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Engagement

03.06.2019

Sie ist eine „Leihoma“ für zwei Stunden in der Woche

Irmgard Gröger (rechts) fand eine ehrenamtliche Aufgabe im Projekt „Ehrenamtliche Hilfe für Familien mit Kindern“, das Jessica Weglehner (links) von der St.-Gregor-Kinder-, Jugend- und Familienhilfe koordiniert und organisiert.
Bild: Steffi Brand

Die Biberbacherin Irmgard Gröger betreut nebenbei ein Kleinkind. Für solche Einsätze sucht die St.-Gregor-Kinder-, Jugend- und Familienhilfe noch mehr Helfer.

„Hallo Oma“, ruft der Zweijährige Irmgard Gröger entgegen, als er merkt, dass sie an der Wohnungstür geläutet hat. Schnell hat er seine Schuhe zur Hand und wartet buchstäblich schon darauf, mit „Oma“ auf den Spielplatz zu dürfen.

Für den kleinen Buben ist das mittlerweile ebenso zur Normalität geworden wie für Irmgard Gröger, auch wenn es etwas gibt, das auf den ersten Blick keiner sehen kann: Der Junge ist nicht der leibliche Enkel der 59-Jährigen. Vielmehr ist Irmgard Gröger eine der Ehrenamtlichen, die sich im Rahmen des Projekts „Ehrenamtliche Hilfe für Familien mit Kindern“ engagiert. Es handelt sich um eine Initiative der St.-Gregor-Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, die dabei mit dem Koki-Netzwerk frühe Kindheit zusammenarbeitet. Etwa zwei Stunden wöchentlich verbringt Irmgard Gröger so mit dem Zweijährigen.

Ein Familienmensch durch und durch

Anfang 2018 hat sich die Frau aus dem Biberbacher Ortsteil Markt ganz gezielt auf die Suche nach einer ehrenamtlichen Beschäftigung gemacht, die sie in Kontakt mit Kindern und jungen Familien bringen sollte. Die 59-Jährige ist ein Familienmensch durch und durch und meistert die Herausforderungen, die als Mutter, Ehefrau, Oma, Tochter und Schwiegertochter zu stemmen sind, stets mit einem Lächeln. Langeweile kennt sie nicht, doch da sie ihre Freizeit außerhalb des familiären Rahmens nur ungern beim Shoppen oder mit Frühstückengehen zubringt, wie sie lachend erklärt, durchforstete sie das Internet nach dem Schlagwort „Leihoma Raum Meitingen“.

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So fand sie nach einigen Klicks die St.-Gregor-Familienhilfe und ein ganz besonderes Angebot: Seit 2015 vermittelt Jessica Weglehner Ehrenamtliche an Familien mit Kindern bis zu sechs Jahren. Männer oder auch Frauen wie Irmgard Gröger haben dort in den Familien ganz unterschiedliche Aufgaben. Einer der acht Ehrenamtlichen, von denen – aus privaten Gründen – aktuell nur vier Ehrenamtliche im Einsatz sein können, ist ein Profi, was das Ausfüllen von Anträgen angeht. Er steht „seinen“ Familien gerne zur Seite, wenn es darum geht, Amtsdeutsch zu erklären. Er konnte aber auch schon einer jungen Mutter mit kleinen Kindern helfen, die sich gezielt auf eine Prüfung vorbereiten sollte. „Das Angebot lebt auch von den unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Ehrenamtlichen“, erklärt Jessica Weglehner.

Es gibt auch schon mal „Sondereinsätze“

Irmgard Gröger hat sich mit „ihrer“ Familie ganz flexibel arrangiert. Via Messenger klärt sie, wann der Familie des Zweijährigen ihr Besuch zeitlich passt. Was sie dann vor Ort mit dem Kind macht, kann ebenso flexibel gestaltet sein. „Häufig gehen wir auf den Spielplatz“, erklärt die 59-Jährige und freut sich über das große Vertrauen, das ihr die Familie entgegenbringt. Neben regelmäßigen Besuchen gab es auch schon mal „Sondereinsätze“. Dann hat die Mutter des Buben, der noch ein Schwesterchen unter einem Jahr hat, die Unterstützung von Irmgard Gröger angenommen, um einen Kinderarztbesuch mit zwei kleinen Kindern einfacher zu gestalten. „Ich habe auf das Kind im Wartezimmer aufgepasst, das gerade nicht dran war“, erklärt die 59-Jährige.

Aktuell sei der Bedarf an weiteren Engagierten groß, erklärt Jessica Weglehner und ergänzt: Die Anfragen erreichen sie aus den Reihen ihrer Kollegen bei der St.-Gregor-Familienhilfe, vom Koki-Netzwerk frühe Kindheit aus dem Landratsamt sowie von Privatpersonen und Einrichtungen wie Kindergärten. Sechs Anfragen liegen aktuell bei Jessica Weglehner auf dem Tisch. Sechs Familien wünschen sich Unterstützung, doch es mangelt an Ehrenamtlichen.

Spaß am Umgang mit Menschen

Diese müssen vor allem eins haben: Spaß am Umgang mit Menschen, und sie sollen wöchentlich etwa zwei Stunden von ihrer Freizeit abzwacken können. Was sie dafür bekommen, ist im Idealfall das Win-win-Gefühl, von dem Irmgard Gröger voller Begeisterung spricht. So schätzt sie die sinnvolle Aufgabe mit ihrem „Leih-Enkel“ – fernab von ihrem eigenen Familienleben als Mutter, Ehefrau, Oma, Tochter und Schwiegertochter. Der Zweijährige freut sich, mit seiner „Leih-Oma“ regelmäßig auf den Spielplatz zu dürfen. Und auch die Mutter des Kindes kann von der Unterstützung und dem Austausch mit der Biberbacherin profitieren.

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