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Kühlenthal/Landkreis Augsburg
05.06.2019

Hilfe aus der Luft: Wie kleine Kitze vor Mähmaschinen gerettet werden

Bevor das Feld gemäht wird, kommt eine Drohne zum Einsatz, die das Feld abfliegt. Ortet die Wärmebildkamera ein Rehkitz, gehen Hans Kuchenbauer oder andere Jäger los und fangen das Rehkitz ein.
2 Bilder
Bevor das Feld gemäht wird, kommt eine Drohne zum Einsatz, die das Feld abfliegt. Ortet die Wärmebildkamera ein Rehkitz, gehen Hans Kuchenbauer oder andere Jäger los und fangen das Rehkitz ein.
Foto: Marcus Merk

Damit die Tiere bei der Wiesenmahd nicht in tödliche Gefahr geraten, werden jetzt auch Drohnen eingesetzt. Sie sollen die Tiere rechtzeitig aufspüren.

Geschützt und sicher, so fühlen sich Rehkitze im hohen Wiesen-Gras. Abgelegt vom Muttertier, gut getarnt und geruchlos sind sie dort perfekt von ihren Fressfeinden geschützt - den modernen Mähmaschinen sind sie jedoch schutzlos ausgeliefert. Denn mit der Setzzeit beginnt auch die Mähsaison vieler Landwirte.

So auch bei Familie Foag aus Kühlenthal. Die knapp zwei Hektar große Wiese, die an der Nordseite des Hofes angrenzt, nennt Landwirt Dominikus Foag eine „Geburtenstation für Rehe“. Alljährlich gibt es dort reichlich Nachwuchs. Um diesen zu entdecken und ihn vor dem Mähtod zu bewahren, setzte man bisher auf konventionelle, zeit- und personalintensive Wildschutzmaßnahmen. Heuer kam für die Rettung der Kitze Unterstützung aus der Luft mittels Drohnen-Einsatz und Wärmbildkamera.

Mit Drohnen wird nach Rehkitzen gesucht

Als Ortsbäuerin Iris Foag bei einer Veranstaltung des Bayerischen Roten Kreuzes im Kloster Oberschönenfeld von der Existenz des „Drohnenteams“ hörte, das vom Kreisverband Augsburg - Land im August 2018 ins Leben gerufen wurde, nahm sie Kontakt auf.

„Mithilfe dieser moderner Technik sollen etwa vermisste Personen zielgerichtet gesucht werden, für Trainingszwecke aber auch Rehkitze vor anstehenden Mäharbeiten“ erfährt sie und ist heilfroh und dankbar, dass das Team (Dohnen-Pilot, Monitorbeobachter und Beobachter des Luftraums) die Inspektion des Feldes mittels Drohne und Kamera übernehmen wird. Erst Anfang der Woche waren die Drohnenexperten vom Roten Kreuz am lech bei der Suche nach einem Jugendlichen im Einsatz.

Marcus Wilkinson und Joachim Scheffel steuern die Drohne.
Foto: Markus Merk

Ende vergangener Woche der Einsatz ganz im Norden des Landkreises Augsburg: Drohnen-Pilot Joachim Scheffel und Beobachter Marcus Wilkinson sind mit umfangreichem technischem Zubehör nach Kühlenthal gekommen. Sie arbeiten ehrenamtlich. Mit der Fernsteuerung in der Hand steht Scheffel an der der Wiese. Vor ihm auf dem Gras die Drohne. Der sogenannte Multikopter ist mit einer Wärmebildkamera bestückt. Scheffel schaut auf den Bildschirm an der Fernsteuerung und greift zum Steuerungshebel. Langsam steigt das kleine Fluggerät mit vier Propellern 40 bis 50 Meter in die Höhe und gleitet über die Wiese. „Die Drohne zeigt Wärmesignaturen der Umgebung und stellt sie farblich dar, somit kann man die Kitze anhand der höheren Temperatur sehen“ erklärt Scheffel.

Aufgeheiztes Blattwerk wird zum Problem

Die Drohne überträgt das Livebild sowohl an die Fernbedienung als auch an den zusätzlichen Monitor, den vom Beobachter Marcus Wilkinson im Blick hat. Per Funk halten sie Kontakt zu Jäger Christoph Wenger und Helfern, die in der Wiese stehen und zu den Verstecken der Kitze gelotst werden. Ist ein Tier entdeckt, wird es vom Jäger vorsichtig mit Hilfe dicker Grasbüschel aufgehoben, in eine Box gesetzt und in Sicherheit gebracht. „Sie sollen nicht nach Mensch riechen“ erklärt Wenger.

Als eine Herausforderung beschreibt Joachim Scheffel den Einsatz, „da die gelieferten Bilder der Wärmebild-Kamera nicht immer eindeutig sind.“ Durch die warme Witterung könne man beispielsweise aufgeheiztes Blattwerk teilweise nicht genau von möglichen Rehkitzen unterscheiden. Doch am Ende ist die Aktion ein voller Erfolg. Dank des Einsatzes der Technischen Einheit des Roten Kreuzes und zahlreichen Helfern, die zusätzlich als „Fuß-Staffel samt Hund“ die Wiese durchkämmten, konnten vier Rehkitze gerettet werden. Darüber ist Landwirt Dominikus Foag sichtlich erleichtert: „Auch Tiere haben ein Recht auf Unversehrtheit - dafür haben wir heute unser Möglichstes getan.“ Unmittelbar nach der Rettungsaktion wurde die Wiese gemäht - bis auf eine kleine Fläche. Dort wurden die Kitze im Anschluss wieder abgesetzt. Die Muttertiere kehrten nach einigen Stunden zum Säugen zurück.

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