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Landkreis Augsburg

16.05.2020

Sportgaststätte über Lieferung: „Zahle weniger drauf, als wenn ich ganz zu hätte“,

Tobias Glatt, Wirt der Zauberküche im Vereinsheim des TSV Herbertshofen, freut sich, dass er am Montag zunächst einmal seinen Biergarten und bald auch sein Lokal wieder öffnen darf. Aber er hat auch Bedenken.
Bild: Marcus Merk

Plus Pächter überbrücken mit „Essen to go“ die schwierige Zeit. Wegen der Wiedereröffnung, die zunächst mit den Biergärten beginnt, gehen die Meinungen auseinander.

Von den jüngsten Lockerungen der Corona-Sperren in den vergangenen Tagen nicht betroffen sind die vielen Sporthallen, Umkleidekabinen und Gastronomiebereiche. Das bedeutet für die zahlreichen Vereine im Landkreis, dass weiterhin Einnahmen durch den Verkauf von Speisen und Getränken wegbrechen. Besonders schwer trifft dies die Pächter von Sportheimen, die teilweise exklusive Restaurants betreiben. Ab dem kommenden Montag dürfen sie zumindest den Biergartenbetrieb wieder aufnehmen – soweit Plätze im Freien vorhanden sind.

Viel ins Freiluftgeschäft investiert

Viel in das Freiluftgeschäft investiert hat Germar Thiele, der erst 2017 den neu gestalteten Außenbereich mit Platz für 100 Besucher in seinem Restaurant „Germar’s Best Burger & Pizzas“ eröffnet hat. Eine Sportgaststätte im herkömmlichen Sinne ist die ehemalige Vereinsgaststätte des TSV Schwabmünchen längst nicht mehr. Mittlerweile ist es ein In-Lokal. „An manchen Wochenenden müssen wir die Leute wegschicken, weil die 130 Plätze nicht ausreichen“, sagt der Inhaber, der gleichzeitig Fußball-Abteilungsleiter und Vorstandsmitglied des TSV Schwabmünchen ist.

Wie das nach der Wiedereröffnung mit den strengen Corona-Auflagen funktionieren soll, kann er sich noch nicht vorstellen. Bisher konnte der Gastronom jedoch alle Verbindlichkeiten, die durch An- und Umbauten entstanden sind, bedienen. Und nicht nur das. „Der TSV hat mir zwar angeboten, die Pacht auszusetzen, aber ich zahle weiter, denn die brauchen ja auch das Geld. So lange ich zahlungsfähig bin, werde ich das wahrnehmen, denn schließlich bin ich auch Sponsor des TSV Schwabmünchen.“ Mit staatlicher Soforthilfe werde er zwei, drei Monate über die Runden kommen.

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Die Ansagen der Staatsregierung abwarten

Die Wiedereröffnung der Biergärten will er in aller Ruhe auf sich zukommen lassen. „Erstmal die Ansagen der Staatsregierung abwarten“, sagt Thiele. Wenn es zu krass sein sollte und er vielleicht sogar investieren müsste, werde er überlegen, ob es überhaupt Sinn macht. „So wie es jetzt losgeht, bringt es kostentechnisch nichts. Man braucht das komplette Personal und hat nur ein Drittel der Gäste“, schüttelt Thiele den Kopf. Ähnlich verhält es sich mit Lieferung und Mitnahme von Speisen. „Ich zahle weniger drauf, als wenn ich ganz zu hätte“, sagt Thiele, der mit den Corona-Maßnahmen grundsätzlich nicht einverstanden ist.

Gleich zwei Terrassen kann das Sportheim des SSV Anhausen vorweisen. Hier hat mitten in der Corona-Krise der Pächter gewechselt. Der Italiener Antonio Galli bewirtschaftet nun die Waldgaststätte Anhauser Tal, die ein beliebter Ausflugsort für Spaziergänger, Wanderer und Fahrradfahrer ist. Kein Wunder, dass er auf die Wiedereröffnung wartet. Zuletzt konnte er seine Speisen nur zum Mitnehmen anbieten. Bei der Pacht und der Miete für die Wohnung, die zur Gaststätte dazugehört, sei der SSV der Wirtsfamilie „extremst entgegengekommen“, so Vorstandsmitglied Günther Frank.

Einen Start unter ungünstigen Voraussetzungen hatte auch Kadro Seperovic, der nach dem überraschenden Tod des langjährigen Wirtes Robert Fendt die Vereinsgaststätte des TSV Neusäß erst im Januar übernommen hat. Zuletzt konnte er seine jugoslawischen Speisen und Pizzas nur To Go anbieten. Darauf musste Jürgen Bouska vom „Wirtshaus am Sportplatz“ des TSV Gersthofen lange verzichten, da ein Rohrbruch die Küche unter Wasser gesetzt hatte. Nun läuft es ganz gut. Trotzdem freut sich Bouska, dass seinen Biergarten endlich wieder öffnen kann: „Trotz enormer Hygienevorschriften.“

TSV Zusmarshausen unterstützt seinen Wirt

Den klangvollen Namen „Ristorante e Pizzeria Arena“ trägt die Vereinsgaststätte des TSV Zusmarshausen, die seit zwei Jahren in stilvollem Ambiente von Antonio Celli betrieben wird. „Wir haben ihm angeboten, die Pacht auszusetzen, wenn es finanziell nicht mehr möglich ist“, berichtet Gerhard Biber. Der Vorsitzende des TSV Zusmarshausen unterstützt und motiviert seinen Wirt, wo er kann. „Jetzt beginnt auch wieder die Schule. Da kann er sein Mittagsangebot für die Schülerinnen und Schüler des in unmittelbarer Nähe liegenden Schulzentrums wieder aufleben lassen“, zeigt sich Biber zuversichtlich und geht davon aus, „dass auch die wunderschöne Terrasse ab Montag wieder bedient wird.“

Aber auch alte Hasen hat der Lockdown voll erwischt. Seit 24 Jahren ist Tobias Glatt in der Gastronomie tätig. Von 1996 bis 2013 im Schlosscafe, das 2001 von der Meitinger Schlossstraße in die Ballspielhalle zog, 2013 hat er das Sportheim des TSV Herbertshofen gepachtet, um dort seine Gäste als Wirt und Caterer mit Spezialitäten aus der „Zauberküche“ zu verwöhnen.

Kein typisches Sportheim

Das Restaurant ist kein typisches Sportheim. „Doch ich will und brauche den Verein“, sagt Glatt. Eine Situation wie die aktuelle hat der 51-Jährige noch nie erlebt. „Wie soll es einem gehen, wenn das komplette Geschäft weggebrochen ist? Hochzeiten, Geburtstage – alles abgesagt“, beschreibt er die schwierige Situation. Der TSV Herbertshofen sei ihm in dieser Zeit der Corona-Krise sehr entgegengekommen. Glatt: „Die Pacht wurde teilweise ausgesetzt und teilweise erlassen. Wir haben ein gutes Verhältnis.“ In der Zwischenzeit hat er sich mit Speisenverkauf To Go über Wasser gehalten. „Man muss es machen, aber rentieren tut es sich nur, wenn man es ohne Personal macht“, will Tobias Glatt allerdings nicht meckern: „Da muss man durch!“

Gemischte Gefühle in Herbertshofen

Dass er am kommenden Montag seinen Biergarten, der normalerweise 80 Gästen Platz bietet, wieder unter Auflagen öffnen darf, sieht der Zauberküchen-Wirt mit gemischten Gefühlen: „Wir werden uns an die Vorschriften halten und natürlich Mundschutz tragen“, sagt Glatt. „Aber ich weiß noch gar nicht, wie das alles gehandhabt wird. Ob ich entscheiden muss, wer zu wem sitzen darf.“

Auch wenn er sich über eine Wiederöffnung freut, wäre es ihm trotzdem lieber gewesen, wenn noch zwei Wochen alles geschlossen gewesen wäre „und dann Sicherheit geherrscht hätte, dass man das Coronavirus im Griff hat. Aber ich nehme es, wie es kommt!“

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