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Kreispolitik

16.11.2011

Landkreis grenzt Gentechnik aus

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„Viele unserer Landwirte sind sich dieser Problematik nicht bewusst.“Landratsstellvertreter Johann Häusler

Der Kreistag spricht sich mit breiter Mehrheit dafür aus, dass keine gentechnisch veränderten Lebensmittel auf den Tisch kommen

Gentechnikfrei – dieses Siegel hat sich jetzt auch der Landkreis Augsburg verpasst. Was dies in der Praxis bedeutet, darüber gehen die Meinungen freilich auseinander. Die Botschaft des Kreistages, der jetzt einen entsprechenden Beschluss fasste, ist jedoch klar: Wer Lebensmittel an den Landkreis liefert, soll gentechnikfreie Produkte bringen. Dies gilt auch für Einrichtungen wie das Klinikum und die Wertachkliniken oder die Kantine des Landratsamtes, im Schulzentrum Neusäß und das Jugendhaus in Dinkelscherben, an denen der Kreis beteiligt ist oder die ihm gehören.

Das Thema beschäftigt die Kreispolitik spätestens seit dem Oktober vergangenen Jahres, als die SPD-Kreistagsfraktion den Antrag stellte, das Augsburger Land zur gentechnikfreien Region zu machen. Nach einem Vortrag von Dr. Ulrich Busch vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im Juni und einer Diskussion im Kreisausschuss im September kam es jetzt zur Generalaussprache im Kreistag.

Die Debatte wurde aufmerksam verfolgt von Vertretern des Bündnisses für eine gentechnikfreie Region Augsburg Stadt und Land. Sie hatten vor der Sitzung Landrat Martin Sailer eine Liste mit 2819 Unterschriften übergeben, mit der sich Menschen in Stadt und Land für eine gentechnikfreie Region stark gemacht hatten (siehe Infokasten). Landrat Sailer machte bereits hier deutlich, dass man mit dem Kreistagsbeschluss keine Versprechen suggerieren wolle, „die wir nicht halten können“. Der Landkreis werde jedoch tun, was in seiner Verantwortung stehe. Harald Ulmer, Landesgeschäftsführer der Landesvereinigung ökologischer Landbau, begrüßte dies „als ein klares Signal an die Landwirte. Der Landkreis ist spitze bei regenerativen Energien, es wäre schön, wenn dies auch bei der Gentechnik der Fall wäre.“ Immerhin sind von 46 Gemeinden im Augsburger Land bereits 43 dem Bündnis beigetreten, berichtete Christof Rauch vom Netzwerk blühende Landschaft. Dies sei deutschlandweit das beste Ergebnis, wusste Andrea Eiter von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft: Es gebe keinen Landkreis in Deutschland, der sich gentechnikfrei so flächendeckend verbreitet habe.

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Wie schwierig es in der Praxis ist, ein gentechnikfreies Produkt zu garantierten, machte Grünen-Kreisrat Joachim Schoner aus Langenneufnach deutlich. Er griff zur Flasche, die vor seinem Platz im Sitzungssaal stand und hielt sie im „Kreissaal“ in die Luft. Der Inhalt: Apfel-Johannisbeersaft aus den Stauden, hergestellt von der dortigen Regionalentwicklung aus Fischach. „Es wäre sehr schwierig für uns, wenn wir uns das zertifizieren lassen müssten – das wäre das Ende eines Regionalprodukts, weil die Kosten dafür einfach viel zu hoch wären.“

Schoner stimmte freilich für den Antrag gentechnikfreier Landkreis, sieben andere Kreisräte indes dagegen, unter anderem Dr. Markus Brem (FW), praktizierender Landwirt aus Gersthofen-Hirblingen. Nein sagte auch Landratsvize Johann Häusler. Er ist Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Franken Schwaben, der größten in Deutschland. „95 Prozent unserer Bauern können keine absolut gentechnikfreien Futtermittel beziehen, weil der Landhandel diese nicht auf Lager hat.“ Die Gefahr, dass sie ungewollt gentechnisch verändertes Soja kauften, sei groß. Wörtlich sagte Häusler. „Viele unserer Landwirte sind sich dieser Problematik nicht bewusst.“

Anni Fries ist nicht nur Stellvertreterin des Landrats, sondern auch schwäbische Bezirksbäuerin aus Markt bei Biberbach. „Gentechnikfreie Lebensmittel gibt es nicht mehr oder sind nicht zu unterscheiden“, sagte sie. Es gebe im Landkreis keinen Anbau gentechnisch veränderten Pflanzgutes. „Ich bin kein Freund von Gentechnik, aber das ist eine Abstimmung ohne Not“, schimpfte sie. Viel wichtiger wäre, wenn der Verbraucher Produkte aus Bayern kaufen würde. „Damit unterstützt man die heimische Landwirtschaft und die schöne Landschaft.“

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