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Landkreis

14.06.2018

Schädlinge im Augsburger Land: Wer haftet?

Die Raupenhärchen des Eichenprozessionsspinners sind giftig.
Bild: Wolfgang Widemann

Die Raupen dieses Insekts verbreiten sich weiter im Landkreis. Die Gemeinden entfernen sie aktiv aus Bäumen an öffentlichen Plätzen. Und Privatbesitzer?

Schon während ihrem Lauf entlang des Radwegs in Richtung Langenreichener Berg fielen der Frau zwei Häufen am Boden auf. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus: Es waren Nester des Eichenprozessionsspinners. Beim Blick in den Baum sah sie noch mehr „Tetrapack-große“ Gespinste. Erst Zuhause bemerkte die Frau, dass sie an Armen und Beinen Ausschlag bekommen hatte. Sie nahm Kontakt zur Kühlenthaler Bürgermeisterin Iris Harms auf, unternommen habe die Gemeinde aber nichts, sagt sie. Weder das Landratsamt oder das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege konnten der Bürgerin nach eigener Aussage weiterhelfen.

Iris Harms erinnert sich an das Gespräch. Es sei nicht klar, wem die Eiche gehöre, erklärt sie, betont aber, dass sie noch am gleichen Tag eine Firma mit der Entfernung des Eichenprozessionsspinners beauftragt habe. „Das ist ein stark frequentierter Weg“, begründet sie ihre Entscheidung. Dass der Schädling nicht auf der Stelle entfernt wurde, liege an der Auftragslage der Firma. Grundsätzlich sagt Harms: „Wir können nicht alle Eichen behandeln, die uns nicht gehören.“ Die Bürgermeisterin wartet jetzt auf die Rechnung des Spezialisten und will sie gegebenenfalls weiterreichen.

Die Gemeinde ist im Sinne der Gefahrenabwehr zuständig

Eigentlich ist die Situation klar. Eine Sprecherin des Landratsamtes betont: „Auf öffentlichen Flächen ist grundsätzlich die Gemeinde im Sinne der Gefahrenabwehr zuständig.“ Das bayerische Gesundheitsministerium geht noch weiter. Eine Sprecherin erklärt: Die Gemeinden seien eigentlich immer in der Pflicht, „gesundheitliche Gefährdungen“ zu beseitigen. Dabei sei es egal, ob diese Gefahr von einem Privatgrundstück oder von Gemeindegrund ausgeht.

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Im eigenen Garten oder im privaten Grundstück liege die Bekämpfung der Raupen in der Verantwortung des Eigentümers, so das Landratsamt. Die Gemeinde müsse ihn lediglich auf den Befall hinweisen und dazu bringen, tätig zu werden. Dabei gilt laut Ministerium der „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“: Die Verwaltung könne beratend, per Bescheid oder „Ersatzvornahme“ tätig werden. Aus dem Landratsamt heißt es, dass der Besitzer einer befallenen Eiche gegebenenfalls haften muss.

80 Bäume allein in Meitingen befallen

Das Problem: Die Entfernung des Eichenprozessionsspinners ist aufwendig und kann nur von Spezialfirmen durchgeführt werden. Das könne teuer werden, weiß Achim Zwick, der Leiter des Ordnungsamtes Meitingen. Die Marktgemeinde hat mehr Erfahrung mit dem Schädling als die meisten anderen Orte im Landkreis. Zwick erklärt: „Ich bekomme täglich mindestens drei Anrufe mit Meldungen.“ Insgesamt hätten sich die Raupen auf knapp 80 Bäumen eingenistet. Etwa zwei Drittel der befallenen Eichen befänden sich im öffentlichen Bereich, ein Drittel im privaten, so Zwick. „Mittlerweile sind die Leute sensibilisiert für das Thema, außerdem sehen sie die Raupen im Moment wandern“, erklärt er die zahlreichen Meldungen.

Mit einer Situation wie der in Kühlenthal hatte Zwick es noch nicht zu tun. In einem derartigen Fall setze er auf die Zusammenarbeit mit dem Bürger. Wenn ein öffentlicher Bereich betroffen sei, „muss sofort reagiert werden“, betont er.

Fünf Meldungen in Gersthofen

Auch in Gersthofen ist der Spinner mittlerweile angekommen. Allerdings ist die Situation noch nicht so ernst wie in Meitingen. Nach einem Aufruf der Stadtverwaltung sind bisher fünf Meldungen eingegangen. Die Stadt zählt 15 betroffene Eichen. Einen Fall wie in Kühlenthal gab es hier noch nicht. Die Verwaltung setzt auf Information und Beratung. „Wir sind Ansprechpartner“, sagt Ann-Christine Joder, die Sprecherin des Rathauses.

Der Eichenprozessionsspinner ist mittlerweile auch in den westlichen Landkreis vorgedrungen. Vor etwa zwei Wochen meldete Diedorf den Befall an öffentlichen Plätzen. Anna Röder ist bei der Gemeinde zuständig für Umwelt und Naturschutz und erklärt: „Wir beschäftigen mittlerweile mehrere Fachfirmen, um die Raupen an den Hotspots entfernen zu lassen.“ Sie schätzt, dass zwischen 30 und 40 Bäume im Gemeindegebiet befallen sind.

Positiv aufgefallen ist Röder der Umgang der Bevölkerung mit dem Eichenprozessionsspinner: „Die Bürgerinnen und Bürger reagieren besonnen.“ Das hält sie für besonders wichtig, „weil wir einfach lernen müssen, damit umzugehen“.

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