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Zusmarshausen/Adelsried

06.02.2018

Manche Gläubige haben Schuldgefühle

Seit dem Burn-out des Pfarrerehepaars Strauch hat die evangelische Gemeinde Zusmarshausen keinen Pfarrer mehr. Wie es jetzt weiter geht.

Es war kurz vor Ostern 2016, als Pfarrer Hans Strauch mitteilte, dass er und seine Frau Silvia einen Klinikaufenthalt antreten werden. Der Grund: Burn-out. Seitdem sind sie nicht mehr im Dienst, die evangelische Gemeinde Zusmarshausen hat keinen eigenen Pfarrer mehr. Eine schwierige Situation. Wie geht es nun weiter? Darum ging es jetzt bei der Gemeindeversammlung in Adelsried.

Zu der Kirchengemeinde gehören etwa 3000 Protestanten und die vier Kirchen in Zusmarshausen, Dinkelscherben, Adelsried und Welden. Zurzeit übernimmt Alan Büching, Pfarrer von Diedorf-Fischach, vertretungsweise zusätzlich die Pfarramtsführung. Die Nachricht vom Burn-out habe bei vielen einen „gewissen Schock, eine Traumatisierung“ ausgelöst, sagte Büching. „Auch bei mir.“ In der Gemeinde und unter Kollegen gebe es viele Schuldgefühle: Woran lag es? Haben wir sie überfordert? Warum haben wir nichts bemerkt? Dazu komme der unbewältigte Abschied: Silvia Strauch wurde im März 2017 in einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet, Hans Strauch hat die Gemeinde aber bisher nicht mehr getroffen.

Die Situation ohne eigenen Pfarrer ist für die Gemeinde nicht einfach. Doch sie meistere sie sehr gut, betont Büching – vor allem durch das große Engagement Ehrenamtlicher, egal ob im Gottesdienst oder fürs Konficamp. „Ich habe einen Heidenrespekt vor dem Kirchenvorstand“, sagt der Pfarrer. „Er versucht der Gemeinde Halt zu geben und hoffnungsvoll zu planen.“ Die Gottesdienste übernehmen vorwiegend Diakon Matthias Schrank, zwei Prädikanten und ein Lektor. Auch mehrere Pfarrer aus der Umgebung helfen aus. Die Anwesenden spendeten für sie alle kräftigen Applaus – auch für Pfarrer Büching, der neben seiner eigenen Gemeinde auch noch die in Zusmarshausen betreut.

„In anderen Gemeinden wird während einer Vakanz das Programm reduziert, hier gibt es eher mehr als vorher“, erklärt Büching. Ein Gemeindebrief und die sogenannten Omnibus-Gottesdienste wurden eingeführt – besondere Gottesdienste, in denen zum Beispiel ein Orchester oder Figurentheater auftritt. Zum Lob an die Ehrenamtlichen gibt es aber auch kritische Töne aus der Versammlung: „Es sind immer die gleichen, die aktiv sind“, meint eine. „Da lässt die Kraft auch nach.“

Wie soll es in der Gemeinde nun weiter gehen? Dazu gibt es ganz unterschiedliche Meinungen im Kirchenvorstand. Dieser sei in zwei gleich große Teile gespalten, erklärt Büching: Die eine Hälfte meint, die vier Gemeindeteile mit den vier Kirchen waren der Grund für die Überlastung der Pfarrer. Man müsse deshalb über eine Reduzierung der Gebäude und neue Strukturen nachdenken. Die andere Hälfte glaubt dagegen, dass die Zukunft nur mit vier Gebäuden machbar sei.

Trotz intensiver Diskussionen sei der Kirchenvorstand noch nicht zu einer einvernehmlichen Lösung gekommen, erklärt Büching. „Das wird eine wichtige Aufgabe des künftigen Pfarrers sein.“ Die Ankündigung, über einen Verkauf einer Kirche nachzudenken, löst bei manchen in der Versammlung Unruhe aus: „Das ist ein Tritt ins Hinterteil der Leute, die geholfen haben, die Kirche aufzubauen!“

Doch wann bekommt die Gemeinde nun endlich wieder einen neuen Pfarrer? Diese Frage kann Dekan Stefan Blumtritt noch nicht beantworten. Eigentlich dauert eine Vakanz etwa sechs Monate, in Zusmarshausen sind es nun schon fast zwei Jahre. Blumtritt schildert, wie schwierig die Suche ist. Da es in der evangelischen Kirche in der Regel keine Zwangsversetzungen gebe, liege die Entscheidung immer bei den Pfarrern, ob sie sich auf einen Posten bewerben. Die Zusmarshauser Stelle ist seit Juni ausgeschrieben. „Es gab zahlreiche Gespräche und mindestens drei ernsthafte Interessenten“, erzählt Blumtritt. Beworben hat sich aber noch niemand.

Auch wenn manch ein Gläubiger befürchtet, die Gemeinde sei durch ihre Vorgeschichte und die Größe unattraktiv: Der Dekan betont, dass es meist nicht an der Gemeinde liegt, ob sich ein Pfarrer auf eine Stelle bewirbt oder nicht. Da spielten ganz andere Dinge eine Rolle: Findet der Partner eine Arbeitsstelle in der Nähe? Kann das Kind die Schule wechseln? Dürfen die Katzen mit ins Pfarrhaus ziehen? In Personaldingen habe er schon viel Enttäuschungen erlebt, er wolle der Gemeinde keine falschen Hoffnungen machen: „Deshalb werden Sie erst informiert, wenn alles unterschrieben ist. Alles andere sind ungelegte Eier.“

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