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Gersthofen

25.08.2017

Metzgerei Binswanger schließt Filiale, weil Fachpersonal fehlt

Den Metzgereien gehen die Fachkräfte aus.
Bild: Maurizio Gambarini, dpa (Symbolbild)

Die Metzgerei Binswanger schließt ihre Filiale im Gersthofer City-Center. Trotz Stammkunden und Umsatz. Sie findet keine Fachkräfte - ein Problem, das die ganze Branche bedroht.

Ungläubige Gesichter gab’s am Donnerstag bei manchen Kunden in Gersthofen: Die Filiale der Metzgerei Binswanger im City-Center war am Donnerstag das letzte Mal geöffnet. Ab heute ist geschlossen. Ein Ersatz ist noch nicht gefunden. Und das hat einen bestimmten Grund – der nicht nur dieses Unternehmen betrifft.

„Wir haben einfach kein Personal mehr gefunden“, erklärt Metzgerei-Chefin Angelika Kempter auf Anfrage. „Wir brauchen einfach Fachkräfte – mit angelernten Kräften können wir nicht die Qualität liefern, die unsere Kunden von uns erwarten.“ An einem mangelnden Umsatz habe es nicht gelegen, betont sie. „Wir haben viele Stammkunden. So haben wir auch die Zeit gut überdauert, als es im City-Center keinen Nahversorger gab“, so Angelika Kempter weiter.

Metzgerei-Chefin: "Wir haben es geschoben bis zum Letzten"

Die Metzgerei Binswanger gibt’s seit 1963, seit 1967 ist sie in Gersthofen ansässig. Bei der Eröffnung des City-Centers im Stadtzentrum vor 25 Jahren war das Unternehmen ein Mieter der ersten Stunde. „Wir haben es geschoben bis zum Letzten, aber wir konnten die Filiale jetzt einfach nicht länger aufrechterhalten.“ Angelika Kempter versichert: „Es wurde kein Mitarbeiter arbeitslos.“ Zwei habe man in die Hauptstelle in der Senefelder Straße übernommen – allerdings auf deren Wunsch in anderen Arbeitsbereichen. Das Unternehmen selbst wird die Hauptstelle mit Bistro und Werksverkauf weiter betreiben, der Festzeltbetrieb und das Catering sollen künftig etwas erweitert werden, sagt Angelika Kempter.

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Die Metzgerei Binswanger muss eine Filiale schließen. Die Hauptstelle in der Augsburger Straße in Gersthofen wird bleiben.
Bild: Marcus Merk

Fleischer-Innung: Wer Wurst verkauft, habe Verantwortung fast wie ein Arzt

„Dass geeignetes Personal Mangelware ist, ist ein allgemeines Phänomen unserer Branche – und nicht nur dieser“, bestätigt der stellvertretendes Obermeister der Fleischer-Innung Augsburg Stadt und Land, Nikolaus Wollmann. „Wir suchen zum Beispiel selbst schon seit zwei Jahren eine Fachkraft oder einen Auszubildenden.“ Es sei schon wiederholt vorgekommen, dass ein neuer Azubi fünf Tage gearbeitet habe und dann einfach nicht mehr erschienen sei. „Und wenn ich einem Azubi erst einmal das Schreiben richtig beibringen müsste, wird es für mich schwierig mit der weiteren Ausbildung.“

Auch Wollmann betont, wie wichtig Fachkräfte seien. „Wir handeln mit Lebensmitteln: Wenn ich heute Wurst oder Brot verkaufe, dann hab ich eine Verantwortung fast wie ein Arzt – es muss alles einwandfrei sei, damit die Kunden keinen Schaden nehmen.“ Der Anteil an Hilfskräften dürfe nicht sehr hoch sein, sonst leide die Qualität.

Metzgereisterben ist in vollem Gange

Für Wollmann ist ein Metzgereisterben schon seit Jahren in vollem Gange: „Als mein Vater 1951 seinen Meisterbrief erhielt, gab es allein in Augsburg ohne Haunstetten und Göggingen 200 Innungsbetriebe, heute sind es einschließlich der beiden Stadtteile noch neun.“ Als sich die beiden Fleischer-Innungen Augsburg Stadt und Land im Jahr 2003 zusammenschlossen, waren es 98 Mitglieder, zurzeit sind es 38. „Zwei davon werden aber in naher Zukunft ebenfalls aufgeben“, sagt Wollmann. Grund für diesen stetigen Rückgang sei aber nicht die Konkurrenz der zahlreichen Großmetzgereien, sondern tatsächlich der Fachkräftemangel. Roland Fürst, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Augsburg, bestätigt dies: „Auch in Zukunft wird laut unseren Zahlen nötiges Fachpersonal knapp werden.“ Die Stellen- und Ausbildungsstellenbesetzung gestalte sich „vor allem beim Fleischer sehr schwierig und langwierig“.

Lesen Sie hier mehr über die Probleme der Metzgereien in Bayern.

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25.08.2017

Wer sein Fachperonal schlecht bezahlt,der muss sich nicht wundern wenn er keine

Verkäuferinen bekommt.Es gibt viele Gründe für das Metzgersterben und da sind wir

Verbraucher auch mit schuld. Geiz ist Geil hat auch in der Lebenesmittelbranche schon

lange Einzug gehalten.Die großen Lebensmitteldiscounter wie Lidl ,Netto, Aldi,Rewe

und und noch mehrere Firmen,haben die Fleischpreise in den Keller getrieben.

Der Bauer bekommt nichts mehr für seine Schweine und Kühe,denn die Einkäüfer

dieser großen Lebensmittelkonzernen drücken so die Preise,das man schon von

Ausbeutung sprechen kann. Auch die unzähligen EU Verordnungen in den Metzgereibetrieben

lässt so manchen Metzgermeister die lust zum selber schlachten vergehen. Welcher

Lehrling möchte heute noch Metzger werden.oder wie bei den Mädchen den Beruf als

Fleischereifachverkäuferin erlernen. Die meisten jugendlichen Schulabgänger möchten

heute einen Beruf aufgreifen, wo er am Samstag nicht mehr arbeiten muss.

Der Metzgerberuf war früher ein angesehener Beruf,doch diese Zeiten sind vorbei.

Ich meine die Fleischerinnungen sollten mehr tun um den Beruf des Metzger oder

der Fleischereifachverkäuferin wieder interessant zu machen. Da meine ich

ist Öffentlichkeitsarbeit angesagt. Es liegt auch an uns Verbraucher wie lange

wir uns noch einen Metzgerbetrieb leisten möchten,wo das Handwerk noch gefragt ist.

Eine Industriewurst kann mit einer Metzgerwurst einfach nicht mithalten,doch wie

lange noch.

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