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Neusäß

13.06.2019

Neusässer Carsharing mit einem Auto und 28 Fahrern

Über eine App erhält man die Informationen, um das Auto starten zu können.
Bild: Marcus Merk

Plus In Neusäß gibt es Carsharing am Volksfestplatz. Wie, wann und wo im Augsburger Land die Wagen noch genutzt werden. So sieht der typische Nutzer aus.

Zwei Autos gibt es bisher in Neusäß für Carsharing. Der VW und der Opel der Stadtwerke (swa) stehen am Volksfestplatz, da im angrenzenden Schmutterpark viele Leute leben. 28 Nutzer teilten sich jeweils einen dieser beiden Wagen, sagte Jürgen Biedermann von den Stadtwerken im Bauausschuss.

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Nach seinem Bericht über die Akzeptanz des Carsharings in anderen Kommunen war der Tenor der Stadträte klar: Die Zahl der Standorte soll in Neusäß erhöht werden.

„Jung, gebildet und zugezogen“

„Jung, gebildet und zugezogen“. So beschreibt Biedermann den typischen Carsharing-Nutzer. Damit das Teilen von Autos läuft, müssten diese nah und gut erreichbar geparkt sein. Am besten für Standorte sei die Nähe zu großen Wohnanlagen und Einkaufsmöglichkeiten. Die Stadtwerke bräuchten für ein Angebot zwei bis drei Stellplätze.

Neusässer Carsharing mit einem Auto und 28 Fahrern

Carsharing funktioniere nur dann gut, wenn in der Gegend auch sonst attraktive Alternativen zum Auto geboten werden, so Biedermann. Er nannte einen guten Bahn-Anschluss, Leihräder, Radwege und Bushaltestellen als wichtige Faktoren. In Augsburg beobachte er, dass immer mehr Bürger Alternativen zum Auto suchten. Er empfahl den Neusässer Politikern, Lösungen beim Verkehr zu finden, die das Auto für Kurzstrecken uninteressanter machen. Um zum Beispiel Zigartetten zu holen, dürfte das Auto nicht das schnellste Verkehrsmittel sein. Biedermann: „Wenn das Autofahren unbequemer wird, dann nimmt man eher mal das Rad.“ Es sei normal, dass der Mensch erst auf Druck reagiere.

Ein pfiffiges Konzept

Der Experte riet den Stadträten, gerade bei großen Neubaugebieten an Carsharing-Angebote zu denken. Neu in eine Stadt gezogene Bürger seien offener für Alternativen für ihre täglichen Wege. Die künftigen Bewohner auf dem Sailer- und Schuster-Areal im Zentrum seien die ideale Klientel. Biedermann: „Das ist ein pfiffiges Konzept und für viele besser als einen zweiten Stellplatz in der Tiefgarage kaufen zu müssen.“

Interessant waren die Zahlen, die Biedermann zur Nutzung des Carsharing-Angebots am Volksfestplatz (Georg-von-Odemer-Straße) nannte. Im Schnitt wird von den insgesamt 28 Nutzern ein Auto fünf bis sechs Stunden ausgeliehen. Der kleine VW up werde durchschnittlich 45 Kilometer gefahren, der Opel Astra 80 Kilometer. Die Autos werden nicht nur von Privatleuten, sondern auch von Firmen genutzt. Ein wichtiger Punkt für eine „schwarze Null“, betont Biedermann. Ohne Firmen würden die Autos von Montag bis Donnerstag sehr viel ungenutzt herumstehen. Die Buchungen für private Einkaufs- und Ausflugsfahrten beginnen meist erst Freitagmittag und verteilen sich über das ganze Wochenende.

Gut für eine hohe Auslastung ist auch schönes Wetter. Im Juli und August seien die Autos so gut wie immer auf den Straßen unterwegs. „Im Winter bleiben viele lieber zuhause“, so der Experte.

Das Carsharing in Neusäß soll ausgebaut werden

Im Bauausschuss herrschte Einigkeit, dass Carsharing in Neusäß ausgebaut werden soll. Verschiedene Auffassungen gibt es in den Parteien, ob man deswegen grundsätzlich an der Zahl der für Häuser und Wohnanlagen vorgeschriebenen Stellplätze in Neusäß drehen sollte. Der zweite Bürgermeister Kugelmann (CSU) dazu: „Die Fahrzeuge nehmen zu und daher brauchen die Bewohner auch Stellplätze.“

Karin Zimmermann (CSU) betonte, dass es sowieso auf Bürgerversammlungen immer wieder Beschwerden über auf den Straßen parkende Autos gebe. „Wir können den Bürger nicht erziehen,“ betonte sie.

Eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr

Maria-Stephanie Kemmerling von den Grünen verwies auf das Beispiel Augsburg, wo 20 Prozent der Stellplätze in Wohnanlagen für Carsharing genutzt werden dürfen, ohne dass beim Parkraum ein Ausgleich geschaffen werden muss. Carsharing sei eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Als Biedermann erklärte, dass Carsharing-Plätze nur oberirdisch Sinn machen und gut sichtbar sein müssen, mahnte Wolfgang Weiland von den Freien Wählern, dass dafür aber auf keinen Fall Besucherparkplätze gestrichen werden dürften.

Die Stadträte wollen das Thema jetzt erst einmal noch im Detail in den Fraktionen beraten. Biedermann gab folgende Perspektive mit auf den Weg: „Wenn es gut läuft, schaffen Sie es fünf Prozent der Bevölkerung dafür zu begeistern.“

Warum es nicht immer mit dem Carsharing klappt, lesen Sie im Kommentar: Vernunft kontra Bequemlichkeit

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Die Diskussion ist geschlossen.

13.06.2019

Wäre es dann nicht sinnvoll am Volksfestplatz die Tram enden zu lassen und dort auch mit allen Bussen zu vernetzen?

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