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Margertshausen

02.07.2017

Mädesüß und grüne Keiljungfer fühlen sich hier wohl

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2 Bilder
Biologin Claudia Eglseer zeigt die Heilpflanze Mädesüß. Die Pflanze enthalt schmerzstillende Substanzen.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Welche seltenen Pflanzen und Tiere im Streuwiesengebiet Margertshausen leben.

Das Schmuttertal ist ein besonderes Fleckchen Natur. Dort gibt es blumenbunte Wiesen mit seltenen Pflanzenarten, heilende Kräuter, faszinierende Biotope, Wiesengräben und wechselfeuchte Auen. Auch die Tierwelt ist reichhaltig. „Es kommen Arten vor, die europaweit unter besonderen Schutz gestellt sind“, berichtete die Biologin Claudia Eglseer bei ihrer Führung im Streuwiesengebiet des Schmuttertals bei Margertshausen im Rahmen des Geo-Tags der Natur.

Auch der Laie erkennt, dass es sich hier um einen hochwertigen Lebensraum handelt. Der Weg ins Streuwiesengebiet wird von einer üppigen Pflanzenwelt begleitet. Es sei ein Herzstück des Biodiversitätsprojekts Schmuttertal, verdeutlicht Claudia Eglseer. Wie hochwertig diese Flächen sind, erkennt man bereits an dem Blumen- und Pflanzenreichtum links und rechts der Strecke.

Da reckt sich die Prachtnelke mit ihren duftenden zartrosa Blüten, der in der Naturheilkunde verwendete Große Wiesenknopf, das feingliedrige Sumpf-Labkraut und der von Bienen geschätzte Schlangen-Knöterich der Sonne entgegen. Dann bleibt die Führerin kurz stehen und deutet auf das Heilkraut Mädesüß. „Eine Pflanze, die viele Menschen gar nicht mehr kennen“, sagt sie. Sie enthalte schmerzstillende Substanzen und besitze ein herb-süßliches Aroma, das an Mandeln und Honig erinnert.

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Grundlos gedeiht diese Pflanzenvielfalt nicht. „Hier wird nur wenig oder gar nicht gedüngt“, informiert die Biologin. Zudem mäandere die Schmutter hier ausgiebig und überschwemme regelmäßig die Wiesen. Hinzu kämen Gräben, Böschungen, Saumstreifen und Biotope. „Das alles trägt zu wichtigen Rückzugsgebieten für seltene Pflanzen bei“, erzählt sie.

Diese kostbaren Flächen kommen natürlich auch Tierarten zugute. Sie bieten Lebensraum beispielsweise für die Rohrammer, den Teich- und Sumpfrohrsänger und den Flussregenpfeifer, berichtet Zoologe Peter Hartmann. Oder für die prachtvolle Grüne Keiljungfer, eine Libelle mit einer Flügelspannweite von rund sieben Zentimetern.

Um die Artenvielfalt unter Beweis zu stellen, holt er ein Schmetterlingsnetz aus seinem Rucksack und geht etwas in die Wiesen hinein. Schon nach wenigen Augenblicken kommt er mit einem Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling zurück. „Eine äußerst seltene Art“, wie er feststellt. In einem Vergrößerungsglas sehen die Exkursionsteilnehmer die silbrig hellblau gefärbte Flügeloberseite mit einigen deutlichen schwarzen Flecken. „Der Schmetterling legt seine Eier in den Blütenkopf des Wiesenknopfes ab“, erzählt Hartmann. „Dort wachsen sie zu Raupen heran.“ Auch der häufiger anzutreffende Schornsteinfeger wird im Glas unter die Lupe genommen.

Für Klaus Kuhn vom Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben Anlass, selbst am Wegesrand zwischen Brennnesseln, Pfeifengras und anderen Wildpflanzen aktiv zu werden. Er wird fündig und präsentiert einen seltenen Augenmarienkäfer und den häufiger anzutreffenden Distel-Bockkäfer mit seinen langen schwarz-weiß gestreiften Fühlern.

Das Schmuttertal sei ein kostbares Stück Natur, ein kleines Juwel, so das Fazit von Claudia Eglseer. Deshalb gelte es, diese Flächen zu bewahren. Ein Schritt ist bereits mit dem Ankauf von rund zwölf Hektar Land im Rahmen des Biodiversitätsprojekts Schmuttertal getan worden.

Dabei haben sich die Stadt Neusäß und der Markt Diedorf als „Musterschüler“ eingebracht. Beim Markt Fischach und bei der Gemeinde Gessertshausen – die beiden anderen Projektträger-Kommunen – tut sich mit dem Landkauf erst dann etwas, wenn dort die Flurbereinigungsverfahren endgültig abgeschlossen sind. Für Eva Liebig vom Naturpark Augsburg-Westliche Wälder ist die lange Zeitdauer normal: „Flurbereinigungsverfahren ziehen sich erfahrungsgemäß über mehrere Jahre hin.“

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