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23.07.2019

Neue Hitzewelle: Nicht nur die Bahn schwächelt

Bei Dinkelscherben mussten die Züge ihre Geschwindigkeit drosseln. Grund war die enorme Hitze, die die Gleise verformten.
Bild: Marcus Merk

Ein ausgedehntes Gleisbett bei Dinkelscherben bringt die Züge aus dem Takt. Doch nicht nur die Bahnkunden müssen jetzt ganz cool bleiben. 

Hitzeschaden statt Hitzefrei: Der Staatskonzern Bahn funkte gestern bei Dinkelscherben SOS. Wegen der hohen Temperaturen dehnte sich ein Gleisbett aus, Züge konnten ab dem Vormittag auf einer Strecke von rund 100 Metern aus Sicherheitsgründen nur noch langsam fahren. Die Störung, wegen der es teilweise auch zu Zugausfällen kam, dauerte den ganzen Dienstag an. Bahnfahrer mussten mit Verspätungen von bis zu 15 Minuten rechnen.

Dabei steht die wirklich große Hitze erst bevor. Für den morgigen Donnerstag sind in der Region Temperaturen von bis zu 34 Grad vorhergesagt - ein weiterer Hitzetag in diesem Sommer und damit eine Belastungsprobe für viele Menschen (siehe kurz informiert).

Sogar Solaranlagen sind jetzt nicht in Hochform

Sogar Solaranlagen machen die hohen Temperaturen zu schaffen, erzählt Thomas Renz vom Stromversorger Lechwerke. „Bei extremer Hitze sinkt der Wirkungsgrad der Photovoltaikanlagen“. Laut Renz wird der Stromverbrauch durch den verstärkten Einsatz von Klimaanlagen und anderen Kühlgeräten während der heißen Tage erfahrungsgemäß steigen, doch „die beginnende Urlaubs- und Ferienzeit führt zum gegenteiligen Effekt“.

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. Der Obi-Baumarkt in Stadtbergen hat im Vorfeld der neuen Hitzewoche ebenfalls versucht, sich auf die Gegebenheiten einzustellen. Pools, Klimageräte und Ventilatoren waren schon während der letzten Hitzewellen gefragt wie nur selten zum Teil kommen die Hersteller gar nicht mehr nach. „Wir haben versucht, so gut es geht aufzustocken, bei einigen Produkten sieht es aktuell aber nicht gut aus“, erklärt Marktleiter Florian Riess. Vor allem Ventilatoren waren vor ein paar Wochen „innerhalb eines Tages ausverkauft“, betont er.

Klimaanlagen sind heiß begehrt

Auch die Firma Klimatechnik Wagner aus Neusäß bekommt die Hitze unternehmerisch zu spüren. Sprecherin Jenny Rüchel erklärt: „Natürlich steigt die Nachfrage, egal ob nach mobilen oder fest installierten Klimageräten.“ Außerdem komme es in heißeren Wochen immer wieder vor, dass sich Kunden an frühere Angebote der Firma erinnern und doch für eine Klimatisierung entscheiden.

Um einen Raum erfolgreich zu kühlen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Welche am praktikabelsten ist, kommt auf die Umstände an. Die Firma Wagner würde in den meisten Fällen von mobilen Klimageräten abraten, „außer man will damit den Raum nur mal für ein paar Tage herunterkühlen“, so Rüchel. Das Problem: Mobile Geräte sind weniger effizient als fest installierte Anlagen. Sie bräuchten mehr Energie und damit die Kühlung funktionieren kann, müsse man sowieso einen Schlauch nach draußen legen. „Dann kühlen sie sozusagen die warme Luft, die durch das Fenster reinkommt“, sagt die Expertin.

Spezi-Kisten fehlen den Brauern derzeit

Auch Getränkehersteller bekommen die Hitze zu spüren. Aus der Gersthofer Zentrale der Marke Spezi, hinter der im Wesentlichen die Augsburger Brauerei Riegele steht, erschallte schon am Freitag via soziale Netzwerke ein Hilferuf an die Fans der koffeeinhaltigen Limonade. „Um bei diesen Temperaturen weiterhin Spezi abfüllen zu können, brauchen wir ganz dringend unser Leergut zurück“, so der Aufruf. Es sind vor allem die bunten Spezi-Kisten, die den Brauern derzeit fehlen und die Auslieferung des Mischgetränks erschweren.

Die Engpässe beim Leergut bekommt auch Peter Branner, der Leiter des „Trinkerlebnis“ in Diedorf immer wieder mit. Alles in allem betont er: „In Zeiten wie diesen braucht man von den alkoholfreien Getränken mindestens das doppelte.“ Branner kann mittlerweile auf die Erfahrung aus 40 Jahren in der Getränkebranche zurückblicken. Deshalb hat er auch immer den Wetterbericht im Auge, „damit ich entsprechend planen und reagieren kann“, erklärt er und ergänzt: „Aktuell ist mein Laden auf jeden Fall noch gut bestückt.“

Vorgesorgt hat auch eine Behörde. Die Regierung von Schwaben hat wegen akuter Waldbrandgefahr gestern eine Luftbeobachtung der Wälder im Augsburger Land angeordnet. Vor allem in den Nachmittagsstunden werden diese aus der luft überwacht. Für den Aufenthalt im Wald selbst gilt äußerste Vorsicht, offenes Feuer und rauchen sind absolut tabu.

Diese Erstattungen bekommen Bahnkunden

Bahnkunden, die aufgrund der Hitze von der Verspätung auf der Strecke von München nach Ulm betroffen sind, haben laut Winfried Karg vom Fahrgastverband Pro Bahn folgende Möglichkeiten: Sobald der Zug 20 Minuten Verspätung hat, kann der Kunde das Bahnticket vor Fahrtbeginn gegen ein höherwertiges - beispielsweise ein ICE-Ticket- eintauschen. Die Differenz des Fahrpreises kann der Kunde sich nachträglich erstatten lassen. Kunden, die an Haltestellen des Regiozuges aussteigen müssen, haben von dem Angebot allerdings nichts, da der ICE dort nicht hält. Verspätet der Zug sich mindestens eine Stunde oder fällt aus, erhält der Kunde sogar den Fahrtpreis anteilig zurück.

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