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Meitingen-Herbertshofen

15.02.2018

Max Aicher ändert seine Pläne

Der Filter 4 der Lech-Stahlwerke, hier rechts im Bild, wurde 2007 gebaut. In diesem Bereich will Stahlwerksunternehmer Max Aicher nun seine Pläne für die Fertigung von Elektroden weiter vorantreiben. Dazu will er ein Forschungszentrum errichten. 
Bild: Archivfoto: Marcus Merk

Der Betreiber der Lech-Stahlwerke in Meitingen will jetzt ein Forschungszentrum für Elektrodenfertigung errichten. Es soll auf dem bisherigen Sondergebiet für den Filter 4 entstehen.

Stahlwerksbetreiber Max Aicher hat seine Pläne für die Errichtung eines neuen Grafitelektrodenwerks im geschützten Lohwald offenbar aufgegeben. Stattdessen will er nun ein kleineres „Forschungszentrum für Elektrodenfertigung“ errichten. Es soll auf dem Areal entstehen, das bisher ausschließlich dem Filter4 vorbehalten war. Dieser Filter, 2007 erbaut um die Emissionen des Stahlwerks zu reduzieren, steht in einem eigens dafür ausgewiesenen Sondergebiet, in dem bis heute keine andere Nutzung erlaubt ist. Allerdings betreibt der Markt Meitingen schon seit einigen Monaten ein Änderungsverfahren für den Bereich des Filters 4: Demnach soll das Sondergebiet in ein allgemeines Industriegebiet umgewandelt werden, damit das Stahlwerk dort Lagerhallen und ähnliche Gebäude errichten und somit die vorhandenen Flächen effektiver nutzen könne – so jedenfalls lautete bisher die Begründung für die angestrebte Änderung. Von den Plänen für ein Elektroden-Forschungszentrum in diesem Bereich habe man bis vor kurzem nichts gewusst, so Bauamtsleiter Thomas Dahlmann auf Anfrage unserer Zeitung. Der Bauantrag stehe vielmehr am Dienstag, 20. Februar, im Planungsausschuss das erste Mal zur Debatte.

Nachbargemeinden sehen sich in ihren Befürchtungen bestätigt

Meitingens Nachbargemeinden Biberbach und Langweid haben die angestrebte Änderung des Sondergebiets Filter 4 in ein allgemeines Industriegebiet dagegen misstrauisch verfolgt und werden sich nun in ihren Befürchtungen bestätigt sehen. Die Nachbargemeinden haben sich bei der öffentlichen Auslegung der geänderten Planung, die vom 8. Dezember 2017 bis zum 8. Januar 2018 erfolgte, beide ablehnend geäußert, denn sie befürchten, dass in dem Gebiet Anlagen entstehen könnten, die eigentlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig machten. Zudem werde mit der Ausweisung eines Industriegebiets einer weiteren Reduzierung des geschützten Lohwalds Vorschub geleistet, so die Marktgemeinde Biberbach. Langweid sieht hier sogar einen „massiven Eingriff“ in die Schutzfunktion des Lohwalds. Auch die künftig zulässige Gebäudehöhe von 25 Metern wird kritisiert. Sie sei städtebaulich nicht gerechtfertigt, denn so wären „riesige Baukörper“ möglich. Langweid wendet sich auch gegen die „vollflächige Versiegelung“, die durch eine Anhebung der Grundflächenzahl auf 1,0 möglich sei.

Der Marktgemeinderat Meitingen sieht das völlig anders und hat die Bedenken vor kurzem zurückgewiesen. So könnten schon wegen des begrenzten räumlichen Geltungsbereichs – das Gebiet ist nur etwa 0,7 Hektar groß – dort keine Anlagen entstehen, die eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig machten. Sollte dennoch ein Bauantrag für solche Anlagen gestellt werden, werde die Umweltverträglichkeitsprüfung dann im Rahmen des dafür erforderlichen Genehmigungsverfahrens erfolgen.

Meitingen wollte keinen 600 Meter langen Lärmschutzwall aus Schlacke

Dass nun der Bauantrag von Max Aicher für ein Forschungszentrum für Elektrodenfertigung in diesem Gebiet vorliegt, rückt die Sache in ein ganz neues Licht. Max Aicher selbst bedauerte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er die „größere Lösung“ für ein Grafitelektrodenwerk im Lohwald (wir berichteten) nicht habe verwirklichen können. Meitingen habe Bedenken gehabt, weil er eine Fläche von mindestens 15 Hektar gefordert habe. Auch zum von ihm dort geplanten, etwa 600 Meter langen Lärmschutzwall aus Schlacke habe sich der Gemeinderat ablehnend geäußert. So könne er in Meitingen eben nur eine kleine Lösung verwirklichen und werde den Großteil der von ihm bereits erworbenen Grafitelektrodenanlagen in Sachsen aufbauen, kündigt der Stahlwerksunternehmer an.

Meitingens Bauamtsleiter Dahlmann betont, dass man Aicher sehr wohl ein positives Signal für das Grafitelektrodenwerk und die dafür nötige Änderung des Flächennutzungsplans gegeben habe. Doch eine Baugenehmigung innerhalb von vier Monaten, wie von Aicher gefordert, sei einfach nicht machbar. Ob die nun geplante Anlage im Bereich des Filters 4 betrieben werden könne, müsse ebenfalls erst im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens geprüft werden.

Für Aicher ist eine schnelle Baugenehmigung wichtig, weil die Preise für Grafitelektroden, die bei der Stahlherstellung benötigt werden, stark angestiegen sind. Der Stahlunternehmer hat deshalb Anlagen aus einem stillgelegten Grafitelektrodenwerk in Griesheim bei Frankfurt gekauft um dieser Problematik zu begegnen.

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