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Meitingen

25.12.2020

Rückblick 2020: Die Wirtschaft im Lechtal steckt in der Krise

SGL Carbon in Meitingen kündigte den Abbau von 160 Stellen an.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Plus Schlechte Nachrichten aus Meitinger Unternehmen, spektakuläre Funde in Nordendorf: Das ist 2020 im Lechtal passiert. Ein Jahresrückblick.

Mitte Juni ist das Aus für die Produktion von Grafitelektroden bei Showa Denko in Meitingen besiegelt. Insgesamt 130 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, Unternehmen und Arbeitnehmervertreter handeln einen Sozialplan aus. Danach soll die Produktion zum Ende des ersten Quartals 2021 oder einige Tage danach zum Stillstand kommen. Rund 50 Mitarbeiter von Showa Denko werden für das Unternehmen auch weiterhin am Standort Meitingen arbeiten, sie sind unter anderem im Vertrieb, der IT und im technischen Service tätig. Für diese Mitarbeiter wurde ein Rahmensozialplan vereinbart, der bis Juni 2025 gültig ist. Doch es gab noch mehr schlechte Nachrichten.

Im Juli verkündet Showa Denko den Umzug von Meitingen nach Gersthofen. Neues Firmendomizil wird der Roschmann Tower im Gersthofer Gewerbegebiet. Dort ist auch die Roschmann Group ansässig, die auf hochwertige Glasfassaden spezialisiert ist. Für die Tochtergesellschaft der japanischen Showa Denko sei das „ein eindeutiges Bekenntnis zum Landkreis Augsburg“, heißt es.

Für den Industriestandort Meitingen bleibt es aber nicht der einzige Schlag. Denn auch bei SGL, zu der die Grafitelektrodenproduktion bis zum Verkauf an die Japaner vor einigen Jahren gehört hat, gehen Jobs verloren. Ende des Jahres verkündet die Unternehmensleitung den Abbau von knapp 160 Stellen, will aber auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten, sofern sich bis zum Frühjahr genügend Freiwillige finden.

Unterm Strich verliert Meitingens industrielles Herz 2020 mehr als 300 Arbeitsplätze.

Spektakuläre archäologische Funde in Nordendorf

Ausgegraben wird er schon im Sommer 2019, doch das Licht der Öffentlichkeit erblickt er erst im Februar. Ein Reiterkrieger, der vor über 1300 Jahren bei Nordendorf bestattet wurde. Er gilt als einer der besten Zeugen für eine Zeit, aus der es nur wenige Überlieferungen gibt: das frühe Mittelalter, in dem aus den Menschen im heutigen Bayern die Bajuwaren wurden.

In München wurden die Funde aus Nordendorf präsentiert: (rechts) Ruth Sandner vom Landesamt für Denkmalpflege und (Mitte) Wissenschaftsminister Bernd Sibler.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

In den Restaurierungswerkstätten des Landesamtes für Denkmalpflege im Herzen von München werden die Funde aus Gräbern von zwei hochrangigen Persönlichkeiten präsentiert: In einem lagen die Überreste eines etwa 50 Jahre alten Mannes und ein Zaumzeug, der Rest der Beigaben war vermutlich schon wenige Jahre nach der Bestattung entnommen worden.

Aber Grab Nummer zwei hat die vermutlich mehr als 1300 Jahre unversehrt überstanden. Darin lagen das Skelett des Kriegers, Schwerter, Schild und Lanze sowie ein Zaumzeug. Daneben ein weiteres Grab, in dem das kopflose Pferd bestattet worden war.

Mehr noch als die Waffen des Reiters von Nordendorf faszinierten die Forscher aber die übrigen Grabbeigaben: die goldenen Kreuze als Zeugnis einer frühen Christianisierung und eine bronzene Kanne sowie eine Geschirrschale. Nicht mehr als 30 derartige Stücke gibt es in ganz Bayern. Die jetzt gefundenen stammen aus dem Mittelmeerraum, wahrscheinlich aus Ägypten.

Der Bannwald bei Meitingen bleibt ein Streitthema

Zweimal beschäftigt sich der Petitionsausschuss des Landtags in München mit der Rodung von fast 20 Hektar Bannwald für eine Erweiterung der Lech-Stahlwerke (LSW). Das Thema ist im Lechtal hoch umstritten, und so bringt auch das Votum des Ausschusses, dem Petitionen sowohl von Unternehmensseite wie auch von Bürgerinitiativen vorliegen, keine Befriedung.

Entscheiden muss ohnehin im kommenden Frühjahr der Marktgemeinderat. Gibt dieses Gremium, ebenso wie der Ausschuss, den Bannwald zur Rodung frei, dürfte das Thema längst noch nicht ausgestanden sein, weil die Gegner Klagen angedroht haben.

Für sie ist der Bannwald Schutz gegen die Emissionen des Stahlwerks und auch Refugium seltener Tier- und Pflanzenarten. Das Stahlwerk solle nach Norden und nicht nach Süden erweitern. Die Unternehmensleitung wiederum beharrt auf ihren Plänen. Die Millioneninvestition sei nötig, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Neue Bürgermeister nach der Kommunalwahl im Lechtal

Nach 30 Jahren sattelt Manfred Schafnitzel um. Aus dem ehrenamtlichen Bürgermeister von Ellgau wird ein radelnder Rentner – jetzt sollen sich mal andere abstrampeln. Zu seiner Nachfolgerin wählen die Ellgauer Schafnitzels bisherige Stellvertreterin Christine Gumpp. Sie setzt sich gegen Alfred Wagner durch.

Christine Gumpp ist die neue Bürgermeisterin von Ellgau.
Bild: Steffi Brand (Archiv)

Gumpp ist nicht das einzige neue Gesicht an der Spitze der Gemeinden ganz im Norden des Landkreises Augsburg. In Allmannshofen hört Manfred Brummer auf, dort tritt der Zweite Bürgermeister an seine Stelle. Für Markus Stettberger wird die Wahl aber eher zur Formsache. Es gibt keinen zweiten Bewerber. Das sieht in Nordendorf anders aus. Dort wird der Nachfolger von Elmar Schöniger (SPD) gesucht, der nach 18 Jahren sagt: „Jetzt ist genug.“ Am Wahltag entscheiden sich drei Viertel der Wähler in Nordendorf für Tobias Kunz, gegen den Michael Thalhofer ( CSU) das Nachsehen hat. Kunz zählt mit 32 Jahren zu den jüngsten Bürgermeistern im Landkreis Augsburg, aber es gibt noch jüngere Kommunalpolitiker innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Nordendorf.

In Ehingen wählt der Gemeinderat den erst 20-jährigen Maximilian Becke aus Ortlfingen zum Zweiten Bürgermeister. Becke ist einer von sechs neuen Gemeinderäten in Ehingen. Bürgermeister bleibt Franz Schlögel, der mit 89,5 Prozent der Stimmen in seine vierte Amtszeit geht – womit wir bei den Amtsinhabern wären, die im nördlichen Landkreis Augsburg allesamt bestätigt werden bei den Bürgermeisterwahlen.

In Meitingen hat CSU-Mann Michael Higl, der wenige Wochen später auch Vize-Landrat wird, gleich gar keinen Gegenkandidaten. Toni Brugger (CSU) kennt seinen wenigstens schon. Thierhauptens Rathauschef gewinnt mit deutlichem Vorsprung vor Claus Braun (Freie Wähler), gegen den er 2014 noch in die Stichwahl gemusst hatte.

In Biberbach hat Wolfgang Jarasch (Freie Wähler) sogar zwei Mitbewerber, setzt sich mit fast 56 Prozent der Stimmen aber klar gegen Martin Wörle (23,9 Prozent) und Johanna Quis (20,4%) durch.

In Kühlenthal geht dagegen Iris Harms in ihre zweite Amtszeit. Sie die einzige Kandidatin und erhält 73,9 Prozent, das sind in dem kleinen Ort exakt 317 Stimmen.

Sogar 93,6 Prozent der abgegeben Stimmen gehen an Steffen Richter in Westendorf, der ebenfalls keinen Mitbewerber hat. Für den Westendorfer ist es die zweite Amtszeit – diesmal macht er den Job allerdings erstmals hauptamtlich. Das hatte der Gemeinderat schon vor der Wahl beschlossen.

Schwestern verlassen das Kloster Holzen

In Holzen endet im Frühjahr eine Ära: Die Klosterfiliale der St. Josefskongregation wird aufgelöst. Die Franziskanerinnen verlassen das Kloster – den Ort, an dem sie fast 100 Jahre lang gelebt und gewirkt haben. Während zu Glanzzeiten 64 Schwestern in Holzen waren, gab es in den letzten Jahren nur noch vier. Sie kehren nun aus Alters- und Gesundheitsgründen nach Ursberg zurück und werden dort künftig im Mutterhaus und im Konvent St. Salvator leben. Der Gemeinschaft fehlt der Nachwuchs, weshalb dieser Schritt schon vor geraumer Zeit angekündigt wurde. In Kloster Holzen tätig für Menschen mit Behinderungen bleibt das Dominikus-Ringeisen-Werk.

Biberbach hat 950. Geburtstag

Als hätten sie es schon vorher gewusst, dass dieses Jahr rein partymäßig eines zum Vergessen war. Um ein Haar wäre in Biberbach der 950. Geburtstag der Marktgemeinde übersehen worden. Als Geburtsstunde gilt die urkundliche Erwähnung eines Ritters zu Biberbach so etwa im Jahr 1070. Das wollten die Biberbacher von heute 2020 dann feiern. Wurde aus bekannten Gründen aber nicht draus.

Stau an der Lechbrücke zwischen Meitingen und Thierhaupten

Für fünf Monate müssen Autofahrer, die zwischen Meitingen und Thierhaupten den Lech überqueren, noch einmal eine etwas längere Fahrzeit einplanen. Grund sind Bauarbeiten an der Lechbrücke, an der insgesamt acht Lager ausgetauscht werden müssen. Im Gegensatz zum Vorjahr ist diesmal keine vollständige Sperrung nötig. An normalen Werktagen sind auf der Strecke zwischen Meitingen und Thierhaupten rund 10.000 Fahrzeuge unterwegs. (AZ)

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