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Diedorf-Anhausen

28.11.2019

Missverständnisse und Marotten im Mietshaus in Anhausen

Hausmeister Schloch (Christoph Marschner) staunt nicht schlecht, als Alex (Hans-Peter Meier) den gutmütigen Benno Grünkorn (Andreas Schnabel, von links) in den Schwitzkasten nimmt.
Foto: Inge Christopher

Die Theatergruppe Anhausen läuft mit der Komödie zum 70-jährigen Bestehen zur Höchstform auf.

Das 70-jährige Bestehen der Theatergruppe Anhausen wurde mit der gelungenen Premiere der Komödie „Ein verrücktes Haus“ von Dirk Salzbrunn begangen. Mit ideal besetzten Rollen und einer höchst vergnüglichen Darstellung von Idealismus, Missverständnissen und Marotten wurde das Publikum unterhalten.

Der Schauplatz des Geschehens ist ein ganz normales Mietshaus mit der Hausnummer 70 (!), in dem fünf Parteien leben. Man blickt auf einen Innenhof mit einem Rosenbogen und einer Sitzecke, gegenüber sieht man eine verwitterte Garagenwand. Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist die Haustür, umrahmt von Klingelschildern, Briefkästen und einem Aushangbrett. Wie der Polizist (Peter Bayer) zitiert, „ist ein jeder Mensch ein Kunstwerk, gezeichnet vom Leben“.

Liebenswert-schrullige Bewohner

Und als ebensolche Kunstwerke lernt man die liebenswert-schrulligen Bewohner im Laufe des Stückes kennen. Allen voran den ständig grantelnden Hausmeister Arthur Schloch, eine Rolle, die Christoph Marschner auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Allein wie er sich über einen neuen pinken Fußabstreifer aufregt, im Kommandoton Befehle erteilt oder zu allem seine beißenden Kommentare abgibt, ist ungemein erheiternd. Seine Arbeitgeberinnen, die seit 30 Jahren zerstrittenen ledigen Schwestern Margot (Sandra Riederle) und Brigitte Zwerchner (Brigitte Marschner), „leben in stiller Feindschaft nebeneinander her“. Wenn sie aber kommunizieren müssen, fliegen die verbalen Giftpfeile nur so umher.

Aufgrund einer testamentarischen Verfügung sind sie verpflichtet, im geerbten Haus wohnen zu bleiben. Grund für das Zerwürfnis ist Ferdinand Stößel (Bernd Vogt), in den beide Schwestern einst gleichzeitig verliebt waren. Sylvia Grünkorn (Jenny Krause) hingegen ist eher sanftmütiger und vermittelnder Natur. Sie stellt „negative Schwingungen im Haus“ fest und möchte ein Grillfest veranstalten, um die Hausbewohner einander näherzubringen und die Sprachlosigkeit der Schwestern zu überwinden. Ihr Ehemann Benno Grünkorn (Andreas Schnabel), hauptberuflich Mathematiklehrer, ist mit anderen Dingen beschäftigt. Er war bereits als Laiendarsteller aufgetreten und fühlte seine Leistung nicht ausreichend gewürdigt.

Der „Hühnermörder vom Anhauser Tal“

Nun will er Regie in einem selbst geschriebenen Stück führen und sucht noch nach einem Hauptdarsteller. Hier läuft Andreas Schnabel zu Hochform auf. In Gestik, Mimik und Intonation gibt er einen wunderbaren, missverstandenen Künstler ab. Für Lachen sorgt er insbesondere, wenn er den „Hühnermörder vom Anhauser Tal“ darstellt. Als der Ex-Häftling Alex (Hans-Peter Meier) sich um eine Stelle als Hausmeistergehilfe bewerben will, wird er von Benno Grünkorn irrtümlicherweise für einen Schauspieler gehalten, was zu weiteren urkomischen Szenen führt. Hierbei glänzt auch Franziska Steck als schwerhörige Mieterin Frau Pfeifer, die Mord und Totschlag wittert.

Letztendlich wird doch noch das Grillfest vorbereitet, unter der tatkräftigen Mithilfe der über alles informierten Postbotin (Marlene Mohr). Richtig spannend wird es noch einmal, als nach 30 Jahren überraschenderweise Ferdinand auftaucht und die Zwerchner-Schwestern um Vergebung bittet. Was das Grillfest für die Hausgemeinschaft bringt und weshalb sogar noch die Polizei eingreifen muss, sei hier noch nicht verraten.

Das gesamte Ensemble unter der Regie von Ralf Kragler zeigte sich in bester Spiellaune. Mit vollem Einsatz, Textsicherheit und treffsicheren Pointen hatte es das Publikum schnell auf seiner Seite und wurde mit stürmischem Applaus belohnt. Die Karten für alle weiteren Vorstellungen sind bereits ausverkauft.

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