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Mittelneufnach

27.09.2010

Stauden wollen nicht länger Stiefkind sein

Hubert Teichmann steht bereit für den regelmäßigen Bahnverkehr auf der Strecke in die Stauden. Archivfoto: Marcus Merk

Schwer benachteiligt fühlen sich die rund 15 000 Bürger der Staudengemeinden bei ihrer Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Das machte Fischachs Bürgermeister Peter Ziegelmeier bei einer Fachtagung deutlich. Von Peter Stöbich

Mittelneufnach. Schwer benachteiligt fühlen sich die rund 15 000 Bürger der Staudengemeinden bei ihrer Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Das machte Fischachs Bürgermeister Peter Ziegelmeier bei einer Fachtagung von Bündnis 90/Die Grünen am Wochenende im Gemeindezentrum von Mittelneufnach deutlich.

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Weil es wenig wohnortnahe Arbeitsplätze gebe, so Ziegelmeier, würden viele Fachkräfte und junge Familien notgedrungen Richtung Augsburg oder München abwandern; dies mindere wiederum die Steuereinnahmen der Kommunen.

"Von Mickhausen geht am Wochenende Richtung Augsburg gar nichts mehr", beklagte der Bürgermeister und rechnete vor, dass ein aufs eigene Auto angewiesener Staudenbewohner jährlich rund 235 Stunden im Stau stehe. Joachim Schoner, Kreisrat der Grünen aus Langenneufnach, schilderte die Situation für Markt Wald ganz ähnlich und sagte, in Habertsweiler mit knapp 100 Einwohnern existiere überhaupt kein ÖPNV.

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Blick nach Rheinland-Pfalz

Im Vorjahr hatten sich die Kreisräte in Rheinland-Pfalz informiert, wie dort alte Bahnstrecken wieder aktiviert und der Nahverkehr attraktiv gestaltet wurde. Details dazu schilderte Werner Schreiner vom Nahverkehrsverbund Rhein-Neckar, der als Vater der dortigen Bahntrassen gilt. Aus Ulm war Nahverkehrsberater Ulrich Grosse nach Mittelneufnach gekommen. Was für den Raum Ulm-Weißenhorn realisiert wurde, sagte er, könnte auch als Anregung für die Stauden dienen.

Über die Staudenbahn als Entwicklungsachse für die Region sprach Hubert Teichmann. Er forderte die Politiker auf, "endlich mal etwas zu tun". Es sei genau zehn Jahre her, dass die Bahnbetriebsgesellschaft Stauden gegründet worden sei und als Infrastrukturbetreiber die Bahnstrecke Gessertshausen-Markt Wald übernommen habe. Engagiert sprach sich Teichmann für eine Reaktivierung des Abschnitts von Gessertshausen bis Langenneufnach aus. Es gelte, die Stauden als Siedlungs- und Wirtschaftsstandort zu stärken. Dass die Stauden für Pendler zunehmend unattraktiv würden, wirke sich negativ auf Bevölkerungsstruktur aus. "Aber Unzufriedenheit ist die Basis jeglichen Fortschritts", hoffte Teichmann auf Besserung.

Gar so schlecht sei das Nahverkehrsangebot in der Region auch wieder nicht, erwiderte in der Diskussion Landrat Martin Sailer: Der Landkreis gebe dafür jedes Jahr mehrere Millionen aus. Sailer räumte zwar gewisse Defizite ein, "aber nichts ist so gut, dass man es nicht besser machen könnte". Landtagsabgeordnete Christine Kamm prangerte eine aus ihrer Sicht falsche politische Weichenstellung: Es werde zu stark in die Straße investiert.

Die jahrelange Diskussion hat durch eine Umfrage der FDP in den Stauden wieder neue Aktualität gewonnen: 163 Staudenbewohner beteiligten sich an einer Staudenbahn-Umfrage. Besonders deutlich war der Wunsch nach einer Bahnverbindung zum Augsburger Hauptbahnhof.

Neben 121 Bürgern, die die Bahnverbindung für Einkäufe, Arzttermine und den Besuch von Veranstaltungen nutzen würden, plädieren vor allem Pendler für eine Reaktivierung der Strecke.

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