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Brauchtum

09.01.2019

Schafkopfen Schüler bald im Klassenzimmer?

Am Ende gilt immer noch die alte Regel: Der Ober sticht den Unter.
Bild: Jan-Peter Kasper, dpa (Symbolbild)

Schafkopf soll nicht nur die Intelligenz fördern. Das klingt, als wäre das Kartenspiel wie gemacht für einen Wahlkurs in der Schule.

Ein Spiel, das bisher vor allem am Stammtisch zu Hause war, könnte jetzt in die Schulen kommen. Der Grund: Schafkopfen soll die Intelligenz fördern. Bald könnte das Kartenspiel sogar ein Wahlkurs am Schmuttertal-Gymnasium Diedorf werden.

Schulleiter Günter Manhardt hat sich in den Weihnachtsferien intensiv Gedanken über das Thema Schafkopfen in der Schule gemacht. Anregung war die Forderung des bayerischen Philologenverbands, das Kartenspiel an der Schule zu fördern. Manhardt könnte sich vorstellen, den Wahlkurs selbst zu leiten. Schon mit acht Jahren habe er Schafkopfen gelernt. Bis heute spiele er – „regelmäßig und leidenschaftlich“, berichtet der Schulleiter.

Das Spiel soll die Merk- und Kombinationsfähigkeit verbessern

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Mit seiner Idee ist er in guter Gesellschaft. Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo hat vor Kurzem betont, dass er sich freuen würde, „wenn Schafkopf und andere bayerische Kartenspiele einen Platz im Schulleben haben“. Klaus Zierer, Professor für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, hat kürzlich gegenüber unserer Zeitung erklärt: „Der Bildungsgehalt des Schafkopfens ist nicht hoch genug einzuschätzen.“

Auch Günter Manhardt glaubt, dass Schafkopf Potenzial hat. „Es kann logisches Denken fördern und entwickeln“, sagt er. Außerdem bietet das Spiel in seinen Augen viele Anknüpfungspunkte für Unterrichtsstoff, Wahrscheinlichkeitsrechnen zum Beispiel. Manhardt bezeichnet Schafkopf außerdem als „pflegenswertes Kulturgut, das meiner Einschätzung nach nicht mehr viele Schüler zu Hause lernen“.

Dass Schafkopf Kompetenzen fördern kann, hält auch Peter Krauß, Schulleiter am Paul-Klee-Gymnasium in Neusäß, für durchaus möglich. Er sagt: „Das Spiel trainiert die Merk- und die Kombinationsfähigkeit.“

Krauß trifft sich jede Woche mit Freunden zum Schafkopf. „Ich war auf der Bubenschule St. Stephan in Augsburg. Schon damals haben wir in jeder freien Minute Karten gespielt, sogar dann, wenn der Lehrer nur etwas zu spät war“, erinnert er sich. Die Begeisterung für das Spiel ist geblieben – Krauß beobachtet auch immer wieder Schüler, die zu den Karten greifen. Manchmal gebe er auch Tipps. „Bei uns wird viel gekartelt, das geht in der Mittelstufe los und nimmt dann in der Oberstufe richtig zu“, erklärt Krauß. Das liege auch daran, dass die älteren Schüler einen eigenen Raum und mehr Freistunden hätten. „Da haben die Schüler die Wahl zu lernen oder Karten zu spielen“, sagt der Schulleiter. Auf dem Smartphone zu zocken ist auf dem Schulgelände verboten.

Die Schule hofft, dass sich genügend Schüler für einen Wahlkurs anmelden

Franz Bohn, der Schulleiter der Realschule in Neusäß, hat selbst keine Schafkopferfahrung, allerdings beobachtet er auch auf den Gängen seiner Schule immer wieder Kartenspiele. Es habe aber deutlich nachgelassen. „Früher war das Kartenspielen verbreiteter“, sagt er. Im Schulgebäude fänden sich nur vereinzelt Gruppen zusammen, aber bei außerschulischen Aktionen wie der Studienfahrt oder dem Skilager werde noch immer viel gekartelt.

Bohn ist überzeugt, dass Schafkopf eine „tolle Sache“ für die Schule sein könnte. „Kombinieren und Entscheidungen treffen, das braucht man das ganze Leben“, sagt er. In den Freistunden an der Realschule wird bisher nicht gekartelt. Soweit möglich bieten Vertretungslehrer Unterricht an. Sollte das nicht gehen, hat die Schule eine Bücherkiste zur „Leseförderung“ angeschafft.

Auch auf den Gängen in Diedorf wird hin und wieder Schafkopf gespielt. „Auch einige Kollegen können es noch“, sagt Günter Manhardt und ergänzt: „Das Kartenspiel liegt bei uns also nicht ganz brach.“ Er hofft jetzt, dass sich genügend Schüler für seinen neuen Wahlkurs anmelden. "

Denn in der Schule lernen die Kinder: Beim Schafkopfen gilt am Ende die alte Regel.

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