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Fischach

07.10.2017

Lustig-Bissiges über die verrückte Welt

Der Kabarettist Günter Grünwald begeisterte das Publikum in Fischach.
Bild: Marcus Angele

Kabarettist Günter Grünwald begeistert in Fischach mit seinem Programm „Deppenmagnet“

Er ist schon ein echtes bayerisches Original mit dem Prädikat „Spitze“: Günter Grünwald sorgte in der vollen Staudenlandhalle über zwei Stunden für ausgelassene Unterhaltung. Mit seinem neuen Programm „Deppenmagnet“ zeigte er hintersinnig humorvoll und satirisch einmal mehr, wie verrückt doch unsere Welt sein kann. Damit sprach er dem begeisterten Publikum oft aus dem Herzen.

„Es ist schon fantastisch, wie er zeitkritische Themen humorvoll verpackt. Die Geschichten- und Rollenwechsel sind sensationell“, zeigte sich ein Besucher aus Kutzenhausen fasziniert vom Grünwald-Programm. Ganz belanglos fängt Grünwald mit dem sehr guten Catering in seiner Umkleide an, kommt dann irgendwie auf Tattoos, die es bei rumänischen Fliesenlegern billiger, aber vielleicht nicht ganz fehlerfrei gibt. So landet er anschließend bei einem Bildmotiv „Ruderboot im Apfelstrudel“, bei dem er sich herrlich über eigenartige Kunstrichtungen und Maler auslässt. Kurz darauf versucht er sich mit einer Abflussreinigerpumpe als Lebensretter und schwenkt dann wieder komplett zu den „Deppen“ im Elektronikmarkt, die von den Mitarbeitern beklatscht werden, weil sie schon um sechs Uhr früh für ein neues Handy anstehen.

Auf seine bekannten Charaktere Bonzo, Joe Waschl und Co. verzichtet er in seinem neuen Programm komplett. Nur der dauerbesoffene Hausmeister Bamberger darf einmal als AfD-Sympathisant so richtig überspitzt und politisch unkorrekt über Asylanten herziehen, „damit Sie mal wissen, wo der Hase den Pfeffer kauft“. Hier zeigt Grünwald sein feines Gespür für Satire und Ironie. Auch bei der Rechtschreibreform mit Doppel-S und Scharf-S gibt es den Seitenhieb an die Rechtspopulisten: „Ach wieviel besser wäre es doch gewesen, wenn es im Dritten Reich kein ‚ss’ sondern nur ein ‚scharfes S’ gegeben hätte“. Auch die ‚Ehe für alle’ wird thematisiert und ist ein Problem für einige sehr religiöse Menschen - denn Gott hat ja Adam und Eva geschaffen und nicht Adam und Stefan. Andererseits kann es doch nicht angehen, dass auf dem Land ein heterosexueller Friseur arbeitet. Genial verarbeitet er gegen Ende noch schlechtes Fernsehen mit nervenden Kochsendungen und Dokumentationen über Swingerclubs mit „greisligen Besuchern“.

So vergehen zwei Stunden wie im Flug und das Publikum applaudiert lautstark für eine Zugabe, die es auch bekam.

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