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Kreis Augsburg

29.05.2015

Landwirt lässt Kälber und Schweine qualvoll verhungern

Kälber und Schweine sind auf dem Bauernhof regelrecht verhungert. Der Landwirt war wohl überfordert.
Bild: Symbolbild, Ralf Lienert

Kontrolleure machten auf einem Hof im Kreis Augsburg einen grausigen Fund: Tierkadaver und -skelette. Ein Landwirt ließ sie über Monate hinweg regelrecht verhungern.

Als die Veterinärärztin des Landkreises Augsburg am 7. November 2014 nach dem Hinweis einer Polizistin die Ställe eines Bauernhofes kontrolliert, bietet sich ihr ein grauenvolles Bild – ekelerregende Zustände, die sie in ihrer ganzen Laufbahn noch nicht gesehen hat. Das Anwesen gleicht einem Tierfriedhof.

Im abgedunkelten Schweinestall liegen in einer sumpfigen Masse großteils bereits skelettierte Tiere, Knochen und Schädel von insgesamt 45 Sauen, die über Monate hinweg regelrecht verhungert sind, die sich offenbar teils gegenseitig aufgefressen haben. In einem anderen völlig verwahrlosten Stall Kadaver von Kälbern. Zwei andere Rinder leben noch, stehen bis zum Bauch in der Gülle, andere Artgenossen sind buchstäblich eingebettet in turmhohem Mist. Insgesamt 17 Tiere sind völlig unterernährt, müssen notgeschlachtet werden.

Der 35-jährige Landwirt, der für dieses unglaubliche Tierdrama verantwortlich ist, sitzt nun wegen Tierquälerei in 54 Fällen vor Amtsrichter Michael Nißl auf der Anklagebank.

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Persönliche Schicksalsschläge, unglückliche Beziehungen und ein offenbar starrsinniger Altbauer, der jahrelang einer modernen Landwirtschaft einen Riegel vorschob, führten wohl zu einer heillosen Überforderung des jungen Landwirts, bis der Hof im Chaos versank. „Ich hätte aufhören und meinem Vater alles hinwerfen sollen“, seufzt der Angeklagte rückblickend.

"Tiere regelrecht in ihrem eigenen Kot verreckt"

Als er die Landwirtschaft 2001 zur Pacht übernahm, habe er einen Aussiedlerhof geplant mit modernen Ställen und Maschinen. Doch sein Vater habe immer wieder abgeblockt. Als der einen Schlaganfall erlitt, sei er praktisch auf sich allein gestellt gewesen. „Ich musste auch zur Feldarbeit, die Maschinen waren alt, gingen kaputt. Ich hab wie wild gearbeitet, aber es ging nichts voran“, erzählt er. Nachbarn hätten nicht geholfen, er habe die Tiere kaum mehr gefüttert. „Ich war in einem Teufelskreis gefangen“, sagt er.

Richter Nißl sieht sich nachdenklich die von der Tierärztin aufgenommenen Fotos an, die er als „entsetzlich und absolut schrecklich“ benennt. „Was ging in Ihnen vor?“, fragt er den Angeklagten. „Sie müssen doch mitbekommen haben, wie die Tiere zum Skelett wurden?“ Der Landwirt hat dafür aber keine erklärende Antwort parat. Inzwischen ist er vom Landratsamt auf Dauer mit einem Tierhalteverbot belegt worden. Er beschränkt sich auf seinem 20 Hektar großen Hof nun auf den Ackerbau.

Die schwierige Lebenssituation des Angeklagten mit einem „patriarchalischen Vater“ sieht der Staatsanwalt als entlastendes Moment. Schwerer wiege aber, „dass 54 Tiere regelrecht in ihrem eigenen Kot verreckt sind“, drückt sich der Ankläger drastisch aus und fordert deshalb eine zehnmonatige Bewährungsstrafe plus Tierhalteverbot für den Landwirt. Dem folgt das Gericht. „Tiere sind schutzlos. Was hier geschehen ist, ist dramatisch und absolut nicht zu rechtfertigen“, sagt Richter Nißl. Der Angeklagte zeigte sich einsichtig – und hat das Urteil sofort angenommen.

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