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Region Augsburg

30.03.2020

Krimis, Paukenschläge und Jubel: So liefen die Stichwahlen in der Region

In zahlreichen Gemeinden in der Region wurden die Bürgermeister in der Stichwahl gekürt. Ein Überblick über die Höhepunkte aus der Region um Augsburg.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Plus In zahlreichen Gemeinden in der Region wurden die Bürgermeister in der Stichwahl gekürt. Ein Überblick mit Freudentränen, Enttäuschungen und Überraschungen.

In zahlreichen Gemeinden in der Region wurden die Bürgermeister in der Stichwahl gekürt - nicht immer war das Ergebnis so, wie man es nach dem Ausgang der ersten Wahlrunde erwartet hatte. Ein Überblick mit Freudentränen, Abschieden und Überraschungen.

In Bobingen wurde der Bürgermeister nach 24 Jahren abgewählt

Paukenschlag in Bobingen: Die Bobinger wollen den Wechsel und entlassen Bernd Müller (SPD) nach 24 Jahren aus dem Amt. An seine Stelle tritt am 1. Mai Klaus Förster ( CSU). Förster setzte sich in der Stichwahl mit 56,3 Prozent gegen Amtsinhaber Müller durch. Vor sechs Jahren hatte Bernd Müller seinen Herausforderer Klaus Förster noch deutlich abgehängt: Im ersten Wahlgang erreichte der SPD-Politiker damals knapp 60 Prozent. Vor zwei Wochen hatte Bernd Müller noch knapp mehr Stimmen als Förster. Um genau zu sein: 159 Stimmen waren es. Nun zog er den Kürzeren. 

Er hat’s geschafft: Klaus Förster (CSU) holte in der Stichwahl mehr Stimmen als Amtsinhaber Bernd Müller (SPD).
Bild: Pitt Schurian

Förster freute sich: „Ich bin vor sechs Jahren angetreten, aber nicht, um bei einer Wahlniederlage wieder zu verschwinden, sondern um mich voll und ganz hier einzubringen“, sagte Förster. „Ich denke, das haben die Bobinger nun honoriert. Der Sieger zollte dem Verlierer trotzdem Respekt. Förster: „Bernd Müller hat in seiner langen Amtszeit einen guten Job gemacht. Und politisch lagen wir in unseren Ansichten oftmals gar nicht so weit auseinander.“

 

Bernd Müller gratuliere Förster und sagte: „Ich wünsche ihm eine gute Hand für Bobingen. Ich denke, dass ich für Bobingen in den vergangenen 24 Jahren einen guten Job gemacht habe.“ Woran es gelegen hat, dass er abgewählt wurde? „Was die Ursachen für das für mich unbefriedigende Ergebnis waren, lässt sich im Moment schwer beurteilen.“ Müller will sich erst mit seinen Kollegen von der SPD besprechen und dann entscheiden, ob er weiterhin dem Bobinger Stadtrat angehören wird.

In Gersthofen jubelte am Ende der amtierende Bürgermeister Michael Wörle (parteilos). Er bekam 53 Prozent der Stimmen und bleibt sechs weitere Jahre im Amt. Herausforderer Max Poppe (CSU) unterlag mit 47 Prozent der Stimmen. Er will sich nun völlig aus der Politik zurückziehen.

Daumen hoch! Michael Wörle bleibt für weitere sechs Jahre Chef im Gersthofer Rathaus.

Michael Wörle, der von Freien Wählern, SPD und Grünen sowie jetzt zur Stichwahl von der Gruppierung Pro Gersthofen unterstützt wurde, sagte: „Ich freue mich riesig über die Zustimmung und dass ich sechs Jahre weitermachen darf.“ Herausforderer Max Poppe meinte: „Gersthofen hatte eine hervorragende Auswahl an Kandidaten, hat sich aber dafür entschieden, so weiterzumachen wie bisher.“ Ein Weiter so sei mit ihm nicht mehr zu machen. Daher ziehe er sich aus der Politik zurück.

 

Auch in Dinkelscherben bleibt der bisherige Bürgermeister im Amt. Mit einer Mehrheit von 54,8 Prozent ist Edgar Kalb (UW 14) das zweite Mal in Folge gewählt worden. Herausforderer Ulrich Fahrner (CSU) kam auf 45,2 Prozent der Stimmen. Kurz nach den ersten Ergebnissen zeigte sich Bürgermeister Kalb zufrieden mit dem Ergebnis: „Ich freue mich sehr über die Wiederwahl“. Er hoffe nun auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Gemeinderat.  CSU-Kandidat Ulrich Fahrner konnte im Vergleich zur Wahl vor zwei Wochen deutlich an Stimmen zulegen. Etwa 400 Stimmen mehr erreichte der CSU-Kandidat. „Dafür möchte ich mich bedanken“, sagte Fahrner.

 

Kritisch blickt Fahrner auf einige „Angriffe unter der Gürtellinie“ im Wahlkampf. Besonders das Statement des Vorsitzenden des Fördervereins Bündnis Hospital Dinkelscherben-Zusmarshausen, Josef Guggemos, sei eine „völlige Entgleisung“ gewesen, meint Fahrner. Guggemos sprach sich in einem öffentlichen Statement mit deutlichen Worten für Edgar Kalb als Bürgermeister aus. Dabei ist Ulrich Fahrner dritter Vorsitzender des Fördervereins, der Erhalt des Spitals sei ihm eine Herzensangelegenheit.

In Gablingen und Merching entschieden wenige Stimmen die Wahlen

Den Stichwahlabend in Gablingen könnte man als sehr kurzen Krimi bezeichnen. Der erste Briefwahlvorstand gab sein Ergebnis um 18.47 Uhr bekannt. Jürgen Schantin lag zu diesem Zeitpunkt noch ein paar Zehntel vor Karina Ruf. Um 18.49 Uhr kamen die nächsten Ergebnisse und um 18.50 Uhr war auch das dritte Team mit dem Auszählen fertig. Das Blatt hatte sich gewendet: Karina Ruf ist mit 50,6 Prozent der Stimmen die neue Bürgermeisterin von Gablingen. Von 2756 Stimmen gingen 1384 an die CSU-Kandidatin. Ihr Herausforderer bekam nur 35 Stimmen weniger. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,9 Prozent. „Jetzt bin ich erst einmal überglücklich“, betont Ruf im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Für Jürgen Schantin geht das Leben auch ohne Bürgermeisteramt weiter. Er werde jetzt zum „politischen Frührentner“, sagt der 58-jährige frühere Gersthofer Bürgermeister, der nicht mehr für den Kreistag kandidiert hatte. Seinen Alltag ohne Kommunalpolitik stellt er sich „wahrscheinlich schöner und sorgenfreier als mit“ vor.

Peter Wendel von den Freien Wählern bleibt Bürgermeister von Aystetten. Er konnte sich mit 52,4 Prozent der Stimmen gegen Roland Woppmann von der CSU durchsetzen. Die im ersten Wahlgang ausgeschiedene Bürgermeisterkandidatin der Grünen, Ursula Reichenmiller-Thoma, hatte sich vor der Stichwahl für Woppmann ausgesprochen. Doch das half dem CSU-Mann nichts. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 76 Prozent.

Peter Wendel bleibt Rathauschef in Aystetten.
Bild: Freie Wähler

Wendel bedankte sich bei seinen Wählern: „Herzlichen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen“, sagte er am Wahlabend in einer schriftlichen Erklärung. Er freue sich, dass seine Arbeit in den letzten Jahren wertgeschätzt werde. Das wichtigste Thema sei es nun die Chlorung des Trinkwassers in Aystetten zu beenden. Auch die Sanierung des Ortskerns im Dorf stehe ganz oben auf seinem Programm.

 

Woppmann gab sich kämpferisch: „Wir werden Wendel auf den Fersen sein“, sagte der unterlegene Kandidat. Der Grund für seine Niederlage sei gewesen, dass Wahlkampf in den vergangenen zwei Wochen wegen der Corona-Krise nahezu unmöglich gewesen sei.

Am Ende war es eine klare Sache. Mit gut 65 Prozent der Stimmen hat Stefan Scheider (FWV/WiR) die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Welden gewonnen und tritt die Nachfolge von Peter Bergmeir an, des dienstältesten Rathauschefs im Landkreis Augsburg. Erste Gratulantin war Ehefrau Manuela, kurz danach stand das Telefon bei dem 43-Jährigen schier nicht mehr still. Scheider wollte im Verlauf des Abends noch ein Video ins Netz stellen, in dem er sich bei seinen Unterstützern und den Wählern bedankt. Mehr an Feierlichkeiten ließ die aktuelle Corona-Situation nicht zu. „Ich hätte nicht geglaubt, dass das Ergebnis so deutlich ausfällt. Schließlich hatte ich in Günter Lewentat (Bürgergemeinschaft) einen sehr starken Gegner,“ sagte Scheider in einer ersten Reaktion.

 

Der angesprochene Lewentat erlebte den Wahlausgang ebenfalls zu Hause. Seine erste Reaktion: „Ja mei, das ist halt so.“ Er habe den deutlichen Vorsprung, den Scheider schon nach dem ersten Wahlgang hatte, nicht mehr aufholen können. Vor zwei Wochen war Scheider in Welden auf 46,6 Prozent gekommen und hatte damit deutlich mehr Stimmenanteile als Günter Lewentat mit 29,9 Prozent und Christopher Huttner (CSU) mit 23,5 Prozent der Stimmen.

Spannung bis zum Schluss: In Merching setzte sich Helmut Luichtl von der CSU mit 50,8 Prozent (944 Stimmen) durch. Der zweite Kandidat, Markus Storch von den Freien Wählern, hatte 49,2 Prozent bekommen, das sind 914 Stimmen. Luichtl wird Nachfolger von Martin Walch, der nicht mehr antrat.  "Ich freue mich sehr“, sagte er am Sonntagabend am Telefon, nachdem das Ergebnis feststand. Allerdings betonte er auch, dass er das Amt in schweren Zeiten übernehme. Auch die Gemeinde werde durch die Corona-Krise geprägt. Dabei sei er sich auch sicher, dass sein Konkurrent bei der Wahl, Überhaupt setzt Luichtl auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Gemeinderat.

 

Markus Storch sagte: „Es ist schon schade, aber das Ergebnis ist sehr knapp ausgefallen. Daher bedanke ich mich bei den Wählern, dass sie mir als Politikneuling so ein Vertrauen ausgesprochen haben.“ Er kenne Helmut Luichtl sehr gut – beide engagieren sich bei der Feuerwehr – und wolle ihn gar nicht als seinen Gegner bezeichnen. „Ich bedanke mich bei ihm, dass wir so einen fairen Wahlkampf geführt haben.“

Helmut Luichtl gewinnt die Stichwahl in Merching und wird der neue Bürgermeister der Gemeinde.
Bild: Luichtl

In Mering hat sich am Sonntagabend ein Wahlkrimi abgespielt. Noch kurz vor der Auszählung des letzten Stimmbezirkes war nicht klar, wer sich am Ende durchsetzen würde. Am Ende gewann Florian Mayer von der CSU mit 50,5 Prozent der Stimmen gegen seinen Kontrahenten Stefan Hummel (SPD). Mayer sagte später: „So einen Wahlkrimi zu gewinnen, ist auch ein Erfolgserlebnis, auch wenn ich mir einen klareren Sieg erhofft hätte.“ 

 

Der 40-Jährige ist Bankkaufmann und arbeitet als Firmenkundenbetreuer bei der VR-Bank Augsburg-Ostallgäu. Sein Gegenkandidat Hummel (SPD) sagte am Sonntagabend: „Das Ergebnis ist demokratisch. Natürlich ist es auch schade, ich hätte mir den Sieg erhofft.“ Sein Team und er hätten schließlich viel in den Wahlkampf gesteckt. „Aber ich gratuliere Herrn Mayer zu seinem Sieg und wir hoffen auf eine gute Zusammenarbeit.“

Erleichterung und Freudentränen nach Stichwahlen in Dasing und Kühbach

Das Bürgermeisteramt in Dasing bleibt in der Hand der Freien Wähler: Andreas Wiesner wird Nachfolger seines Parteifreundes Erich Nagl, der seit 2002 im Amt ist. Der 44-jährige Wiesner setzte sich in der Stichwahl mit 58,1 Prozent gegen Markus Waschka durch. Der ebenfalls 44-jährige CSU-Kandidat musste sich mit 41,9 Prozent zufrieden geben. Die Wahlbeteiligung lag in Dasing bei gut 69 Prozent. Bereits vor zwei Wochen war Andreas Wiesner mit 43,5 Prozent vorne gelegen. Waschka hatte 37,4 Prozent der Stimmen erhalten.

 

Als Erstes ist da pure Erleichterung, dass jetzt alles vorbei ist. Markus Winklhofer gibt kurz nach Bekanntwerden des Affinger Wahlergebnisses am Telefon offen zu, dass er „total erleichtert“ ist. Am Ende war es aber eine klare Sache: Markus Winklhofer bleibt mit 63,4 Prozent Bürgermeister von Affing.

Der strahlende Wahlsieger am Telefon: Markus Winklhofer nahm Zuhause zahlreiche Glückwünsche zu seiner Wiederwahl als Affinger Bürgermeister entgegen. Er erhielt 63,6 Prozent der Stimmen.
Bild: Winklhofer

Herausforderer, Zweiter Bürgermeister Gerhard Faltermeier, musste sich mit 36,6 Prozent zufriedengeben. Wie wichtig den Menschen die Wahl war, zeigt die hohe Wahlbeteiligung: 3318 von 4364 Wahlberechtigten und damit rund 76 Prozent gaben ihre Stimme ab. Von seinem Abschneiden zeigte sich Herausforderer Faltermeier nicht mehr überrascht. Das habe sich nach dem ersten Wahlgang vor zwei Wochen bereits abgezeichnet, so der Zweite Bürgermeister am Telefon. Das Ergebnis bezeichnete der 63-Jährige als positiv für seine Familie, aber als „große Enttäuschung für die Gemeinde“.

 

Der neue Bürgermeister von Kühbach heißt Karl-Heinz Kerscher (Ortsgemeinschaft Kühbach). Er lag am Sonntag nach einer spannenden Auszählung bei der Stichwahl mit 90 Stimmen vor Stefan Schneider (Gemeinsam für Kühbach). 1305 (51,8 Prozent) der insgesamt 2538 Wähler stimmten für Kerscher, 1215 (48,2) für Schneider. Für den 48-jährigen Kerscher ging mit seiner Wahl zum Bürgermeister ein lebenslanger Traum in Erfüllung, wie er sagte. Seine erste Reaktion beschreibt er so: „Es sind viele Tränen der Rührung geflossen.“ Besonders beeindruckt hat ihn die Wahlbeteiligung, die mit rund 74 Prozent sogar noch höher war als vor zwei Wochen.  Kerscher wird Nachfolger von Johann Lotterschmid. Schneider, Zweiter Bürgermeister von Kühbach, ist mit dem Ergebnis der Stichwahl „total zufrieden“. Ihm sei vom ersten Tag an bewusst gewesen, dass es „mit Sicherheit eine knappe Angelegenheit wird“. Er sagte: „Die Entscheidung ist gefallen und das akzeptiere ich.“ (AZ, mb)

 

Alle Ergebnisse der Kommunalwahlen 2020 finden Sie hier im Überblick

In einer Sonderfolge unseres Podcasts "Augsburg, meine Stadt" analysieren wir Eva Webers Wahlsieg – und sagen, welche Themen die CSU-Politikerin jetzt anpacken will:

 

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