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Aystetten

25.05.2020

Mit dem Meterstab durch die Klassen

Unter Einhaltung des Abstandsgebots sind die Schulräume in der Grundschule Aystetten selbst für die Hälfte der Klasse noch zu klein. Schulleiterin Astrid Scherer misst die Abstände der Schülertische akribisch nach.
Bild: Jutta Kaiser-Wiatrek

Die Wiederöffnung stellt das Team der kleinen Aystetter Grundschule vor  große Herausforderungen. Und das liegt nicht nur an der Raumnot.

Am Montag, den 16. März, wurden alle Schulen in Bayern wegen des Coronavirus-Ausbruchs geschlossen. Dies stellte Schulleiter und Lehrer vor drastische Aufgaben. Lange Wochen würde kein Kind mehr eine Schule in Bayern besuchen können. Homeschooling war das neue Schlagwort und beschäftigte Lehrer wie Eltern in gleich intensiver Weise. Was aber an größeren Schulen noch weitgehend gut zu managen ist, stellt kleine Gemeindeschulen teils vor kaum lösbare Aufgaben.

Notbetreuung in Aystetten für 28 Kinder

 „Wir haben auf unserer Notbetreuungsliste 28 Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten“, berichtet die Leiterin der Grundschule Aystetten, Astrid Scherer. Bereits am Beginn des Lockdowns waren fünf Kinder zu betreuen, diese Zahl musste im Laufe der Zeit kontinuierlich auf inzwischen zeitweise 28, Tendenz steigend, aufgestockt werden. Eine sportliche Aufgabe für eine Schule mit acht Lehrern, durften doch anfangs immer nur fünf Kinder in einer Gruppe betreut werden.

Diese außergewöhnliche Zeit der Schulschließung brachte für die Lehrkräfte darüber hinaus viele weitere Aufgaben mit sich, die es zu stemmen galt. Homeschooling erforderte die Entwicklung neuer Konzepte, weiter stand die Betreuung und Aufrechterhaltung des Kontakts zu Eltern und Kindern in dieser Zeit an vorderster Stelle.

Lehrer entwickeln ein spezielles Lehrmodell

Lehrerin Gertraud Heisler bezeichnete dies als wichtige, aber äußerst zeitintensive Bausteine, um über diese Zeit hinwegzukommen. Dafür haben die Lehrer viele Ideen entwickelt und letztlich jede Klassenlehrerin, zugeschnitten auf ihre Schüler, ein ganz spezielles Modell entworfen. Per E-Mails, Briefen, Klassenchat oder Telefonaten hielten sie konsequent Kontakt und sahen auch – mit dem gebotenen Abstand – bei dem ein oder anderen Schüler zu Hause vorbei. „Für das Homeschooling sind wir mit verschiedenen Lernprogrammen bestens aufgestellt“, zeigen sich Scherer und Heisler zufrieden, was letztlich auf zahlreiche Online-Fortbildungen zurückzuführen ist, die die Lehrkräfte absolviert haben, um auf dem neuesten Stand zu sein.

Wie Gertraud Heisler erklärte, ist Homeschooling eine ganz andere Form des Unterrichtens. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, dass einiges, das auf dem Lehrplan steht, online nicht oder nur schlecht funktioniert. So mancher Stoff wurde deshalb für den Präsenzunterricht aufgehoben.

Die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts erfolgt inzwischen wieder stufenweise und bringt eine weitere Mehrbelastung mit sich. Start war an Grundschulen am 11. Mai zunächst mit den vierten Klassen und nun soll weiter aufgestockt werden. Damit stellen sich für die Grundschule Aystetten die nächsten Probleme, denn der Gesundheitsschutz der gesamten Schulgemeinschaft steht bei allem an oberster Stelle.

Aystettens Klassen werden unterteilt

Auf dieser Basis gilt es in Aystetten, alle Klassen in A und B zu unterteilen, um die Schüler mit dem gebotenen Abstand unterzubringen. Abwechselnd wird dann ein Teil der Schüler im Präsenzunterricht, der andere mit Homeschooling beschult.

Deswegen sind Schulleiterin und Hausmeister derzeit mit dem Meterstab im ganzen Schulhaus unterwegs und vollziehen einen logistischen Kraftakt: Alles verzichtbare Mobiliar muss aus den Klassenräumen geschafft werden, um die gebotenen Abstände einhalten zu können. Wobei hier wieder ein langjähriges Problem aufkommt. Seit Jahrzehnten okkupiert der Wanderverein einen Raum unter der Turnhalle, der der Schule gehört und spätestens jetzt dringend gebraucht würde, um dort die herausgeräumten Möbel unterzustellen und damit die Sicherung der Wege im Schulhaus zu gewährleisten.

Von der Vorgängerin geerbt

„Dieses leidige Thema habe ich von meiner Vorgängerin geerbt“, erklärt die Schulleiterin, die der Meinung ist, dass das Wohl der Schüler über den Belangen des Vereins stehen sollte. „Mit der Not- und der Mittagsbetreuung sind letztlich alle verfügbaren Räume einschließlich WG-Raum und Turnhalle besetzt. Wir haben keinerlei Möglichkeiten mehr auszuweichen“, macht Scherer die Enge an der Grundschule Aystetten deutlich.

Darüber hinaus verteilen sich all die gestellten Anforderungen an der kleinen Schule nur auf wenige Schultern. „Wir sind nicht nur räumlich, sondern auch personell auf Kante genäht“. So hofft nun Schulleiterin Astrid Scherer sehr darauf, dass die im Moment bewilligte Mobile Reserve auch nach den Pfingstferien noch an der Schule verbleiben kann.

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