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Landkreis Augsburg

22.12.2020

Machen Unternehmen im Kreis Augsburg Betriebsurlaub im Lockdown?

Viele Unternehmen gibt es, wie hier in Gersthofen, im Augsburger Land. Wie halten sie es mit Betriebsurlaub an Weihnachten?
Bild: Marcus Merk (Archivfoto)

Plus Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, erging der Appel an Unternehmen, zwischen den Feiertagen Betriebsferien zu machen. Doch das ist nicht so einfach.

Die Grünen im bayerischen Landtag schlagen im Kampf gegen die Verbreitung des Virus vor, die Arbeitstage zwischen Weihnachten und Silvester in möglichst vielen Unternehmen für Betriebsferien zu nutzen. "Mit nur drei Tagen Betriebsferien zwischen den Jahren könnten Hunderttausende Kontakte am Arbeitsplatz für elf Tage unterbunden werde", sagte Fraktionschef Ludwig Hartmann unserer Redaktion und fügte hinzu: "Das ist ein voller Quarantänezeitraum plus Safetytag – eine Riesenchance." Bei vergleichsweise kleinen Einschränkungen sei das ein großer Schritt im Kampf gegen die Pandemie.

Doch wie halten es die Firmen in der Region? "Das geht sicherlich nicht bei jedem Unternehmen", sagt Christine Neumann, bei der IHK Augsburg zuständig für Wirtschaftsforschung und Fachkräfte. Es müsse zunächst einmal zwischen Verwaltung und Produktion unterschieden werden. "Bei der Produktion kann ein Unternehmen weniger im Homeoffice arbeiten", so Neumann. In der Verwaltung sei dies schon leichter machbar. "Die Unternehmen versuchen sehr flexibel, Homeoffice anzubieten." Weil die Firmen aber nicht melden würden, wenn sie Betriebsferien machen, liegen bei der IHK keine Zahlen vor.

Notdienste im Kreis Augsburg sind auch an den Festtagen erforderlich

Dies bestätigt auch Susanne Sylvester, Leiterin der Abteilung Kommunikation bei der Handwerkskammer (HWK) für Schwaben. "In vielen Bereichen ist ein Betriebsurlaub auch nicht sinnvoll, beispielsweise wenn es um Notdienste geht." So seien die Menschen doch froh, wenn während der Feiertage die Heizung ausfällt und jemand kommt, um sie zu reparieren. "Die Betriebe entscheiden nach Geschäftslage und Mitarbeiterverfügbarkeit, ob sie in Betriebsferien gehen", so Susanne Sylvester.

Im Industriepark Gersthofen gibt es bei keinem der dort ansässigen Unternehmen Betriebsferien an den Weihnachtstagen. Die Chemieproduktion muss rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche laufen, erklärt Sprecherin Ingrid Knöpfle. Und dies bringe auch mit sich, dass die restliche Infrastruktur, wie Kläranlage, Energieversorgung, An- und Abtransport von Grundstoffen und fertigen Produkten normal weiterlaufen müsse. Allerdings würden – nicht zuletzt in der Verwaltung – die Homeoffice-Möglichkeiten ausgeschöpft und auch strenge Hygienestandards eingehalten. "Wir tun alles, dass es nicht zu einem Stopp kommt, denn die Produktion muss weiterlaufen", so Ingrid Knöpfle.

Betriebsurlaub in Gersthofen wie in jedem Jahr

Beim Glasfassadenexperten Roschmann Group in Gersthofen gibt's einen Betriebsurlaub von Montag, 21. Dezember, bis zum Dreikönigstag. "Aber das ist nicht wegen der Corona-Pandemie und des Lockdowns, sondern das sind unsere üblichen Betriebsferien zwischen den Jahren", sagt Carolin Roschmann von der Marketingleitung. "In unserer Verwaltung sind viele Menschen im Homeoffice, ansonsten sind zum Schutz der Mitarbeiter Büros einzeln besetzt." In der Produktion werde im Zweischichtbetrieb gearbeitet, und es seien die Waschräume der beiden Schichten getrennt worden, um eine Virusübertragung zu erschweren. "Wir haben allerdings auch internationale Baustellen, an denen die Arbeit weiterlaufen muss", erklärt Carolin Roschmann. "In unserem Büro in den USA arbeiten alle zu Hause."

Um drei Tage auf Montag, 21. Dezember, vorgezogen hat die Humbaur GmbH den jährlichen Betriebsurlaub an Weihnachten.
Bild: Marcus Merk (Archivfoto)

Um drei Tage auf Montag, 21. Dezember, vorgezogen hat die Humbaur GmbH den jährlichen Betriebsurlaub an Weihnachten. "Ursprünglich hätte er am 24. Dezember beginnen sollen", sagt Monika Niederreiner, die Leiterin der Unternehmenskommunikation. Nun wird vom 21. bis zum 23. Dezember eine Notbesetzung arbeiten. "Vom Heiligen Abend bis zum 3. Januar sind wird dann zum ersten Mal überhaupt komplett geschlossen." Insgesamt werde innerhalb des Unternehmens "massivst auf Abstand und Einhaltung der Hygieneregeln geachtet". So würden im Unternehmen eigene Tests gemacht. Die Corona-Pandemie habe sich allerdings bisher nicht auf das Auftragsvolumen ausgewirkt.

Angespannte Situation im Transportbereich

Dieses Phänomen erlebt auch Gianluca Crestani, Geschäftsführer der Roman Mayer Logistik Group. "Wir machen keine Betriebsferien, denn wir haben viele Kunden, die ihre Lieferketten aufrechterhalten müssen." So sei nur an den Feiertagen geschlossen. Zudem hätten die Aufträge seit der Verkündung des zweiten Lockdowns stark zugenommen: "Ganz viele Teile der Industrie decken sich derzeit auf Vorrat mit Produkten ein, die sie brauchen, um auch weiter produzieren zu können, wenn der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird", so Crestani weiter.

Daher sei der Transportmarkt derzeit sehr angespannt. "Hinzu kommt der Umstand, dass wegen des Brexit-Chaos viele Lastwagen in den französischen Verladehäfen festhängen." Diese Fahrzeuge fehlten nun. "In den nächsten Wochen sind daher akuteste Engpässe im Transportbereich zu erwarten", ist sich Crestani sicher. Ein Anzeichen: "In den letzten Tagen gab es bereits einen massiven Anstieg bei den Transportpreisen."

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