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Landkreis Augsburg

03.02.2020

Land unter: In Fischach fällt die Schule aus

Die Fischacher Mühlstraße stand ab dem Nachmittag unter Wasser und wurde von der Feuerwehr gesperrt.
Bild: Marcus Merk

Exklusiv Der Regen führt im Augsburger Land zu Überschwemmungen. In Fischach bringen Busse Schulkinder über eine überflutete Straße. Doch die Natur hat den Regen nötig.

Land unter in den Stauden: Dauerregen hatte über Nacht Schmutter, Neufnach, Schwarzach und viele kleine Bäche anschwellen lassen. Weil in Fischach die Grund- und Mittelschule seit Montagnachmittag nicht mehr sicher erreicht werden kann, fällt am Dienstag in der Marktgemeinde der Unterricht aus. Betroffen ist auch der Fischacher Kindergarten St. Michael. Sollte sich die Hochwassersituation am Morgen allerdings anders darstellen als erwartet, dann findet der Unterricht laut Schulamt statt.

„Es ist eine Entscheidung für die Sicherheit“, sagte am Montagabend Bürgermeister und Schulverbandsvorsitzender Peter Ziegelmeier. Er hatte in Absprache mit den Verantwortlichen von Schule und Kindergarten sowie der Feuerwehr den Schulausfall beschlossen. Betroffen sind rund 400 Schüler – der Unterricht in Langenneufnach findet statt.

Fischach: Kein Ersatz für Betreuung im Kindergarten

Für Kinder, die nicht zu Hause bleiben können oder deren Eltern nichts vom Ausfall erfahren haben, wird es im Fischacher Kolping-Heim eine Notbetreuung geben. Laut Ziegelmeier fahren die Schulbusse wie gewohnt – sie halten allerdings nicht an der Schule, sondern am Marktplatz. Für die Betreuung im Kindergarten gibt es keinen Ersatz. Alle Eltern wurden gestern informiert.

Land unter: Mehrfach mussten die Feuerwehren in den Stauden gestern ausrücken, um vollgelaufene Keller auszupumpen.
Bild: Marcus Merk

Im Laufe des Montags hatte sich die Hochwasser-Situation in Fischach zugespitzt. Der Messpegel an der Fischacher Bahnbrücke überschritt bis Redaktionsschluss die dritte Meldestufe. Weil bereits rings um die Fischacher Schule überflutete Straßen und Wege gesperrt waren, brachten zwei eigens eingesetzte Busse die Buben und Mädchen nach Unterrichtsende am Nachmittag sicher zum Marktplatz.

Das Langenneufnacher Becken steuert vollautomatisch

Am Langenneufnacher Schutzbecken wurde gestern nicht aufgestaut – das Becken steuert vollautomatisch und schließt erst bei einem Durchfluss von mehr als 19 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Am Nachmittag waren es 14 Kubik. Langenneufnachs Bürgermeister Josef Böck sagte: „Wir können da nichts regeln.“

Kritisch wurde es gestern auch an der Zusam. Der Pegel bei Fleinhausen kletterte innerhalb von wenigen Stunden über die zweite Meldestufe. In Mickhausen standen bereits am Morgen Teile des Sportplatzes unter Wasser, außerdem wurden Wege und kleine Straßen überflutet und waren nicht mehr befahrbar. Auch in Waldberg uferte die Schwarzach aus. Singold und Wertach stiegen nur leicht an. Trotzdem verwandelte der Dauerregen viele Felder und Senken in Seenlandschaften.

Starkregen gut für die Wälder

Für die Natur haben die starken Regenfälle im Moment allerdings noch keine dramatischen Auswirkungen, sagt Wolfgang Sailer vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) Augsburg. Im Gegenteil: „Die Böden, vor allem die Waldböden, sind im Moment noch nicht wassergesättigt.“ Der Winter sei eigentlich dafür da, Wasserreserven in den Böden wieder aufzufüllen und so für trockene Zeiten in den Frühlings- und Sommermonaten vorzusorgen. „Da diese Wasserkapazität noch nicht erreicht ist, ist der Regen momentan sehr gut für die Wälder“, sagt Sailer.

Auch Dinkelscherben rüstet sich, Mitarbeiter des Bauhofsladen Sandsäcke um und bereiten Warnschilder vor. 
Bild: Christoph Lotter

Das bestätigt auch Martin Mayr aus Kutzenhausen. Er ist Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands. „Der Wald hat das Wasser dringend nötig“, sagt Mayr. Er weiß: „In den vergangenen zwei Jahren ging auch nichts mehr ins Tiefengrundwasser.“ Wie die Niederschläge den bewirtschafteten Äckern und Feldern helfen können, wird sich zeigen. Mayr: „Viel Wasser läuft jetzt auch oberflächlich weg.“

Zwischenfrüchte anbauen, um Erosionen vorzubeugen

Für die Landwirtschaft bringen die starken Regenfälle bislang jedoch nur dort Probleme, wo der Boden von Natur aus verdichtet und tonreich ist, sagt AELF-Leiter Wolfgang Sailer. Dort staue sich das Wasser, da es nicht so schnell einsickern könne, wie es von oben nachkommt. Daher sei es für Landwirte so wichtig, Zwischenfrüchte anzubauen, um Erosionen vorzubeugen.

Noch gibt Behördenleiter Wolfgang Sailer jedoch Entwarnung: „Erst wenn es noch zwei oder drei Tage so weiterregnet, kann das größere Schäden für die Landwirtschaft mit sich bringen.“ Dann könnten beispielsweise örtlich „Verwässerungen“ entstehen und es bestehe die Gefahr, dass Winterkulturen im Boden einsacken. Das könnte jedoch durchaus der Fall sein.

Es könnte noch mehr Regen geben

Der Neusässer Meteorologe Klaus Hager, ehemaliger Leiter der Geophysikalischen Beratungsstelle des Jagdbombergeschwaders 32 auf dem Lechfeld, rechnet damit, dass der Regen bis Dienstagvormittag anhält. Dann könnte es sogar schneien. Der Grund: „Am Vormittag soll es zu einem rapiden Temperaturabfall von bis zu zehn Grad kommen.“

Andreas Rimböck, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth, hält die aktuelle Wetterlage mit den hohen Niederschlagsmenge für nicht ungewöhnlich. Allerdings merkt er an: „Neu ist, dass es schon so früh im Jahr sehr schnell warm geworden ist. In den letzten Tagen gab es sogar in Höhen von bis zu 1200 Metern Regenfälle.“ Dort regnet es dann auf eine feste Schneedecke, was die Schneeschmelze vorantreibe, so Rimböck.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Extremwetter: Was tun?

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