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17.04.2015

Süßigkeiten und Nachhilfe für Flüchtlinge

Nicht nur nehmen, sondern auch geben möchten die Neuankömmlinge und boten frisch gebackene Süßigkeiten an.
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Nicht nur nehmen, sondern auch geben möchten die Neuankömmlinge und boten frisch gebackene Süßigkeiten an.

Langweider wollen den 76 neuen Asylbewerbern auf vielfältige Weise helfen

Der große Saal im Pfarrheim St.Vitus füllte sich schnell. Die in Langweid angekommenen Asylsuchenden trafen sich mit den ehrenamtlichen Helfern, die den syrischen und nigerianischen Neuankömmlingen tatkräftig zur Seite stehen. Von den in der Gemeinde erwarteten 100 Asylbewerbern sind bisher 76 eingetroffen. Die Integrationsbeauftragte der Gemeinde, Manuela Schnierle, hatte zum Kennenlerntreffen eingeladen, und der Ansturm war riesig.

Schnierle war es wichtig zu erfahren, welche Unterstützung die Menschen vorrangig brauchen. Dafür stellte sie mit der Unterstützung von Rizan Barakat, Marwan Hamdoun und Heinz Koutecky als Übersetzer für Arabisch und Englisch die Möglichkeiten der Hilfe vor. So kann der Kontakt zu christlichen Kirchen oder zur Moschee in Gersthofen hergestellt werden, der Verein Hilfe Conkret stellt Kleidung, Möbel und andere Dinge des täglichen Lebens aus Sachspenden zur Verfügung, und ehrenamtliche Lehrkräfte geben Deutschunterricht. Einen Sonderapplaus der jungen Männer gab es für die Einladung zum Fußballtraining beim Sportverein, den Vereinsvorstand Heinz Koutecky spontan aussprach.

„Erholen Sie sich und fühlen Sie sich wohl bei uns“, empfing der Dritte Bürgermeister Günter Klein die Neuankömmlinge und bedankte sich für das große Engagement der Langweider. Als Gemeinde, in der Menschen aus fast 60 verschiedenen Ländern zu Hause sind, sollte es mit der Integration der Asylbewerber anstandslos klappen, so Klein.

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„Man muss sich Mühe geben, dann findet man sich auch zurecht“, spricht der 26-jährige Rizan Barakat, der vor zweieinhalb Jahren aus Syrien zuerst nach Norddeutschland kam und später nach Bayern umzog, aus eigener Erfahrung. Nach Sprachkursen und einer Station beim Berufsbildungswerk kam er zwar nicht in seinem ursprünglich erlernten Beruf als Maler unter, doch am Montag könne er bei einem Landschaftsgärtner anfangen, erzählt er glücklich über seinen ersten Arbeitsvertrag.

Dass die Sprache der Schlüssel zum Erfolg in der neuen Umgebung ist, wissen die Menschen. Deshalb bildete sich am Informationstisch „Sprachkurs“ auch gleich eine lange Schlange. Anspruch auf Deutschunterricht besteht eigentlich erst, nachdem das Bleiberecht ausgesprochen wurde. Doch bis dahin vergehen oft wertvolle Monate, und wer schon bald arbeiten möchte, ist dankbar für das Angebot der ehrenamtlichen Lehrkräfte.

Am Tisch von Christine Koutecky vom Verein Hilfe Conkret sind es vorwiegend die Frauen, die sich melden, um für ihre Familie Kleidung und für die Kinder Spielsachen zu bekommen. So wünscht sich die sechseinhalbjährige Joy sehnlichst ein Fahrrad, und ein kleiner Bayern-München-Fan wäre überglücklich, wenn er einen Schal seiner Lieblingsmannschaft ergattern könnte. Auch Fahrräder für Erwachsene, moderne Freizeit- und Sportbekleidung für junge Männer in den Größen M bis XL und Fernsehgeräte sind gesuchte Artikel. „Das Fernsehen ist nicht nur zur Unterhaltung in den Wohngruppen gedacht, sondern vor allem zum Hineinhören in die deutsche Sprache eine wichtige Hilfe“, appelliert Koutecky an die Hilfsbereitschaft ihrer Mitbürger. Auch kein Luxus, sondern für die Vorbereitung auf das künftige Erwerbsleben fast unverzichtbar ist die Ausstattung mit Computern oder Laptops.

In der Unterkunft kümmert sich Klaus Müller im Auftrag des Landratsamtes neun Stunden in der Woche um die Anliegen der Asylbewerber, doch das reiche bei Weitem nicht aus, um sich um alle Fragen und Nöte zu kümmern, gibt er unumwunden zu. Zusätzliche Helfer seien daher immer willkommen, so Schnierle.

In Gersthofen geht der Protest weiter

Unterdessen hat der Gersthofer Bernd Mögele seine Unterschriftenaktion gegen weitere Flüchtlingsunterkünfte in Gersthofen abgeschlossen. Dort sollen nach derzeitigem Stand bis Jahresende etwa 200 Menschen unterkommen. Nun fordern mehr als 150 Unterzeichner eine gerechtere Verteilung der Asylbewerber innerhalb Gersthofens sowie im Landkreis. Sie wenden sich gegen eine Konzentration der Unterkünfte im Autobahnviertel.

Mögele hat Kopien der Unterschriftenbögen an Bürgermeister Michael Wörle, Landrat Martin Sailer sowie die Tiefenbacher-Stiftung geschickt. Sie vermietet dem Landkreis Asyl-Unterkünfte. Laut Mögele würden die Unterzeichner der Unterschriftenliste eine öffentliche Veranstaltung zum Thema „Asylunterkünfte in Gersthofen“ begrüßen. (mit cf)

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