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Gersthofen

05.07.2019

Peter Krauß im Ruhestand: Mehr Zeit, um neue Länder kennenzulernen

Peter Krauß, der Schulleiter des Gersthofer Paul-Klee-Gymnasiums, geht mit Beginn der großen Ferien in den Ruhestand. Sein Büro räumt er bereits aus. Der 65-Jährige hat viel zu erzählen.
Bild: Marcus Merk

Zwölf Jahre leitete Peter Krauß das Gersthofer Paul-Klee-Gymnasium. Zum Schuljahresende geht der 65-jährige passionierte Lehrer in den Ruhestand.

Ende Juni verabschiedete Peter Krauß den Abiturjahrgang 2019 des Gersthofer Paul-Klee-Gymnasiums. Zum Schuljahresende heißt es nun für den Schulleiter selbst, Abschied zu nehmen. Für ihn beginnt dann die Zeit des Ruhestandes.

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„Ich war 40 Jahre Lehrer, davon zwölf in Gersthofen“, erzählt Krauß im Gespräch mit unserer Zeitung. Unterrichtet hat er die drei Fächer Latein, katholische Religion und Geschichte. Schon in den Pfingstferien hat der 65-Jährige begonnen, sein Büro auszuräumen. „In all den Jahren hat sich so manches angesammelt.“

Sein Abitur machte der Augsburger im Jahr 1973, nach seiner Bundeswehrzeit studierte er von 1974 bis 1979 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Als Lehrer startete er 1981 am Gymnasium in Königsbrunn, wo er bis 1989 unterrichtete. Ab da bis 1997 führte ihn sein Weg an eine Schule in Genua. Eine seiner beiden Töchter wurde dort geboren. Dort hat Peter Krauß bis heute noch eine Wohnung. In Genua war er auch im Urlaub, als im August 2018 die vor allem von Urlaubern und Fernverkehr stark frequentierte Morandi-Brücke einstürzte. Von einem Berg in der Nähe betrachtete er die Unfallstelle und konnte das Unglück damals kaum fassen.

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Von Lauingen nach Gersthofen

Nach seiner italienischen Zeit zurück in Deutschland, unterrichtete er bis 2001 am Rudolf-Diesel-Gymnasium in Augsburg-Hochzoll. 2001 bis 2003 kehrte er als stellvertretender Schulleiter ans Königsbrunner Gymnasium zurück. Danach war Peter Krauß bis 2007 Chef am Albertus-Gymnasium in Lauingen, von wo er dann in gleicher Position an das Gersthofer Paul-Klee-Gymnasium wechselte.

Krauß wollte auch als Schulleiter niemals jemand sein, der nur verwaltet: „Das Wichtigste war mir die Arbeit mit den Schülern – deswegen habe ich diesen Beruf ergriffen.“ Es ging ihm auch darum, mit den Schülern zu leben, auch sie zu erziehen.

Er gibt zu, dass er in Latein oft das Wissen der Schüler schriftlich und mündlich getestet hat. „25 Exen im Schuljahr sind in diesem Fach wichtig“, ist Krauß überzeugt. So wurde auch in jeder Stunde abgefragt. Zur Auswahl des „Kandidaten“ diente ihm ein 30-kantiger Würfel. Der Schüler, dessen Zahl oben war, wurde abgefragt. „Derjenige hat dann in der folgenden Stunde den nächsten Kandidaten ausgewürfelt.“ Diese Methode sei möglicherweise bei Schülern nicht sonderlich beliebt, habe aber einen Vorteil gegenüber selteneren Tests: „Wenn ein Schüler einmal danebenlangt, hat er genügend Möglichkeiten, auch einen Sechser wieder auszugleichen.“

Im Laufe der Jahre hat er manch Skurriles erlebt. „In Königsbrunn kam mal im Winter ein Schüler mit Langlaufskiern zu spät zum Unterricht. Als Entschuldigung brachte er vor, er habe falsch gewachst“, sagt Krauß und lacht.

Selbstbewusstere Schüler

Während der vier Jahrzehnte seiner Lehrerzeit hat sich einiges verändert. „Die Schüler sind selbstbewusster geworden, aber das muss nicht unbedingt schlecht sein, so lange sie die Form wahren und höflich sind.“ Auch der Aufgabenbereich eines Lehrers habe sich verschoben: „Zunehmend wird die Werteerziehung aus den Familien in die Schulen verlagert“, hat er festgestellt. „Das ist eine zusätzliche Herausforderung für die Lehrer.“ Das Gymnasium werde – übertrieben gesagt – immer mehr zur Regelschule, so Krauß. „Das bedeutet, es gibt dort immer mehr Schüler mit besonderem Förderbedarf.“ Zu erkennen sei das auch an dem Umstand, dass es inzwischen in jeder Schule einen Schulpsychologen gebe. „Und unsere Psychologin in Gersthofen ist wirklich ausgelastet.“ Er findet es „erstaunlich, dass viele Eltern ihre Kinder auf das Gymnasium quälen, obwohl doch im Handwerk dringend Mitarbeiter gefragt sind“. Bei allen neuen Aufgaben der Lehrer komme noch Folgendes hinzu: „Es gibt eine deutliche Bürokratisierung in allen Bereichen der schulischen Verwaltung, insbesondere im Bereich der Oberstufe“, sagt Krauß.

Der Vater von zwei Töchtern freut sich nun auf mehr Selbstbestimmung und Freiheit im Ruhestand. „Ich will vor allem viel Sport treiben“, sagt Peter Krauß. Heute schon fährt er, wenn möglich, mit dem Fahrrad von seiner Wohnung in Augsburg-Haunstetten nach Gersthofen zum Gymnasium. Daneben betreibt er gerne Fitness und Joggen, also überwiegend Ausdauersport.

„Außerdem möchte ich den FCA jetzt öfter zu Auswärtsspielen begleiten.“ Weiter will Peter Krauß „Deutschland kennenlernen und dann auch in Länder reisen, für die die Ferien bisher immer zu kurz waren.“

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