange nur wenige zugetraut. Denn die 59-Jährige hat alles andere als eine klassische Politik-Karriere durchlaufen und geriet eher durch einen Zufall an die CSU.

Die Vereidigung Carolina Trautners am 6. Februar im Bayerischen Landtag.
Bild: Ministerium (Archivfoto)

Trautner war Schriftführerin im Elternbeirat des Virchow-Kindergartens, als dort der Protest hochkochte. Es ging um eine beliebte Erzieherin, die bleiben sollte. Bleibend war offenbar auch der Eindruck, den die engagierte Mutter bei dem Stadtberger Kommunalpolitiker Günther Oppel hinterließ. Der war damals noch bei der CSU und machte ihr die Partei schmackhaft - „danach habe ich ein Jahr lang nichts mehr gehört.“ Bis plötzlich der Anruf kam mit dem Angebot, den Ortsvorsitz der CSU in Stadtbergen zu übernehmen, die damals eine reichlich zerstrittene Truppe war, wie sich Trautner erinnert. Sie müsse gar nicht viel machen und man werde ihr helfen, versicherten die Bittsteller damals. „Das hat nicht so ganz gestimmt“, erinnert sich Carolina Trautner mit einem leichten Lächeln und es ist so ziemlich der einzige Moment in dem gut eineinhalbstündigen Gespräch beim Italiener in Leitershofen, in dem sie sich einen Anflug von Sarkasmus erlaubt.

Seit 2013 ist Trautner Abgeordnete

Ansonsten spricht Carolina Trautner, die 2013 für den Stimmkreis Augsburg-Land-Süd erstmals in den Landtag einzog, mit ernsthafter Begeisterung über Amt und Aufgaben, so wie sie es auch schon zu ihrer Zeit als Staatssekretärin im Bildungs- und später Sozialministerium gemacht hat. Fünf Videokonferenzen am Stück und stundenlange Autofahrten quer durch Bayern: „Ministerin ist schon noch mal eine ganze andere Nummer.“ Dazu gehört auch, von empörten Bürgern in Haftung genommen zu werden. Trautner erinnert sich noch gut an die Rechnung, die ihr auf den Tisch flatterte. Mehr als 6000 Euro sollte sie bezahlen, weil die Kindergärten geschlossen waren. Absender war ein Familienvater, der der Ministerin die Kosten für die Betreuung seines Nachwuchses in Rechnung stellen wollte.

Ein Bild aus dem Januar: Carolina Trautner wird Sozialministerin und ihr Ehemann Dr. Hans Trautner gratuliert.
Bild: Marcus Merk (Archivfoto)

Als der damalige Verkehrsminister Hans Reichhart wegen des Kommunalwahlkampfes seinen Posten aufgab, fiel die Wahl von Markus Söder im Februar auf die damals 58-Jährige als neue Ministerin aus Schwaben. Die Vereidigung am 6. Februar zählt sie zu den bislang schönsten Momenten ihres Politikerlebens. „Endlich konnte einmal meine Familie dabei sein.“ Eltern, Tochter, Sohn und Mann Hans saßen auf den Zuschauerplätzen, als die Stadtbergerin den Eid ablegte. Bei den vorherigen Zeremonien war die Vorlaufzeit zu kurz gewesen, um die Familie in der Landeshauptstadt zusammenzutrommeln.

Auch am vergangenen Freitag denkt sie an die Familie. Bevor sie vom Lieblings-Italiener in Leitershofen aufbricht, lässt sie für ihren Mann noch was Leckeres zum Essen einpacken.

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