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New York City

21.11.2019

Neusässer läuft mit der inneren Uhr durch den New Yorker Marathon

Groß war die Freude über die Medaille für Platz 736 unter insgesamt 53.518 Läuferinnen und Läufern.
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Groß war die Freude über die Medaille für Platz 736 unter insgesamt 53.518 Läuferinnen und Läufern.
Foto: Familie Finsinger

Plus Tobias Finsinger aus Neusäß hat trotz technischer Probleme beim größten Marathon der Welt eine neue persönliche Bestleistung aufgestellt. Was seine defekte Laufuhr damit zu tun hatte.

Als auf der Verrazano Narrows-Bridge der Startschuss fiel, wurde es Tobias Finsinger heiß und kalt gleichzeitig. Nicht nur, weil er sich mit der Teilnahme am New York-Marathon einen Traum erfüllt hatte. Nein, die GPS-Funktion seiner Laufuhr war aufgrund einer nicht aktuellen Software ausgefallen. Für Marathonläufer eigentlich ein Albtraum, für Finsinger einer der Schlüssel zu einer neuen persönlichen Bestzeit. „Ich bin nach meiner inneren Uhr gelaufen“, lacht der 43-Jährige aus Neusäß, der nach 2.51:31 Stunden als 736. von insgesamt 53518 Läuferinnen und Läufern aus 141 verschiedenen Nationen im Ziel ankam. Er hatte sich lediglich an der Stoppuhr-Funktion und an den Entfernungstafeln am Rande der Strecke orientiert. „Eigentlich war ich viel zu schnell.“

Er lief fünf Minuten schneller als beim Marathon vor einem Jahr

fünf Minuten schneller, wie beim Marathon 2018 in Berlin, für den er 2:56:47 Stunden gebraucht hatte. Die gigantische Stimmung dort, angefacht auch durch den Weltrekord von Eliud Kipchoge, war weitere Motivation für den Beamten, der bei der Deutschen Bundesbank arbeitet, sich für New York zu bewerben. „Die Qualifikationszeit ist hier 2:58 Stunden. Da hab ich mir gedacht, ich probier’s mal mit dem Losverfahren. Das funktioniert ungefähr so, wie mit einer Green Card“, erzählt Finsinger. Und es hat geklappt. Zusammen mit seinen ehemaligen Arbeitskollegen bei der Stadtsparkasse, Bernhardin Sedlmeir und Marc Gerner, die über ein Reisebüro diese Marathon-Reise gebucht hatten, ging es also über den großen Teich. „Allein wegen dem Marathon wollte ich aber nicht nach Amerika“, so Finsinger, der das Ganze zusammen mit seiner Frau noch mit einem Kurzurlaub verbunden hatte.

Das musste mit den Lauffreunden Bernhardin Sedlmeir (links) und Marc Gerner (rechts) am Times Square gefeiert werden.
Foto: Familie Finsinger

Die letzten Trainingsläufe absolvierte er in New York

Keine Frage, dass er dort dann auch die letzten Trainingsläufe in New York absolvierte. „Insbesondere den Anstieg zur Queensboro Bridge. Die zweite Streckenhälfte habe ich mit dem Fahrrad besichtigt.“ Am Vortag nahm er noch am „5K Dash to the Finish Line“, einem Fünf-Kilometer-Lauf vom UN-Gebäude in den Central Park, teil. In den zehn Wochen zuvor hatte sich Tobias Finsinger nach dem Trainingsplan von Herbert Steffny mit einer Zielzeit von drei Stunden vorbereitet. „Insbesondere in den Westlichen Wäldern wegen der Höhenanstiege vor den Brücken in New York.“ Rund 1200 Trainingskilometer, darunter auch Halbmarathons oder den Augsburger Landkreislauf, hat er 2019 abgespult.

Dann war es endlich soweit. Schon um 5 Uhr morgens ging es von dem kleinen Appartement in Queens mit der Metro nach Manhattan zur Staten Island Ferry. Dort, in Fort Wadsworth, erfolgte um 9.40 Uhr sein Start in Wave 1, Corral A, Green Start. Nach der amerikanischen Nationalhymne und dem Lied „New York, New York“ von Frank Sinatra fiel der Startschuss und es ging über den höchsten Anstieg der Strecke auf die drei Kilometer lange Verrazano Narrows-Bridge. Finsinger hatte dafür keinen Blick. Vergeblich versuchte er das GPS-System seiner Laufuhr upzudaten. Schließlich gab er es auf. Egal. In Brooklyn angekommen sorgten die Zuschauer an der Strecke für frenetischen Jubel und ordentlich Unterstützung.

Den Halbmarathon-Punkt erreichte Tobias Finsinger nach 1:24:54 Stunden

Tobias Finsinger hatte sich seinen Namen hinten und vorne auf sein Laufshirt drucken lassen. „Bei Anfeuerungsrufen wie ’Run Tobi!’ oder einem lang gezogenen ’Toooobi!’ fiel es schwer, das Tempo zu drosseln, was aufgrund ausgefallener GPS-Funktion ohnehin kaum zu kontrollieren war“, berichtet Finsinger, der den Halbmarathon-Punkt mit persönlicher Bestzeit von 1:24:54 Stunden erreichte. Auf der Pulsaki Bridge ging es nach Queens und von dort über die Queensboro Bridge nach Manhattan. „Ab diesem Punkt war mir die Strecke, insbesondere der nahende Anstieg der First Avenue, bekannt.“ Run Tobi, run!

Über die Willis Avenue Bridge hinein in die Bronx und nach einer Meile über die Madison Avenue Bridge erneut nach Manhattan. An der Museumsmeile entlang folgte ein längerer Anstieg und nahe dem Guggenheim-Museum wechselte die Laufstrecke auf den East Drive im Centralpark. Auf der Central Park South (59th Street), wo besonders viel Zuschauer stehen, lief der Neusässer bis zum Columbus Circle. Bis zum Ziel am „Tavern on the green“ waren es dann weniger als ein Kilometer. „Es war eine unvergessliche Kulisse. Insbesondere der Start auf der Verrazano Narows-Bridge oder die Blicke auf die Skyline von Manhattan“, berichtet Tobias Finsinger, der 2006 in Regensburg seinen ersten Marathon bestritten, dann aber zehn Jahre wegen Hausbau und Familiengründung pausiert hat.

In den Westlichen Wäldern hat er die Anstiege geübt

Für seine Topzeit macht der Vater von zwei Kindern (7 und 9 Jahre), die bei der SpVgg Auerbach-Streitheim Leichtathletik betreiben, mehrere Faktoren verantwortlich. Neben den Problemen mit der Laufuhr („Eigentlich ein technisches Versehen. Ich war viel zu schnell unterwegs.“), das intensive Training und die Ernährung, die Außentemperatur von 10 bis 15 Grad am Lauftag und der momentan umstrittene Laufschuh Nike ZoomX Vaporfly next. „Materialdoping“, wie Finsinger sagt. Motiviert haben ihn auch die vielen virtuellen Fans zuhause. Familie, Freunde und Bekannte hatten das Rennen am Tracker verfolgt.

Nur seiner inneren Uhr vertrauend lief Tobias Finsinger in neuer persönlicher Bestzeit ins Ziel des New York-Marathons ein.
Foto: Familie Finsinger

Eigentlich sollte am Abend des Marathontages noch die Rückreise nach Deutschland erfolgen. „Wegen Problemen bei der Fluggesellschaft hatte sich der Start jedoch um zwölf Stunden verschoben, wodurch noch eine gemeinsame Feier am Abend stattfinden konnte“, freute sich Finsinger mit seinen ehemaligen Arbeitskollegen Marc Gerner (Platz 13.782) und Bernhardin Sedlmeir (Platz 13.785), die mit jeweils 3:55:37 Stunden ins Ziel kamen. Während die beiden am nächsten Tag auch noch mit allen anderen Finishern beim Medal Monday gefeiert wurden, saß er schon im Flieger zurück nach Deutschland.

Nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Inspiriert durch einen Artikel unserer Zeitung über das Ehepaar Hubert und Susanne Gilg aus Stadtbergen, das die sechs größte Marathonläufe der Welt in Berlin, London, New York, Boston, Chicago und Tokyo gefinisht hat, würde Tobias Ginsinger auch gerne die „Abbott World Marathon Majors“ in Angriff nehmen. „Nachdem für London so schwer Startplätze zu bekommen sind und nach der Absage für Tokyo 2020 bin ich erneut in der Lostrommel für den Berlin-Marathon“, erzählt Finsinger. „Oder doch ein weiterer Major Marathon, vielleicht in Chicago…?“

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