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Landkreis Augsburg

04.03.2021

Post vom Amt: Tedi-Märkte im Kreis Augsburg müssen Angebot einschränken

Auch der Tedi-Markt im Herzen von Gersthofen hat wieder geöffnet. Allerdings muss er sein Angebot einschränken.
Foto: Marcus Merk

Plus Jetzt bekommen die sieben Tedi-Filialen im Landkreis Augsburg Briefe vom Landratsamt: Sie dürfen nicht mehr alles verkaufen und erhalten Besuch von der Polizei.

Taschenlampen, Hundesnacks und Malervlies - wer gerne stöbert, ist in einem der sieben Tedi-Filialen im Landkreis Augsburg bestimmt gut aufgehoben. Seit Montag können sich Kunden dort wieder mit allerlei Artikeln eindecken, vom täglichen Bedarf bis zum Tierfutter. Obwohl eine Bandansage der Tedi-Zentrale in Dortmund noch versichert, dass die Filialen in Deutschland derzeit geschlossen seien. Mit dem uneingeschränkten Verkauf ist es bei Tedi im Landkreis Augsburg jetzt aber auch wieder vorbei.

Tedi-Filialen im Kreis Augsburg haben wieder geöffnet

Am Donnerstagabend sei mitgeteilt worden, dass man wieder öffnen dürfe, erzählt eine Verkäuferin aus Gersthofen. "Wir haben uns so gefreut." In dem Geschäft herrscht ein strenges Hygienekonzept. Rein darf man nur mit einem Einkaufskorb, der desinfiziert wird, bevor er den Kunden wechselt. Zwei Kundinnen können am Mittwoch in Gersthofen noch nicht so recht glauben, dass der Laden in der Stadtmitte wieder aufhat. Die Antwort der Frau an der Kasse: "Wir gehören zu Bau- und Gartenmärkten."

Ähnlich äußert sich die Unternehmenszentrale auf Anfrage unserer Redaktion. Überwiegend vertreibe man Tierbedarf, Lebensmittel, Drogerie- und Baumarktwaren. "Damit ist die Eröffnung unserer Filialen erlaubt." Das sieht aber nicht jeder so.

Das Landratsamt und die Regierung von Schwaben wollen den Verkauf wieder beschränken. Die Märkte hätten ihre Öffnung damit begründet, dass das Sortiment zu über 50 Prozent aus Waren bestünde, die aktuell verkauft werden dürfen, hieß es dazu vom Landratsamt. Nach Mitteilung der Regierung von Schwaben sei das aber nicht der Fall. So habe Tedi bei der Berechnung von Warenanteilen beispielsweise einzelne Stifte statt der verschiedenen Artikel gezählt.

Der Tedi-Markt in Schwabmünchnen hat geöffnet. Allerdings ist die Öffnung der Filialen umstritten.
Foto: Victoria Schmitz

Landratsamt verschickt Schreiben an die Tedi-Filialen

Deshalb wollte der Landkreis in Abstimmung mit den Nachbarlandkreisen noch am Mittwoch ein Schreiben an die Filialen im Landkreis verschicken. Die Inhaber werden darin aufgefordert, ab sofort nur das Sortiment im Laden zu verkaufen, dass sie nach den derzeitigen Corona-Bestimmungen auch anbieten dürfen. Der Rest könnte allenfalls über Click & Collect angeboten werden. Damit der Kunde vor Ort weiß, was er kaufen kann, müssten die Regale mit den nicht erlaubten Waren abgehängt oder abgesperrt werden.

Das Landratsamt stellte klar, dass die Polizei ab Donnerstag kontrollieren werde, ob sich die Mitarbeiter in den Filialen an diese Vorgaben halten. Warum die Tedi-Märkte überhaupt öffnen dürfen, hatten sich am Mittwoch auch Kunden wie Andrea Mögele gefragt. Sie war so verwundert, als sie davon hörte, dass sie sich gleich selbst davon überzeugen wollte. Tatsächlich hatte der Tedi-Markt in Schwabmünchen geöffnet. Mögele fand es zwar "komisch" und "unfair" gegenüber anderen Einzelhändlern und auch Reisebüros, freute sich aber, nun endlich wieder Deko einkaufen zu können. Nicht weniger verwundert kam Jennifer Pejnovec, in die Untermeitinger Filiale. Hauptsächlich sei sie aber glücklich, wieder zum Stöbern vorbeizuschauen zu können.

Cornelia Hillmann aus Untermeitingen dagegen "wundert sich momentan über gar nichts mehr", wie sie sagte. Warum Läden öffnen oder schließen müssen, könne sie nicht mehr nachvollziehen. Dass Tedi nun wieder offen hat, stellte sie deshalb nicht groß infrage. Sie freute sich einfach, denn das Geschäft sei ihre Anlaufstelle für Hausbedarf.

Handelsverband: Es ist nicht mehr zu begreifen

Auch beim bayerischen Handelsverband (HBE) wächst das Unverständnis. So berichtet Niko Stammer vom HBE, der unter anderem ein Modegeschäft in Schwabmünchen betreibt, dass die Lage für Einzelhändler im Landkreis Augsburg mittlerweile sehr angespannt sei. "Die kleinen Händler verstehen die Politik langsam nicht mehr", sagte er. "Die Hygienekonzepte stehen, wir haben viel Geld dafür ausgegeben", die Händler würden auch Termingeschäfte machen und wären insgesamt zu vielem bereit. Es sei nicht mehr zu begreifen, warum beispielsweise in Supermärkten Mode und Spielwaren verkauft werden dürfen, aber im Einzelhandel nicht. "Unsere Lobby ist schlecht", überlegte er laut.

Auch der Tedi-Markt in Untermeitingen hat wieder geöffnet.
Foto: Victoria Schmitz

Niko Stammer weiß, dass gegen die momentanen Verordnungen im Einzelhandel zunehmend vor Gericht geklagt wird. Das Landratsamt bestätigt zudem, dass immer mehr Anfragen eingehen. Zusammen mit der Regierung von Schwaben kann es je nachdem, was die Pandemie-Bestimmungen vorgeben, den Geschäften eine Öffnung erlauben oder eben nicht. Nachdem beispielsweise Märkte für Babybekleidung und Kinderwagen geöffnet haben, würden auch Schuhverkäufer, die Babyschuhe im Angebot haben, gerne wieder durchstarten, erklärte ein Sprecher des Landratsamtes. Doch das geht nicht. Auch darf keine Kinderkleidung im Einzelhandel angeboten werden, obwohl der Verkauf von Babykleidung im Laden erlaubt ist.

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Kommentar: Was bitte soll an einem kleinen Tedi gefährlich sein?

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