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Augsburg

13.02.2016

Sport als Integrationshilfe

Von der Erstaufnahme zum Sportplatz oder in die Schwimmhalle: Immer mehr Flüchtlinge entdecken die Sportvereine für sich. Künftig soll ein „Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug“ bei der Integration helfen.
Bild: Foto: dpa

Claudia Linke, Bezirksvorsitzende der Bayerischen Sportjugend, erklärt, wie Vereine Unterstützung finden, Flüchtlinge einzubinden

In vielen Gemeinden sind derzeit Flüchtlinge untergebracht. Die Kommunen stehen vor großen Herausforderungen. Auch der Sport kann dabei helfen. Die Bezirksvorsitzende der Bayerischen Sportjugend, Claudia Linke, erklärt, wie die Integration der Asylbewerber in den Sportvereinen gelingen kann.

Viele Vereine scheuen die Aufnahme von Flüchtlingen in ihr Sportangebot, weil sie sich nicht sicher sind, ob diese versichert sind...

Linke: In diesem Fall gibt es keine Bedenken. Wenn ein Flüchtling oder Asylbewerber kommt, ist er versichert und kann am Sportangebot eines Vereins teilnehmen – sofern der Verein Mitglied im Bayerischen Landessportverband (BLSV) ist.

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Muss der Verein die Flüchtlinge beim BLSV melden?

Linke: Kein Flüchtling muss extra gemeldet werden. Nur wer Mitglied ist.

Heißt das, dass ein Asylbewerber nicht zwangsläufig Vereinsmitglied werden muss?

Linke: Genau! Durch diese Ausnahmeregelung können Männer, Frauen und Kinder mit Flüchtlingsstatus das Sportangebot des Vereins nutzen. Sie sind automatisch versichert.

Welches Angebot können die Flüchtlinge und Asylbewerber nutzen?

Linke: Da gibt es keine Einschränkungen. Sie können an jedem regulären Vereinsangebot teilnehmen und auch zu Feriencamps mitfahren – sofern sie den Landkreis verlassen dürfen. Das muss vorher abgeklärt werden.

Manche Vereine schaffen extra Sportkurse für Flüchtlinge. Ist das sinnvoll?

Linke: Als Erstes kommen ja meist die Kinder in die Vereine. Dabei ist vor allem der Fußball das zentrale Thema, weil er ohne Sprache funktioniert. Das ist relativ unkompliziert. Viel schwieriger ist es, muslimische Frauen zu integrieren. Schön wäre es, wenn Flüchtlingsfrauen für spezielle Sportangebote – zum Beispiel Mutter-und-Kind-Turnen – ausgebildet werden könnten. Dann würden die anderen Frauen auch kommen.

Wenn ein Asylbewerber aber irgendwann am Punktspielbetrieb teilnehmen will, sieht die Sache anders aus?

Linke: Um an offiziellen Wettkämpfen oder Punktspielen teilnehmen zu können, ist eine Vereinsmitgliedschaft unumgänglich, um über den BLSV eine Lizenz oder einen Pass beim entsprechenden Verband zu bekommen. Das ist oft der Knackpunkt. Aber die Vereine brauchen vor allem die vielen jungen Menschen. Da muss dann von Fall zu Fall entschieden werden, wie die Zahlung des Mitgliedsbeitrags geregelt wird.

Um einen offiziellen Spielerpass zu bekommen, kann es aber dauern...

Linke: Das stimmt leider. Viele Fachverbände prüfen genau, ob derjenige in seinem Heimatland einen Spielerpass besitzt.

Was gilt es bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu beachten?

Linke: Hier ist es eigentlich leichter, weil Minderjährige, die ohne Erziehungsberechtigten nach Deutschland kommen, unter die Obhut des Jugendamtes gestellt sind. Im Falle einer Vereinsmitgliedschaft oder bei der Beantragung eines Spielerpasses kann sich der Verein an den entsprechenden Vormund wenden.

Um den Vereinen die Besetzung des Sportangebots zu erleichtern, wurde vor Kurzem extra ein sogenannter „Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug“ geschaffen. Was hat es damit auf sich?

Linke: Nirgendwo fällt die Integration so leicht wie im Sport. Deshalb können Vereine „Bufdis“ in Voll- oder Teilzeit einstellen, welche die Koordination zwischen dem Verein und Flüchtlingen übernehmen und die Integration unterstützen sollen. Die volljährigen und möglichst sportaffinen Freiwilligen können auch Behördengänge begleiten. Und was spräche dagegen, in einem am Nachmittag leer stehenden Vereinsheim Deutschunterricht abzuhalten? Junge Leute sind da sehr offen.

Seit wann gibt es den Freiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug?

Linke: Für Bayern wurden ab 1. Januar 25 Stellen zugesichert, die mit 300 Euro im Monat entlohnt werden. Momentan ist alles am Laufen. Bewerbungen sind willkommen. Langfristiges Ziel ist es, einmal junge Flüchtlinge dafür zu gewinnen und auszubilden. Aber dorthin ist es noch ein weiter Weg.

Gibt es in Schwaben bereits Einsatzstellen?

Linke: Leider hat sich noch kein Verein gefunden, der sich hier einbringen möchte.

Wie wird ein Verein Einsatzstelle?

Linke: Er muss beim Ministerium anerkannt werden, nach Freiwilligen suchen, Vertrag abschließen und dann Kooperationen mit Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinden oder Gruppenunterkünften aufnehmen. Die Bayerische Sportjugend hilft dabei gerne weiter.

Interview: Oliver Reiser

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.freiwilligendienste.bsj.org oder bei der Bayerischen Sportjugend, Gesche Grimm, Telefon 089/15702-455.

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15.02.2016

Linke: In diesem Fall gibt es keine Bedenken. Wenn ein Flüchtling oder Asylbewerber kommt, ist er versichert und kann am Sportangebot eines Vereins teilnehmen – sofern der Verein Mitglied im Bayerischen Landessportverband (BLSV) ist.

......

Linke: Genau! Durch diese Ausnahmeregelung können Männer, Frauen und Kinder mit Flüchtlingsstatus das Sportangebot des Vereins nutzen. Sie sind automatisch versichert....

So was nun? Gilt die Versicherung nur für Personen mit Flüchtingsstatus oder auch für Asylbewerber, die noch keinen Flüchtlingstatus besitzen, sondern sich noch in der Clearingsphase befinden?

Also sicherheitshalber doch als normale Mitglieder aufnehmen und sich einen Sponsor für den Beitrag suchen, oder?

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