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Gersthofen

12.11.2018

Max Uthoff kennt die Absurditäten des Daseins

Max Uthoff zerlegte in der Stadthalle Gersthofen die Auwüchse der deutschen Leistungsgesellschaft. 

Max Uthoff nimmt die Auswüchse der Leistungsgesellschaft auseinander und hinterfragt sie mit viel Humor. Er nimmt in Gersthofen die Zuschauer mit auf die „MS Verdrängung“.

Seine fiktive kleine Tochter Victoria macht brav „Platz“ und geht in eine bilinguale Kita mit Vollprogramm von morgens bis abends. So ist der Start in eine steile Karriere gesichert, damit sie sich später auch den besten Psychiater leisten kann, der für Geld zu haben ist, um den frühkindlichen Stress zu bewältigen. Genüsslich seziert Max Uthoff die skurrilen Auswüchse der Leistungsgesellschaft, deren treue Anhänger nur den möglichst raschen Erwerb möglichst vieler Güter im Sinn haben. Und die damit so beschäftigt sind, dass ihnen nicht auffällt, wie unter dem Deckmäntelchen der Demokratie das wohl geölte Betriebssystem des Kapitalismus schnurrt.

Max Uthoff in der Stadthalle Gersthofen

Zwei Stunden lang führt der vielen als TV-Kabarettist aus der „Anstalt“ bekannte Max Uthoff seine in großer Zahl erschienenen Fans in der Stadthalle Gersthofen mental Gassi. Er nimmt sie mit auf die „MS Verdrängung“, auf der die Touristen Umweltkatastrophen bestaunen und die Herkunft der vielen schönen, durch Kinderarbeit entstandenen Produkte bewundern dürfen. Auf dem Nachhauseweg geht es noch zum „Great Pacific Garbage Patch“, der großen Müllhalde mitten im Ozean. Doch so weit muss die Reise gar nicht gehen.

Bizarr ist es auch vor der eigenen Haustür, wo die Angst vor dem Verlust des sorgsam gehüteten Wohlstands in der Wahlkabine die Hand führt; dort wo sich das Kapital eine schicke Demokratie nach eigenen Bedürfnissen geschnitzt hat, die den Volkswillen konsequent ignoriert. Allerdings ist das nichts Neues, führt der gelernte Jurist mit glasklarer Rhetorik historische Fakten ins Feld. Schon einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika wusste, dass die Minderheit der Reichen gegen die Mehrheit der Reichen geschützt werden muss, zitiert der Inhaber des Deutschen Fernsehpreises im Genre Kabarett den ehrwürdigen James Madison.

Warum sind Auto-Stoßstangen lackiert und beim kleinsten Rempler sündteuer zu reparieren? Als diese einst erfunden wurden, sollten sie kleine Schäden auch klein halten. Warum bleibt man nicht zuhause und macht es sich dort angenehm, anstatt Länder auf der Reise-Menükarte abzuhaken und außer den „Ich-Irgendwo-Selfies“ nichts von der Fremde im Gedächtnis zu behalten? Warum gibt es „gute“ Pässe wie die deutschen, die ihre Inhaber überallhin reisen lassen? Aber auch „schlechte“ Pässe, die nirgendwohin führen?

Max Uthoff ist ein Meister des geschliffenen Wortes

Uthoff führt seinem Publikum, das ihm auf jedem Schritt tapfer folgt, die Absurditäten des täglichen Daseins messerscharf vor Augen. Für eventuell daraus resultierende Schnittwunden erklärt sich der Meister des geschliffenen Wortes allerdings nicht verantwortlich. Pflaster verteilt er nicht und auch die Garantie für einen schönen Abend hat er schon in den ersten Minuten seines Programms „Moskauer Hunde“ rundheraus abgelehnt zu übernehmen. Doch eine kleine Beruhigung hat er trotz allem in Petto.

Einen Dritten Weltkrieg wird es wohl nicht geben. Denn ein schon an Twitter immer wieder scheiternder Donald Trump wird kaum in der Lage sein, den Atomcode fehlerfrei einzugeben. Obwohl die im Programmtitel genannten Moskauer Vierbeiner darauf vorbereitet wären. Die organisieren sich nämlich schon jetzt völlig unabhängig von ihren menschlichen Zeitgenossen. Und wedeln auch bei deren Freundlichkeiten nicht mehr mit dem Schwanz, sondern formieren sich in urtümlichen Rudeln um gemeinsam stark zu sein. Eine durchaus intelligente Vorgehensweise, die den Menschen in ihrer selbst gewählten Singularität virtuell und real abhanden zu kommen scheint. So das Fazit eines spannenden Abends mit einem spannenden Gesellschaftsanalysten.

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