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Dialekte

05.08.2013

„Strähl“ ist ein „Lausrecha“

In unserer Serie um sprachliche Besonderheiten geht es heute ums Kämmen – und was das mit Zähnen zu tun hat

Landkreis Augsburg Immer wieder einmal finden wir im bayerisch-schwäbischen Raum Mundartwörter, die eine recht exakte Bestimmung der Herkunft der Person, die sie verwendet, erlauben. Und immer wieder einmal ist der Lech die recht genaue Sprachgrenze zwischen zwei völlig unterschiedlichen Begriffen.

Im Bayerischen dürfte kaum einer das Wort „Strähl“ kennen, das im Schwäbischen, ja wohl im gesamten Südwesten der Republik, noch im 19. Jahrhundert das Standardwort für Kamm war. Und kämmen hieß „strählen“ („strääla“). Allerdings verschwinden beide Wörter nun auch im Dialekt. Selbst schwäbisch Sprechende älteren Jahrgangs erinnern sich oft nur mehr schemenhaft an das Wort – schade. Doch wenn es einer kennt und vielleicht sogar noch in seinem Wortschatz hat, dann ist er sicher links des Lechs daheim, wo man ins Württembergische hinein heute noch scherzhaft auch „Lausrecha“ sagt.

Im Althochdeutschen lautet das Ursprungswort zu „Strähl“ noch „stral“ und bedeutet zunächst Pfeil und Strahl. Und „straelen“ heißt folglich erst einmal nur „mit dem Pfeil bearbeiten“. Doch schon im Mittelhochdeutschen bürgern sich die Bedeutungen Kamm und kämmen ein. Sprachforscher König vermutet, dass der ursprüngliche Kamm nur wenige Pfeile oder Strahlen, also Zähne, hatte.

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Auch das Wort Kamm der Standardsprache hat mit Zähnen zu tun. Althochdeutsch „kamb“ und mittelhochdeutsch „kam(p)“ sind der Begriff für das Gebiss als Gesamtheit der Zähne, sagt der Duden. Rechts des Lech sagt man heute noch im Dialekt „Kamp“ für Kamm. Und kämmen heißt in diversen Aussprachevarianten dann „ka/ämpeln“, „kämmeln“.

Es gibt keinen eigenen Begriff für „Friseur“

Erstaunlicherweise gibt es in unseren Mundarten keinen eigenen Begriff für Friseur – ein Wort, das zwar aus dem Französischen kommt, von unseren Nachbarn aber nicht verwendet wird. Da gibt’s noch den Barbier, also den „Bartschneider“, dessen Rasierschaumschüssel heute noch gelegentlich als eine Art Zunftzeichen der Herrenfriseure vor dem Salon hängt.

Bei Zehenter (bayerisches Deutsch/Hugendubel) findet sich der Begriff Bader, allerdings nicht als Dialektwort, vielmehr als veraltete Berufsbezeichnung. Die Herkunft ist klar, es war derjenige, der Bäder anbot, Haare schnitt und obendrein mehr oder minder geschickt kleinere Operationen, wie Zähneziehen, vornahm. Wahrscheinlich hat der Bader früher auch Gerstenkörner behandelt – um die wollen wir uns das nächste Mal kümmern.

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