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Neusäß

19.10.2020

So steuert das Neusässer Titania in den Corona-Herbst

Der Durchgang zum großen warmen Becken in der Titania-Therme: Besucher müssen auch dort auf Abstand achten.
Bild: Marcus Merk

Plus In der Therme Titania in Neusäß läuft in Corona-Zeiten seit vier Monaten alles anders: Schichtbetrieb, neue Preise und Maskenpflicht sorgen immer wieder für Diskussionen. Mit welchen Sorgen das Titania-Team der Wintersaison entgegenblickt.

Den Besuch einer Therme verbindet jeder mit Entspannung, Wellness. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie gelten auch an diesem Ort der Erholung strenge Hygieneregeln und Beschränkungen. Wie passt das zusammen? Schlecht, sagt die Leiterin der Titania-Therme in Neusäß, Jana Freymann. Sie und ihr Team arbeiten seit Wiedereröffnung im Ausnahmezustand. Hinzu kommt Ärger mit einem Teil der Gäste.

Seit vier Monaten läuft der Betrieb im Corona-Modus. Die Chefin des Hauses wirkt abgekämpft und gestresst. Am meisten machen Freymann die Beschwerden von Besuchern zu schaffen. Anlass für Ärger seien die neuen Preise, die Einteilung der Bade- und Saunazeit in Schichten, die Abstandsregeln und die Maskenpflicht in einigen Bereichen. Neben viel Lob von Gästen, die sich einfach nur freuen, überhaupt wieder da sein zu dürfen, bekämen die Mitarbeiter viel Frust ab, beobachtet Jana Freymann.

Anfang Juli hat das Neusässer Titania wieder geöffnet

Mehrere Monate war das Bad auf Anordnung geschlossen gewesen. Anfang Juli durfte wieder geöffnet werden, mit einem vom Gesundheitsamt abgesegneten Hygienekonzept. Schon im Eingangsbereich der Therme fällt sofort auf, dass alles anders ist in diesen Zeiten. Markierungen für den Wartebereich vor der Kasse und Schilder sollen verhindern, dass es gleich zu Beginn eng wird. Aktuell werden gleichzeitig maximal 150 Besucher in die Saunen und 250 Kunden ins Bad eingelassen.

Das neue Modell mit drei Schichten mit jeweils dreieinhalb Stunden Dauer gilt inzwischen nur noch von Freitag bis Sonntag, an Feiertagen und in den Ferien. Von Montag bis Donnerstag habe man sich davon wieder verabschiedet, so Freymann. Hier ist seit Anfang Oktober wieder den ganzen Tag der Eintritt möglich. Ob dies im Herbst und Winter so bleiben wird oder es wieder täglich Schichten gibt, ist offen. Normal ist in dieser Jahreszeit der meiste Betrieb im Bad, doch die steigenden Infektionszahlen könnten dies ändern. "Wir wissen nicht, ob die Menschen aus Angst vor dem Virus wieder lieber daheim bleiben", sagt Freymann.

Hinweisschilder zu Abstand und Hygiene begrüßen die Besucher im Titania gleich im Eingangsbereich.
Bild: Marcus Merk

Noch kommen die Gäste zahlreich in die Therme, gleich nach Öffnung haben die zwei Kassenmitarbeiterinnen gut zu tun. Um eine Karte für eine Schicht am Wochenende zu bekommen, muss man sich online ein Ticket besorgen. Damit wollen die Betreiber vermeiden, dass Besucher nach Neusäß fahren und erst an der Kasse erfahren, dass das Bad schon voll ist. Die Maske müssen die Besucher nur im Eingangs- und Umkleidebereich tragen.

Im Saunabereich fallen die Änderungen schneller auf

Ansonsten ist Abstand das oberste Gebot. Die Mitarbeiter müssen aufpassen, dass sich nur eine bestimmte Anzahl an Gästen in den Becken aufhält. Besonders schwer lasse sich dies im Mini-Planschbecken einhalten, erzählt die Leiterin. Eigentlich dürfen nur drei Leute darin sein. Doch oft seien es mehr und Besucher würden behaupten, sie seien ein Haushalt. "Wie sollen das meine Mitarbeiter überprüfen?", fragt Freymann. Als Idee zur Verbesserung schwebt ihr eine Ampel vor. Im Sportbecken dürfen maximal 50 Menschen schwimmen, allerdings gelten fest vorgeschriebene Bahnen für die Runden. 125 Leute dürfen ins große warme Becken.

Im Saunabereich fallen die Änderungen schneller ins Auge. Der neu gebaute Aufenthaltsbereich wirkt kahl und nüchtern. Deko darf aus Hygienegründen nicht aufgestellt werden. In den Ruheräumen steht nur etwa die Hälfte der Liegen, eingefasst mit Markierungen auf dem Boden. Aufgüsse dürfen wieder gemacht werden, aber ohne Wedeln. Allerdings seien die 50 Aufgüsse am Tag erst ein Testlauf, so Freymann. Wenn beobachtet werde, dass sich die Besucher davor schon versammeln, müsse dies wieder eingestellt werden.

Der neu gestaltete Aufenthaltsraum im Saunabereich der Titania-Therme darf momentan nicht dekoriert werden.
Bild: Marcus Merk

Ein großes Problem für das Titania-Team seien "die Maskenverweigerer", so Freymann. Ihre Mitarbeiter würden von diesen beschimpft. Als alles zureden nichts half, musste in einem Fall sogar die Polizei geholt werden. Szenen wie diese geben der Betriebsleiterin zu denken. Viele Diskussionen führe sie zum Thema Schichtbetrieb. Dass jemand bei Überziehen seiner Schicht bezahlen muss, werde immer wieder als "Abzocke" bezeichnet.

Täglich rund 60 Beschwerden

Freymann versucht dann klar zu machen, dass sie die Einhaltung der Zeiten so streng behandeln, weil sie die Besucherzahl nicht überschreiten dürfen und die nächsten eben schon auf Einlass warten. Die Betriebsleiterin Jana Freymann und ihre Pressesprecherin Petra Voßiek haben anfangs nach der Umstellung täglich rund 60 Beschwerden beantwortet. Freymann ärgert sich, dass von einzelnen Gästen die Angestellten für die coronabedingten Umstände verantwortlich gemacht werden: "Meine Mitarbeiter haben es gerade ganz schön schwer."

Sie seien auch nicht für die Preise verantwortlich. Freymann betont, dass von "Wucher" ihrer Meinung nach keine Rede sein kann. Den aktuellen Wechsel vom Sommertarif auf den Wintertarif habe es schon immer gegeben. Das Management der GMF und der Badbeirat hätten für die Corona-Zeit Tarife geschaffen, die sich an den durchschnittlichen Aufenthaltszeiten von 3,5 bis vier Stunden nahezu an den Preisen davor orientierten. Ein Beispiel: Eine Familie (zwei Erwachsene, zwei Kinder) habe früher für drei Stunden Bad 37 Euro gezahlt, aktuell 38 Euro.

Mit Rücksicht auf die begrenzte Anzahl an Besuchern seien die Tageskarten teurer geworden, räumt Freymann ein. Früher zahlte ein Erwachsener mit Kind fürs Bad 24,50 Euro, jetzt 28 Euro. Im Vergleich zu gut besuchten Tagen früher mit 1700 Gästen könne zurzeit am Tag nur die Hälfte davon ins Titania kommen. Freymann spricht hier Klartext: "Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sage ich, wenn noch weniger Besucher kommen dürften, müsste man eher gleich ganz schließen."

Furcht vor einer Krankheitswelle

Die Betriebsleiterin macht sich mit Blick auf die kalte Jahreszeit noch andere Sorgen. Die Mitarbeiter seien durch die Wärme im Bad und die Kälte durchs Lüften in anderen Bereichen großen Belastungen ausgesetzt. Freymann fürchtet einen hohen Krankenstand. Da sei es dann schon möglich, dass der Ablauf im Bad in Gefahr gerät, wenn in einem Bereich zu viele ausfallen.

Die Leiterin des Bads freut sich über den großen Zuspruch, den sie jüngst auf Facebook erhalten hat, als sie die schwierige Situation erklärte. Jana Freymann kann verstehen, dass die Änderungen bei den Tarifen und Abläufen für Verwirrung und Irritation sorgen. Sie wünscht sich allerdings, dass Kritik sachlich vorgetragen wird. Auf persönliche Beleidigungen und Beschimpfungen werde sie nicht mehr reagieren, so ihr klares Statement.

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