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Stadtbergen

12.11.2018

Symphonieorchester: Hymnen, Heimat und heiße Töne

Das Symphonieorchester Stadtbergen unter der Leitung von Irena Anda hat ein vielfältiges Programm im Bürgersaal geboten. 

Das Symphonieorchester Stadtbergen bringt zum Herbst viele Farben auf die Bühne. Eine Konzertkritik.

Mit einem Programm von der Klassik über romantische Klänge aus dem Osten bis zur swingenden Moderne ging das Symphonieorchester unter der Leitung von Irene Anda in den musikalischen Herbst. Das Publikum im ausverkauften Bürgersaal wurde dabei mit Werken von Ludwig van Beethoven, Roberto Molinelli und Peter Tschaikowsky an die verschiedensten Schauplätze in aller Welt geführt – mit dramatischen, verträumten, swingenden und hymnisch aufgeladenen Stimmungen.

Die Ouvertüre zu Beethovens Oper „Fidelio“, in der Leonores Geliebter Florestan als politischer Gefangener schmachtet, führt vom spanischen Kerker in die Freiheit – das Orchester hatte durchaus kernigen Schwung, ging durch fein phrasierte Momente dieser schönen Musik; die überaus heikel exponierten Bläser- und Streicherpassagen suchten aber noch ihre Klarheit.

Was im zweiten Programmpunkt über die Bühne ging, war der perfekte Kontrast – im Genre und in der Darbietung. Er riss die Zuhörer hin. Schauplatz New York, „Big Apple“: „Four Pictures From New York“, ein Konzert für Saxofon und Orchester von Roberto Molinelli, ließ in den amerikanischen Kultkosmos eintauchen, zu allen Tageszeiten, an unterschiedlichen Orten, mit den verschiedensten Szenen und Stimmungen. Christian Segmehl, international gefragter Solist, zauberte mit den Höhen und Tiefen von Sopran-, Tenor- und Altsaxofon die lyrisch verträumten oder temperamentvoll ausbrechenden Elemente des italienischen Tausendsassas Molinello, der mit Raffinement in viele musikalische Gewänder schlüpfen kann. 

Symphonieorchester: Hymnen, Heimat und heiße Töne

Lässig melancholisch ist das Erwachen in „Dreaming Dawn“. Eine Hommage an Piazzolla scheint „Tango-Club“, in dem Segmehl und das rhythmisch fabelhaft „explodierende“ Orchester die Schärfen, Hitze und Taktmotorik dieses Tanzes zelebrierten. „Sentimental Evening“ brachte in einer eingebauten solistischen coolen Jazz-Passage mit piano, drums und bass (Leo Borisovljevi, Maximilian Menz, Sandra Staiger) für Christian Segmehl neue Akzente, ehe in „Broadway Night“ dem Musical gehuldigt wurde. Auch das Orchester mit seinem präzis durchgeglühten Beitrag musste in den Riesenapplaus einbezogen werden.

In eine ganz andere Welt entführte das Programm mit einem frühen Werk von Tschaikowsky. Seine „2. Symphonie c-Moll“ wird auch die „Kleinrussische“ genannt, womit die Ukraine gemeint ist. Hier baut sich vor allem auf ukrainischen Liedern und Tänzen mit einer Mischung aus folkloristischen Heimattönen, symphonisch erhöhten Fugenelementen und hymnischen Steigerungen ein musikalischer Nationaltraum auf. Das Orchester unter Irena Andas zwingend präzisem Dirigat richtete diesen mal schmeichelnden, mal wuchtig dröhnenden Koloss mit Kühnheit sicher auf.

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