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Oberschönenfeld

19.06.2017

Ohne Fernseher, dafür aber mit der Heiligen Familie

Idyllisch an der Schwarzach gelegen: In den 1980er-Jahren wurde das baufällige Staudenhaus in Döpshofen abgebaut und nach Oberschönefeld gebracht. So wurde es für die Nachwelt erhalten.
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Idyllisch an der Schwarzach gelegen: In den 1980er-Jahren wurde das baufällige Staudenhaus in Döpshofen abgebaut und nach Oberschönefeld gebracht. So wurde es für die Nachwelt erhalten.
Bild: Marcus Merk

Im Bauermuseum Staudenhaus gibt es viele verborgene Winkel zu entdecken. Sie erinnern an eine andere Lebenswelt.

 Wer das Strohgedeckte Staudenhaus in Oberschönenfeld betritt, taucht in eine andere Lebenswelt ein. Die sorgt bei Kindern bisweilen für Verwunderung: „Wo ist denn hier der Fernseher“, fragen sie immer wieder. Natürlich gibt es dann nicht, auch keine Satellitenschüssel auf dem Dach. Selbst Strom gab es im Söldnerhaus aus dem 18. Jahrhundert nicht. Dafür eine Reihe von Exponaten, die einen Eindruck vermitteln, wie beschwerlich das Leben vor über 100 Jahren in den Stauden gewesen muss.

Da gibt es den Krautstampfer, die Beerenmühle und das Rührbutterfass. In der Küche steht ein uralter Herd, der das Datum 1851 trägt. Zwei unbequeme Sofas laden in der Stube nicht zum längeren Verweilen ein. Dafür war damals auch gar keine Zeit, denn man hatte genug zu tun. Im Obergeschoss gibt es ein Elternschlafzimmer mit einem imposanten Ehebett. Alles ist liebevoll bis ins Detail ausgestattet, überall hängen Schutzengel- und Heiligenbildchen. Die so genannte Mädlakammer mutet da schon spartanischer an, obwohl in dem kleinen Bett sogar mehrere Kinder schlafen mussten. Freilich war im Inneren des Hauses nicht nur Platz für die ganze Familie, sondern auch fürs liebe Vieh und für die Tenne.

Viel haben die Helfer des Heimatvereins zusammengetragen, um ein Bild vom Leben in den waldreichen Stauden zu vermitteln. Der Landstrich galt früher als berüchtigt. Deshalb ließen Geschäftsleute sogar Anzeigen in Zeitungen veröffentlichen, in denen sie auf die Vorzüge der Gegend hinweisen: günstige Lebensmittel und genügend mietbare Geschäftsräume. Außerdem müsse niemand in den Stauden Angst vor Räubern haben.

Ob die auch einmal im Staudenhaus eingekehrt sind, ist nicht bekannt. Verbürgt ist nur, dass eine Brandversicherungsanstalt 1858 angab, dass das Haus 120 Jahre alt ist. Demnach wurde es 1738 in Döpshofen errichtet. Damals heiratete ein Martin Mair und übernahm das Anwesen von seinem Vater. Viele Jahrzehnte später sollte das baufällige Haus abgebrochen werden. Viele Liebhaber – darunter der damalige Bezirksheimatpfleger Dr. Hermann Endrös – setzten sich für den Erhalt und den Wiederaufbau ein. Die Sölde wurde schließlich als Bauernmuseum ans Ufer der Schwarzach versetzt und 1980 zugänglich gemacht.

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