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Landkreis Augsburg

30.11.2020

Nachbarn melden Corona-Verstöße: Verpetzen oder berechtigte Sorge?

Die Polizei bringt Verstöße gegen die Corona-Regeln konsequent zur Anzeige. Das musste auch eine Gruppe in Diedorf erfahren.
Bild: Nicolas Armer, dpa (Symbolbild)

Plus Ein Nachbar ruft die Polizei, weil in der Nähe eine kleine Party stattfindet. Übertrieben, finden viele unserer Leser. Doch die Polizei sieht keinen Ermessensspielraum.

Es sollte wohl ein gemütliches Beisammensein am Lagerfeuer werden. Doch die Gartenparty am Samstagabend in einem Garten in Diedorf endete abrupt. Sechs Menschen aus drei Haushalten traf die Polizei vor Ort an - zu viel nach dem aktuellen Corona-Regeln. Es hagelte eine Reihe von Anzeigen. Aufgeflogen ist die Zusammenkunft, weil ein Nachbar die Polizei gerufen hatte. Kein Einzelfall.

Eine offizielle Statistik darüber, wie häufig Nachbarn dieser Tage Corona-Verstöße bei der Polizei melden, gibt es nicht, erklärt Hauptkommissar Siegfried Hartmann vom Polizeipräsidium Schwaben Nord. Es handele sich um Einzelfälle. Meist würden die Beamten wegen Ruhestörung gerufen und nicht, weil Nachbarn Verstöße gegen die Corona-Regeln melden wollten. Gibt es aber Hinweise darauf, gehen die Beamten diesen auch nach. Stellen sie Verstöße fest, muss mit Anzeigen gerechnet werden.

Polizei: Kein Ermessenspielraum bei Verstößen gegen die Corona-Regeln

"Da gibt es auch keinen Ermessenspielraum", sagt Hartmann. Am Wochenende kam es gleich zu einer ganzen Reihe von derartigen Verstößen im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord. Anzeigen einfangen hat sich zum Beispiel eine Gruppe von elf Personen, die sich am Samstagabend an einer Waschanlage in der Gersthofer Röntgenstraße traf.

Angesichts der Vorfälle appelliert Polizist Hartmann: "Corona-Verstöße können teuer zu stehen kommen, im schlimmsten Fall kostet Unachtsamkeit im Umgang mit dem Virus aber das Leben."

Gartenparty in Diedorf sorgt bei unserer Lesern für Diskussion

Die Gartenparty in Diedorf löste bei unseren Lesern viele und sehr unterschiedliche Reaktionen aus. In einem Leserbrief schreibt Evi Madalenko-Stuhler aus Dinkelscherben: "Der aller schlimmste Feind im Land – das ist und bleibt der Denunziant. Erschreckend zu sehen, was die Corona-Politik von Merkel und Söder aus unserer Gesellschaft und den Menschen macht." Gerhard Stampfer aus Diedorf sieht das ähnlich: "Was unsere Gesellschaft nicht gebrauchen kann, sind Leute, die ihre Nachbarn bespitzeln und nachzählen, wie viele Personen oder Haushalte sich gerade in der Wohnung oder Garten des Nachbarn aufhalten, oder die Polizei rufen", schreibt er in seinem Leserbrief. Auch wenn die Sache rechtlich eindeutig ist, könne das nachbarschaftliche Verhältnis so zerstört werden.

Auch bei Facebook regen sich viele unserer Leser über die Vorgehensweise des Nachbarn aus Diedorf auf. "Was ist so schlimm, wenn sich ein paar Leute treffen?", fragt ein Nutzer. Schließlich kämen auch bei der Arbeit oder in Bahn mehrere Menschen zusammen. Besonders den Eingriff in den privaten Raum durch die neuen Corona-Regeln kritisieren viele unserer Leser bei Facebook. Doch es gibt auch andere Stimmen: "Warum können sich die Leute nicht einfach an die Vorgaben halten?", fragt eine andere Nutzerin.

Hohe Strafen bei Verstößen gegen die Corona-Regeln

Im Rahmen der Kontaktbeschränkungen sind derzeit lediglich Treffen zwischen zwei Haushalten mit insgesamt maximal zehn Personen in der Öffentlichkeit erlaubt. Trifft man sich mit mehr Personen als erlaubt, drohen 150 Euro Bußgeld. Zusätzlich muss der Gastgeber bis zu 5000 Euro an Bußgeld zahlen. Ein Verstoß gegen die Maskenpflicht kann in Bayern für alle Personen ab 14 Jahren bis zu 250 Euro kosten.

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Die Diskussion ist geschlossen.

27.12.2020

"Der größte Lump im ganzen Land,
das ist und bleibt der Denunziant."

Von Fallersleben zugeschrieben. Die in Sanders Citatenlexikon (Leipzig 1899, S. 117) angeführte Quelle "Politische Gedichte, Sprüche Nr. 17" lässt sich nicht verifizieren.

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27.12.2020

Daß es immer noch Leute gibt, die nix begriffen haben...

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27.12.2020

Hilfreich ist die Definition von Denunziation:

"Unter einer Denunziation (lat. denuntio, „Anzeige erstatten“) versteht man die (Straf-)Anzeige eines Denunzianten aus persönlichen, niedrigen Beweggründen, wie zum Beispiel das Erlangen eines persönlichen Vorteils." Quelle wikipedia

Ich glaube nicht, dass die Sorge um das Unterlaufen von Vorschriften, die der Eindämmung der Pandemie dienen sollen, als niedrige Beweggründe eingestuft werden können.

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22.12.2020

Regeln beachten ist natürlich ok.
Dennoch:
Gegenseitiges bespitzeln und denunzieren im privaten Bereich geht gar nicht.
(edit/mod/NUB 7.3/Bitte bleiben Sie sachlich und sehen von unpassenden Vergleichen ab)

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30.11.2020

Schade, dass man hier dem Nachbarn die Schuld in die Schuhe zu schieben will, obwohl man sich ja selbst nicht an die Regeln gehalten hatte. Eigentlich sollten Leute Anerkennung anstatt Kritik ernten, die sich den Finger heben trauen! Da verwundert es nicht, wenn Regeln mutlos ignoriert werden und die sich die Leute, die sich nicht an Regeln halten, in dieser Gesellschaft als die Besten fühlen können. An dieser Stelle vielen herzlichen Dank und hohe Anerkennung an unsere Gesetzeshüter, die hier immer wieder und eigentlich unnötig ihr Leben und ihre Gesundheit einsetzen und hierfür weder Lob noch Anerkennung ernten, sondern als die bösen Buben dargestellt werden.

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01.12.2020

Sehe ich genauso Herr Jürgen M. Wenn wir endlich mal begreifen würden, worum es hier geht und warum die Politik zu solchen Maßnahmen greifen muss was Sie bestimmt nicht gerne macht, liegt wirklich an uns selbst der Bevölkerung. Jeder sollte sich an die Regeln halten, dann hätte man es einfacher. Ich glaube jeder hat ein recht sich vor dem Corona zu schützen. Vernünftig wäre mal das richtige für uns alle. Intensivstation wäre dann nicht so überlastet. Es müssen leider so viele Menschen sterben und das ist auch ein Grund die Regeln ein zu halten.

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