Newsticker
RKI-Chef Wieler: "Wird noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten"
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Schülerdemo für den Klimaschutz: Droht ein Verweis?

Landkreis Augsburg

16.01.2019

Schülerdemo für den Klimaschutz: Droht ein Verweis?

Bundesweit planen Schüler und Studenten Demonstrationen und Schulstreiks für mehr Klimaschutz unter dem Motto „Fridays For Future“ und folgen damit dem Vorbild der 15-jährigen Schwedin Greta Thunberg. 
Bild: Carsten Rehder, dpa

Plus Am Freitag demonstrieren Jugendliche in Augsburg für die Umwelt. Ihr Vorbild ist die 15-jährige Schwedin Greta. Doch sie müssen mit Konsequenzen rechnen.

Felix Finkbeiner hat ein klares Ziel vor Augen. Der 21-Jährige, der mit neun Jahren die Umweltorganisation Plant for the Planet gründete, fordert: „Die Bundesregierung muss ihre Klimaziele für 2020 einhalten und darf sich nicht vor ihren eigenen Vorgaben drücken. Es ist wichtig, dass wir jetzt sofort etwas ändern.“

Felix Finkbeiner war Schüler an der Internationalen Schule Gersthofen und arbeitet mit der Stadt Gersthofen zusammen. Am Samstag kommt er nach Langweid und spricht dort auf dem Neujahrsempfang. Finkbeiners Einstellung teilen viele Schüler im Augsburger Land und wollen deshalb am Freitagvormittag in Augsburg für den Klimaschutz demonstrieren. Felix Finkbeiner ist ganz begeistert. Er sei ein großer Fan der Aktion. „Ich finde es super, dass die Schüler die Erwachsenen wachrütteln wollen. Denn die Klimaziele sind derart wichtig, dass ich es auch in Ordnung finde, dafür ein kleines Tabu zu brechen und die Schule zu schwänzen.“

Keine Aufmerksamkeit ohne Tabubruch

Die 14-jährige Sonja Hochhuber aus Stadtbergen ist eine der Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis, die am Freitag ab der dritten Stunde den Unterricht ausfallen lassen wollen, um gegen den Klimawandel zu protestieren. Ihr Vater Josef Hochhuber war anfangs nicht begeistert: „Wir waren erst der Meinung, Sonja könnte auch nach der Schule noch teilnehmen. Doch sie hat uns überzeugt.“ Die 14-Jährige argumentierte, dass man heute ohne einen gewissen Tabubruch bei der Politik leider keine Aufmerksamkeit mehr erzeugen könne. „Wir sind froh darüber, dass unsere Tochter sich in so konstruktiver Weise äußert und werden sie bei ihrer Entscheidung unterstützen. Zumal das gesellschaftliche Desinteresse der Jugendlichen viel beklagt wird.“

Auch Günter Manhardt, Schulleiter am Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf, findet es positiv, wenn sich Schüler gemeinsam engagieren: „Eine Demonstration finde ich super. Allerdings muss die nicht während der Schulzeit stattfinden.“ Er erklärt: Den Schülern ist es nicht gestattet, im Unterricht zu fehlen, eine Demo ist kein Befreiungsgrund. „Ich finde außerdem, das setzt die Aktion herab, wenn die Schüler das Schwänzen für Aufmerksamkeit missbrauchen.“

Entscheidung ist vom Einzelfall abhängig

Wenn die Jugendlichen in Diedorf am Freitag trotzdem den Unterricht verlassen, wird es für sie Konsequenzen geben. „Was genau die Jugendlichen dann erwartet, entscheide ich im Einzelfall. Es ist schließlich ein Unterschied, ob ein Schüler wirklich davon überzeugt ist oder nur frei haben will.“

Ähnlich regelt es auch Stefan Düll, Schulleiter am Neusässer Justus-von-Liebig-Gymnasium. „Wir müssen eine Reaktion zeigen und können es nicht hinnehmen, wenn Schüler selbst entscheiden, unentschuldigt zu fehlen.“ Dazu wurden die Schulen im Augsburger Land bereits vor einer Woche in einem Schreiben von Peter Kempf, dem Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Schwaben, angewiesen.“

Es ist bereits eine zweite Demo geplant

Der Landesschülerrat, in dem auch Landesschülersprecher Stefan Lindauer Mitglied ist, hat sich bisher noch nicht zu der Aktion geäußert. „Es wurde bereits eine zweite Demo für den 25. Januar angekündigt. Bevor wir offiziell dazu Stellung nehmen, wollten wir erst mal abwarten, wie es am Freitag laufen wird.“ Doch der 22-Jährige will privat trotzdem etwas dazu sagen.

Stefan Lindauer sieht die Fridays-for-Future-Aktion zwiespältig: „Ich denke, viele Schüler schwänzen vor allem deshalb, um die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen. Andererseits bemühen sich Schulen auch, sich vor Ort für den Umweltschutz einzusetzen. Man kann auch etwas bewegen, ohne zu schwänzen.“ Er selbst beobachtet auch kritisch, welche Organisationen die Aktion veranstaltet. „Es läuft alles über Whatsappgruppen.“ Besonders jüngeren Schülern rät der Landesschülersprecher deshalb: „Man sollte sich vorher schon genau informieren, für wen man da eigentlich auf die Straße geht.“

  • Lesen Sie hier unseren Kommentar zum Thema Klimaschutz: Die Zukunft selbst gestalten
  • Den Auftritt der 15-jährigen Greta beim Weltklimagipfel finden Sie in unserem Video
Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren