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Aktion

20.07.2018

Künstlerisch auf Leinwand und mit Dosen

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Sprayen war auch in den vergangenen Jahren Teil der Kunsttage – dieses Jahr darf die Bahnunterführung Richtung Schmuttertal-Gymnasium besprüht werden.

Bei den Kunsttagen am Schmuttertal-Gymnasium arbeiten die Schüler mit dem Künstler Harry Meyer. Auch die triste Bahnunterführung in Diedorf haben die Jugendlichen verschönert

Die Kunsttage am Diedorfer Schmuttertal-Gymnasium riecht und hört man schon auf dem Weg durch die Bahnunterführung Richtung Schule. Der beißende Geruch von Sprühfarben fällt auf, noch bevor man die Schüler der 10. Klasse in der Unterführung bei der Arbeit sieht. Mit Schutzmasken vor Mund und Nase verschönern sie die Wände mit Sprühdosen, während eine kleine Box überraschend lauten Hip-Hop spielt. Auf der einen Seite des Tunnels entsteht eine Art Strandszene, auf der anderen eine Stadt. Auch das Gesicht von „Heisenberg“, der Figur aus der Kultserie „Breaking Bad“ mit Hut und Sonnenbrille ist zu erkennen.

„In den Motiven sieht man, was die Schüler bewegt“, sagt Christian Ostler vom Augsburger Verein Die Bunten. Er betreut diesen Teil der mittlerweile dritten Kunsttage am Diedorfer Gymnasium. Die Schüler hätten im Vorfeld eigene Entwürfe gezeichnet, erklärt Ostler. Dann sei ein gemeinsames Konzept entstanden. Dabei habe er den Schülern so viel Freiheit wie möglich gelassen. „Der eigentliche Wert des Kunstwerks entsteht für die Schüler erst dann, wenn sie es selbst gestaltet haben“, sagt Ostler. Eine der größten Herausforderungen für die Truppe sei es gewesen, ihre Ideen auf die große Wand zu bringen. „Normalerweise arbeitet man ja doch mit DIN-A-3-Papieren“, meint der Vertreter der „Bunten.“

Allerdings wird bei den Kunsttagen im Schmuttertal-Gymnasium nicht nur gesprüht. Einen zweiten Workshop leitet Harry Meyer, ein weit über die Region hinaus bekannter Künstler. Im Kunstsaal steht Polina Lewin vor ihrem Stillleben. Sie hat sich für ein klassisches Motiv entschieden: eine Vase mit einer Blume, ein Apfel. „Wir sollten Dinge malen, die wir mögen. Ich male auch in meiner Freizeit und habe mich deshalb für die klassische Variante entschieden“, erklärt Lewin. Ein kleines Stück entfernt steht der Künstler, gerade hat er einem Schüler ein paar Tipps gegeben. Obwohl er betont: „Zweieinhalb Tage ist sportlich für ein so großes Bild“, ist er zufrieden mit dem Fortschritt der Gymnasiasten. Er fühle sich wie auf der Kunstakademie. „Mich begeistert, mit was für einer Konzentration hier gearbeitet wird“, betont Meyer.

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Zurück an der Bahnunterführung machen Lukas Angerer, Meret Krapf und Pauline Weiß aus der 10. Klasse gerade eine Pause in der Sonne. Angerer hat schon Graffiti-Erfahrung. Von ihm und einem Freund kommt auch die Idee, die Graffiti im Tunnel zu sprayen. „Hier wird sowieso immer gesprüht, aber dann eigentlich nur langweilige Slogans“, erklärt er. Angerer hat Spaß an der Aktion und freut sich vor allem über „die Anleitung von Profis.“ Ähnlich geht es Meret Krapf und Pauline Weiß. Spaß macht die Aktion beiden und Krapf sagt: „Es ist toll zu sehen, wie schnell es vorangeht.“

Der Kunstlehrer und Organisator der Kunsttage, Michael Hinterleitner, betont, dass ein gutes Graffito vor Vandalismus schütze. Das bestätigt auch Christian Ostler: „Wir hatten heute Nacht zwar schon einen, der ‚Erster‘ an die Wand geschrieben hat, zum Glück aber mit Kreide.“ Die Erfahrung der „Bunten“ in Augsburg zeige, dass „es eine Hackordnung gibt“, so Ostler. Ein gutes Kunstwerk würde mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mit Slogans oder Tags übersprüht. Für Hinterleitner ist Graffiti „ein Jugendthema.“ Schon in den letzten Jahren sei das Sprayen Teil der Kunsttage gewesen. Erst entstanden die Kunstwerke auf Transparent, dank der Zustimmung der Gemeinde darf in diesem Jahr in der Unterführung gesprüht werden.

Die „Künstler“, die die Unterführung Anfang des Jahres wild besprüht hatten, konnten übrigens nicht gefasst werden, obwohl die Gemeinde sogar eine Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgesetzt hatte. Bauamtsmitarbeiter Denis Zimmermann hofft nun, dass sich das Thema erledigt hat, jetzt, wo es das offizielle Graffito gibt.

Alles in allem ist Hinterleitner begeistert, „dass nach Notenschluss trotzdem noch so intensiv gearbeitet wird.“ Bisher hat er mit den Kunsttagen nur gute Erfahrungen gemacht: Vor zwei Jahren war er mit den Schülern auf einem Zeltplatz bei Zusmarshausen, vor einem Jahr ging es zur Documenta-Kunstausstellung und in diesem Jahr findet das Projekt zum ersten Mal im Gymnasium statt. „Ich bin froh über diesen Freiraum hier an der Schule und natürlich über die Unterstützung des Fördervereins, ohne den die Kunsttage kaum möglich wären“, sagt der Kunstlehrer abschließend.

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